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Lokalsport Hendrik Starostzik ist zurück in Mittelhessen
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12:58 11.07.2020
Spielt nun ganz in der Nähe Fußball: der Marburger Fußballprofi Hendrik Starostzik. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Hendrik Starostzik hat in den vergangenen Jahren einiges erlebt. Auf seine Zeit in Kanada blickt er mit überwiegend positiven Gefühlen zurück, das jüngste halbe Jahr in Dänemark lief für den Fußballprofi aus Marburg alles andere als gewünscht.

Künftig ist der 29-Jährige in seiner Heimatregion aktiv, beim FC Gießen hat er einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben. Starostzik macht im Gespräch mit der OP keinen Hehl daraus:

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Er will sich beim Regionalligisten „wieder für höhere Aufgaben empfehlen. Ich bin motiviert. Ich spiele nicht in der Regionalliga, um meine Karriere ausklingen zu lassen.“

Vier Spiele hat der 1,90 Meter große Verteidiger bislang in der zweiten Liga bestritten, 68 in der dritten Liga (siehe Infobox) – sportliche Regionen, in die er gern zurückkehren möchte.

Starostzik: Toll, in der Heimatregion zu spielen

„Ich will noch drei, vier Jahre mit dem Fußball mein Geld verdienen“, erklärt er, traut sich eine höhere Spielklasse zu. „Jetzt geht es darum, in Deutschland wieder auf mich aufmerksam zu machen.“ Denn ins Ausland, das macht er deutlich, möchte er nicht mehr gehen: „Es ist jetzt Schluss, dass meine Familie mit mir reisen muss oder ohne mich in Deutschland ist.“

Für Starostzik ist es „etwas Tolles, dass ich in meiner Heimatregion spielen kann“. Mit seiner Frau Mandy und dem vierjährigen Sohn Leandro hat er sich zunächst bei seinen Eltern in Marburg einquartiert, sucht von dort aus eine Wohnung in Gießen oder in der Umgebung: „Wir wollen ein Zuhause finden, in dem wir dann auch bleiben“, erklärt er.

Familie will sesshaft werden

Die Familie wolle „sesshaft werden“, vor allem mit Blick auf den Sohn: „Er hat viel mitgemacht und ist super damit umgegangen. Aber wir wollen ihm nicht zu viel zumuten.“ Sollte Hendrik Starostzik noch mal den Verein wechseln, würde er so gut es geht pendeln wollen, „zumindest zwei, drei Mal die Woche nach Hause fahren. Von Gießen aus ist ja zum Beispiel der Westen gut zu erreichen.“

Die Nähe Gießens zum Rhein-Main-Gebiet sieht er ebenfalls als Vorteil – auch mit Blick auf seine berufliche Zukunft: „Ich werde ja nicht jünger. Ich muss die Zeit nach meiner Karriere im Blick behalten und im Frankfurter Raum sehe ich da mehr Möglichkeiten.“ Eine Basis schafft er sich mit einem Fernstudium der Wirtschaftspsychologie. Er könne sich auch vorstellen, einen Trainerschein zu machen und so dem Fußball treu zu bleiben.

Club hat „aus der Vergangenheit gelernt“

Zunächst möchte er beim FC Gießen seine Klasse unter Beweis stellen. Dass der Verein zuletzt nicht nur für positive Schlagzeilen gesorgt hatte und zwischenzeitlich der Fortbestand des Clubs aufgrund einer finanziellen Schieflage fraglich war, ist ihm bewusst. Er habe mit dem neuen Geschäftsführer Markus Haupt „gute Gespräche“ geführt, berichtet Starostzik.

„Ich habe das Gefühl, dass die Verantwortlichen aus der Vergangenheit gelernt haben und nur das ausgeben, was sie haben.“ Auch mit Daniyel Cimen sprach er ausführlich, ehe er seinen Ein-Jahres-Vertrag unterzeichnete: „Er ist ein kompetenter Trainer. Wenn wir nicht die stärksten Einzelspieler haben, müssen wir über die Gemeinschaft stark sein. Ich bin überzeugt, dass er es schaffen wird, dass ein starkes Team auf dem Platz stehen wird“, sagt Starostzik.

Vorfreude auf Derbys

Was sportlich drin ist vermag er nicht einzuschätzen: „Dafür kenne ich die Mannschaft und die Liga noch zu wenig.“ Er freue sich auf Derbys, etwa gegen die Offenbacher Kickers, Hessen Kassel oder auch Eintracht Stadtallendorf – und überhaupt darauf, wieder Fußball zu spielen: Nachdem er 2019 in Kanada noch Spaß am Sport hatte, ging er im vergangenen halben Jahr in Dänemark verloren:

Bei Zweitligist Naestved BK kam er nicht ein einziges Mal in einem Pflichtspiel zum Einsatz: Erst zog er sich eine Knieverletzung zu, dann kam die Corona-Pause und schließlich ereignete sich im Training ein Zwischenfall: „Ein Spieler hat einen anderen attackiert. Ich bin dazwischen gegangen und wurde dann selbst niedergeschlagen“, berichtet er. Weil der Club darauf „nicht angemessen reagiert“ habe; bat er um Auflösung seines noch bis 2022 laufenden Vertrags, die Vereinsverantwortlichen stimmten zu. Nun blickt Hendrik Starostzik nach vorn: „Jetzt beginnt etwas Neues!“

Starostziks sportlicher Werdegang

Beim FV Cölbe begann Hendrik Starostzik mit dem Fußballspielen, mit zwölf Jahren wechselte er zum VfB Marburg. 2007 verließ er seine Heimat, um sich den Traum vom Profifußball zu erfüllen. Bis zum ersten Einsatz in einer der drei höchsten deutschen Spielklassen dauerte es aber noch einige Jahre:

Über den SC Paderborn, für den er in der Jugend und in der zweiten Mannschaft spielte, den SC Wiedenbrück und den VfL Bochum II kam der Verteidiger 2014 zu den Stuttgarter Kickers. Für die Schwaben bestritt er in zwei Jahren 53 Partien in der dritten Liga.

Weitere 15 Partien in derselben Spielklasse kamen zwischen 2017 und 2019 für den Halleschen FC hinzu. Dazwischen stand er ein Jahr bei Dynamo Dresden unter Vertrag und kam vier Mal in der zweiten Liga zum Einsatz. Im Frühjahr 2019 wagte er den großen Sprung und schloss sich dem neugegründeten Pacific FC aus dem Südwesten Kanadas an, wo er sich in die Geschichtsbücher eintrug:

Im ersten Erstliga-Spiel der Clubhistorie gelang dem Marburger in der 23. Minute per Kopf der Siegtreffer zum 1:0 gegen die HFX Wanderers. Vor einem halben Jahr wechselte Starostzik nach Dänemark, bestritt für Naestved BK aber kein einziges Pflichtspiel. Nun hat sich der 29-Jährige dem Regionalligisten FC Gießen angeschlossen.

Von Stefan Weisbrod