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Lokalsport Auf Traumstart folgt Verletzungspech
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12:58 05.01.2020
Kein häufiges Bild: Fußballprofi Hendrik Starostzik am Ball. Häufiger musste der Marburger während seiner Zeit in Kanada verletzungsbedingt aussetzen. Quelle: privat
Marburg

Es ist ein Sonntagabend an der kanadischen Westküste, an dem Fluch und Segen für Hendrik Starostzik nur etwas mehr als eine Stunde auseinanderliegen.

5.100 Zuschauer sind an diesem Frühlingstag ins Westhills Stadium gekommen, um Starostzik und seinen Pacific FC im ersten Punktspiel der Vereinsgeschichte zu sehen.

Die kanadische Profi-Liga ist – genau wie alle sieben Teams – neu gegründet worden, der erste Gegner des Pacific FC heißt HFX Wanderers. Wer Favorit ist, kann niemand so richtig sagen.

Erstes Tor im ersten Spiel des Clubs

Nach 23 Minuten kommt eine­ Ecke von rechts in den Wanderers-Strafraum. Die Nummer fünf der Gastgeber, Hendrik Starostzik, steigt völlig frei zum Kopfball und nickt ein. 1:0 – damit und grenzenloser Jubel im Westhills Stadium, der gebürtige Marburger Hendrik Starostzik hat sich als erster Torschütze des Vereins in die Geschichtsbücher eingeschrieben.

„Ich bin später sogar zum Spieler des gesamten ersten Spieltags gewählt worden“, erzählt der ehemalige Spieler von Zweitligist Dynamo Dresden. Wohl auch, weil Starostzik in der 74. Minute mit ­einer starken Grätsche vor der Linie den 1:1-Ausgleich verhindert. „Das war ein Traumstart. Die Bosse haben mir danach in den Armen gelegen.“

Ein tragischer Held

Doch Starostzik merkt noch während des Spiels, dass etwas nicht stimmt. Er hat sich ausgerechnet bei der Rettungstat am Fuß verletzt und spielt unter Schmerzen zu Ende. Mit 1:0 gewinnt seine Mannschaft, der Lokalmatador wird als Matchwinner gefeiert. Die bittere ­Diagnose jedoch danach: Sehnenentzündung, der 28-Jährige muss mehr als zehn Wochen pausieren. Damit fällt er für einen großen Teil der Saison aus.

Heute, rund acht Monate später, ist Starostzik zurück in Deutschland. Das Abenteuer Kanada ist zu Ende. „Man lernt viel für das Leben, es war eine super Erfahrung“, sagt er, „aber die Zeit, in der ich verletzt war, war eine Qual. Ich war in ­einem schönen Land mit Sonne, Strand und Meer, musste aber permanent zu Hause liegen und meinen Fuß kühlen.“

Der Vertrag von Starostzik 
beim Pacific FC, von vornherein zunächst nur auf eine Saison festgelegt, hat sich nicht verlängert. Das hängt auch mit Schwierigkeiten in Kanada zusammen. Seine Frau habe nur ein Besuchervisum bekommen und deshalb nicht arbeiten dürfen, für seinen kleinen Sohn seien die Kita-Kosten enorm hoch gewesen. „Es ist besser für mich und meine Familie, wenn wir versuchen, wieder hier in Deutschland Fuß zu fassen.“

Am Ende der Saison zurück auf dem Platz

Fit ist der 1,89 Meter große Abwehrspieler inzwischen wieder. Am Saisonende mit dem Pacific FC stand er auch schon wieder auf dem Platz, seine Mannschaft beendete die Saison auf Platz vier. Jetzt sucht Starostzik einen neuen Verein in Deutschland – vorübergehend bis zum Sommer sei auch das nähere Ausland in Europa „eine Option“.

„Das Winter-Transferfenster ist schwierig, weil viele Vereine schon ihre Verteidiger haben. Man muss geduldig sein. Es gibt aber zwei, drei Gespräche.“ So lange er noch keinen neuen Club gefunden hat, hält er sich gemeinsam mit seinem Vater fit – dem im Kreis als Trainer gut bekannten Peter Starostzik.

von Yanik Schick