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Lokalsport Corona-Resümee nach den ersten Spieltagen
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18:23 21.09.2020
Bei dem ersten Regionalliga-Spiel der Stadtallendorfer Eintracht gegen den FK Pirmasens waren 450 Zuschauer im Herrenwaldstadion. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Der Abbruch der vergangenen Fußball-Saison ist bei allen Klubs noch präsent. Einige Partien in der laufenden Runde sind bereits aufgrund von Corona-Verdachtsfällen ausgesetzt worden. Und mit diesen Absagen steigt auch die Angst vor einer Liga-Unterbrechung.

Für den Trainer des VfB Wetter, Clemens Drescher, erscheint eine Unterbrechung oder gar ein kompletter Abbruch der Runde nicht unwahrscheinlich.

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„Beide Szenarien würden mich nicht überraschen. Die Verdachtsfälle haben zwar gezeigt, dass die Personen verantwortungsvoll mit der Situation umgehen und den Kontakt mit den Gesundheitsämtern aufnehmen. Aber vor allem jetzt in den Englischen Wochen kann es sein, dass bereits gegen zwei Klubs gespielt wurde und dann erst ein Fall auftritt“, sagt Drescher.

Die Umsetzung der Corona-Auflagen sei beim VfB sehr gut möglich, da die Größe des Sportparks Binge dabei helfe, die Zuschauer zu separieren. „Manche Zuschauer kommen sogar schon mit den ausgefüllten Kontaktdaten-Zetteln an den Platz. Das ist selbstverständlich eine Arbeitserleichterung für uns, und beim Einlass geht es dadurch schneller“, sagt der VfB-Trainer.

Mehrarbeit wird „gerne in Kauf genommen“

Aber es sei auch schwierig, die Abstände zu kontrollieren. Denn oftmals wisse man einfach nicht, ob die Zuschauer zu einer Wohngemeinschaft gehörten oder nicht. „Aber in erster Linie bin ich dem Verein dankbar, dass er die notwendigen Maßnahmen rechtzeitig ergriffen hat. Deshalb ist es uns überhaupt möglich, dass wir wieder Fußball spielen können“, fügt Drescher an.

Das Derby gegen den VfL Biedenkopf haben knapp 220 Zuschauer gesehen. Gegen den TSV Bicken waren ungefähr 180 Personen am Platz. „Selbstverständlich ist es für den Verein mehr Arbeit. Aber das wird von allen gerne in Kauf genommen. Ich habe auch das Gefühl, dass die Zuschauer Verständnis für alles haben. Es scheint fast so, als seien sie einfach froh, dass wieder live Fußball zu sehen ist“, stellt Drescher fest.

Auch Reiner Michalowski, Pressewart der SG Mornshausen/Erdhausen, ist dankbar, dass die Amateure wieder spielen dürfen und Zuschauer die Partien verfolgen können. „Ich vermute sogar, dass wir mehr Personen am Platz haben, als es sonst der Fall ist. Sogar bei den Vorbereitungsspielen haben wir einen hohen Zuspruch in Form von mehr Zuschauern erhalten“, sagt Michalowski. Aber aufgrund der Hygienemaßnahmen entstehe auch ein höherer Personalaufwand für die Vereine.

Knapp ein Zehntel der Kapazität ausgereizt

Wichtig ist dem Pressesprecher aber nur eines: „Ich will einfach nur, dass wir die Saison zu Ende spielen können. Dafür nehmen wir den größeren Aufwand gerne in Kauf.“

Im Gegensatz zu den kleineren Vereinen ist die Auslastung bei den größeren Klubs deutlich geringer. Eigentlich besitzt das Stadion von Eintracht Stadtallendorf eine Kapazität von 5.000 Steh- und Sitzplätzen. Nun ist das Stadion am Herrenwald wegen der Corona-bedingten Restriktionen bereits mit 580 Zuschauern ausverkauft.

Die Folge: Die Verantwortlichen haben errechnet, dass selbst bei einer maximalen Stadionauslastung von 580 Zuschauern ein finanzieller Schaden in Höhe von 80.000 bis 100.000 Euro in dieser Regionalliga-Saison entsteht. Als Kalkulationsgrundlage dienten laut Stadtallendorfs Fußball-Präsident Reiner Bremer die „durchschnittlichen Zuschauereinnahmen der vergangenen Regionalliga-Saison“.

Keine Probleme im großen Stadion

Die Zuschauerzahlen bei den vergangenen Heimspielen gegen den FK Pirmasens und den KSV Hessen Kassel lagen bei 450 und 580 Personen. „Mit 580 Zuschauern war die Partie gegen Kassel zwar ausverkauft. Aber eigentlich haben wir immer knapp 2.000 Personen im Stadion, wenn wir gegen Hessen Kassel spielen“, erinnert sich Bremer. Die Hygienemaßnahmen könnten im Herrenwaldstadion gut umgesetzt werden, allerdings brauche es mehr Ordner.

Auch der Vorsitzende der Eintracht-Fußballer hält eine Unterbrechung der Spielzeit für nicht unwahrscheinlich. „Bei der Größenordnung des Verbandes können wir es schlecht voraussagen. Aber ich halte es für realistisch, wenn die Zahlen weiter steigen, dass es zu einer Unterbrechung oder sogar zu einem Abbruch kommen kann“, stellt Bremer fest.

Von Woche zu Woche denken

Für den Marburger Kreisfußballwart Peter Schmidt steht vor allem eines fest: „Wir müssen von Woche zu Woche denken, weil wir nicht in eine Glaskugel schauen können, was noch alles passieren wird oder was nicht“, sagt Schmidt. Die Arbeit der hiesigen Vereine und des Umfeldes sei vorbildlich.

Dass mancherorts mehr Zuschauer bei Spielen dabei sind, erklärt sich Schmidt mit den warmen Temperaturen. „Es ist nach sechsmonatiger Pause schön, mit Bekannten am Fußballplatz zu stehen, eine Bratwurst zu essen und ein Bier zu trinken“, schildert Schmidt.

Der Kreisfußballwart hofft, dass die Runde zu Ende gespielt werden kann. „Wir haben erst einmal die Hoffnung, dass alles so weitergeht. Wir dürfen nicht vergessen: In Hessen wird wenigstens Fußball gespielt. Andere Bundesländer haben das Glück nicht, dass man wieder Fußballspiele besuchen kann“, stellt Schmidt fest.

Von Leonie Rink