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Lokalsport In den USA plötzlich ein Führungsspieler
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16:00 09.03.2021
Mit 22 ein Routinier im Team: Johannes Madsack (rechts) im Trikot der Carroll University.
Mit 22 ein Routinier im Team: Johannes Madsack (rechts) im Trikot der Carroll University. Quelle: Caden Pruitt
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Marburg

Wenn Johannes Madsack an sein Auslandssemester in den Vereinigten Staaten, genauer als Fußballer des Teams der Carroll University in Wisconsin zurückdenkt, wenn er überlegt, was er als Kicker aus dieser Zeit mitgenommen hat, dann fällt ihm vor allem die Erfahrung ein, die er gewonnen hat. Denn damals, im Wintersemester 2015/2016, war er plötzlich ein Routinier in seiner Mannschaft. „Im Verein bin ich einer der jüngeren Spieler gewesen, am College dann auf einmal einer der ältesten“, erzählt der Wenkbacher. 22 war er und musste Führungsverantwortung übernehmen, machte das auch gern: „Ich habe versucht, die jüngeren Spieler, die gerade von der High School kamen, zu führen, ihnen Tipps zu geben.“ Das, sagt er, habe ihn reifer gemacht – nicht nur als Fußballer.

Seit einigen Wochen ist Madsack nach abgeschlossenem Referendariat an der Marburger Martin-Luther-Schule Lehrer an der Gesamtschule in Niederwalgern, an der er früher selbst Schüler war. An der Philipps-Universität hat der inzwischen 27-Jährige, der derzeit auch in Marburg wohnt und zum Kader der zweiten Mannschaft der Sportfreunde Blau-Gelb gehört, Englisch und Sport auf Lehramt studiert. Ein Auslandssemester, dachte er sich, würde ihm helfen und gefallen: mal ein anderes Land, eine andere Hochschule kennenlernen, die Sprache, die er studierte, auch im Alltag anwenden.

In der Vorbereitung drei Mal Training pro Tag

Bei einer Veranstaltung der Marburger Universität kam er mit einem Gaststudenten von der Carroll University ins Gespräch. „Er hat mich überzeugt, mich auf einen Studienplatz dort zu bewerben. Und er hat mir die Kontaktdaten des Fußballtrainers gegeben“, berichtet Madsack, der den Coach anschrieb. „Er sagte mir, ich sollte drei Wochen vor Semesterbeginn da sein. Das habe ich gemacht.“ Einen Leistungstest meisterte der Mittelfeldmann, der zuvor bei der FSG Südkreis in der Kreisoberliga gespielt hatte. Er war im Kader und glücklich darüber – auch wenn die Saisonvorbereitung sehr anstrengend war: „Es waren drei Wochen, in denen an jedem Tag drei Mal trainiert wurde. Mindestens bei einer Einheit davon ging es nur um Kraft und Athletik.“

Physisch waren die meisten Spieler sehr stark – für Madsack kein Problem: „Ich bin auch jemand, der übers Körperliche kommt. Ich musste mich nicht groß anpassen.“ Einen Moment brauchte er, um mit gewissen Kommandos zurechtzukommen, „aber auch die hat man nach ein paar Trainingseinheiten drin“, erzählt der Mittelfeldspieler.

Trotz Aus im Halbfinale für ihn eine „tolle Zeit“

Die Spielzeit war sehr kurz, aber anspruchsvoll: Zwölf Partien bestritt das Team aus der Kleinstadt Waukesha, nur wenige Meilen von Milwaukee entfernt gelegen, in der regulären Saison in ihrer Conference in Division III der National Collegiate Athletic Association (NCAA), in der sie auf andere Collegeteams aus Wisconsin sowie aus Minnesota, Iowa und Ohio traf. „Es lief insgesamt ziemlich gut“, sagt Madsack im Rückblick. Die Playoffs wurden erreicht, dort gab es jedoch im Halbfinale eine 1:2-Niederlage – „ziemlich unglücklich“ sei die gewesen. Eine „tolle Zeit“ war’s für ihn trotzdem.

Von Stefan Weisbrod