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Wie es Profi Holebas in die Hessenliga zog
Wie es Profi Holebas in die Hessenliga zog
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11:59 27.11.2021
José Holebas (links, gegen Stadtallendorfs Kevin Bartheld) ist der Topstar in Reihen des FC Bayern Alzenau.
José Holebas (links, gegen Stadtallendorfs Kevin Bartheld) ist der Topstar in Reihen des FC Bayern Alzenau. Quelle: Archiv Bayern Alzenau
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Stadtallendorf

„Wenn er mit 37 Jahren noch Lust und Laune hat und zur Mannschaft passt, würde ich so einen Spieler auch nehmen – die Qualität ist ja nach wie vor da“, sagt Dragan Sicaja, Cheftrainer des TSV Eintracht Stadtallendorf, über José Holebas. Der gebürtige Aschaffenburger ist in einer runderneuerten Mannschaft des Hessenligisten FC Bayern Alzenau der Königstransfer schlechthin – schlichtweg weil er im internationalen Fußballgeschäft kein Unbekannter ist.

Der griechisch-deutsche Linksaußen bestritt seit 2010 für Olympiakos Piräus, die AS Rom und den FC Watford mehr als 250 Spiele in europäischen Topligen wie der Serie A oder Premier League. 28 Einsätze in der Champions League und elf Partien in der Europa League kommen hinzu – zuletzt im vergangenen März mit Piräus gegen den FC Arsenal. 38 Mal lief Holebas zudem für die griechische A-Nationalmannschaft auf, unter anderem bei der WM 2014 in Brasilien sowie bei der EM 2012 in Polen und in der Ukraine. Seit Ende September läuft der 37-Jährige für die Alzenauer auf, gab sein Debüt im Hinspiel beim 1:1 gegen Stadtallendorf, flog dabei in der 88. Minute mit einer Gelb-Roten Karte vom Platz.

Amar Zildzovic fällt bei der Eintracht weiter aus

Zum Abschluss der Englischen Woche steht für den TSV Eintracht Stadtallendorf an diesem Samstag (14 Uhr) das Gastspiel in Unterfranken an. Im FC Bayern Alzenau wartet nicht nur ein Regionalliga-Mitabsteiger auf die Elf von TSV-Cheftrainer Dragan Sicaja, sondern auch ein Team, das sich noch berechtigte Hoffnungen auf den Einzug in die Playoffs der Fußball-Hessenliga macht. Als Tabellenvierter führt der kleine FCB das Mittelfeld der Qualifikationsgruppe A an.
„Ich bin sehr optimistisch, dass wir es in die Aufstiegsrunde schaffen. Sechs Punkte würden uns dafür reichen“, rechnet Alzenaus Spielertrainer Peter Sprung vor. Nach dem Remis im Hinspiel sieht der Angreifer sein Team keineswegs chancenlos. „Wir brauchen aber einen sehr guten Tag“, meint der Coach, der in José Holebas einen international erfahrenen Topspieler in seinen Reihen hat (siehe oben).
Sicaja hat seinen Schützlingen nach dem Erfolg am Dienstag im Hessenpokal gegen den SV Steinbach (4:1 n.V.) zwei Tage freigegeben. Nicht nur wegen Holebas, sondern auch wegen anderer routinierter Spieler wie dem drittligaerfahrenen Marcel Wilke bescheinigt Sicaja den Gastgebern die „Qualität, sich unter den ersten fünf zu platzieren“. Verzichten muss der Stadtallendorfer Übungsleiter weiterhin auf Amar Zildzovic, der wegen muskulärer Probleme noch ausfällt. Ob Stürmer Del-Angelo Williams wieder dabei ist, soll sich kurzfristig entscheiden. Angesichts der sich zuspitzenden Infektionslage sehnt der Coach die Winterpause herbei: „In den restlichen drei Spielen müssen wir noch unsere Leistung bringen. Dann haben wir genügend Zeit, um herunterzukommen.“

Er „gibt in jedem Training alles“

Spätestens seitdem heißen seine Gegenspieler nicht mehr Pierre-Emerick Aubameyang oder Bukayo Saka, sondern – wie an diesem Samstag (14 Uhr) – Damijan Heuser oder Muhamet Arifi. Fußball-Provinz statt große Arenen. „Er ist aber einer, der keine Starallüren hat, gibt in jedem Training alles“, verrät Alzenaus Spielertrainer Peter Sprung über den Ex-Profi, der sich laut FCB-Vorstand Andreas Trageser allerdings gegenüber der Presse lieber zurückhält.

Sprung ist’s egal, er freut sich, dass er seinen Kumpel für den kleinen FCB begeistern konnte. Als 18-Jährigen überredete Sprung Holebas seinerzeit beim SV Aschaffenburg-Damm, seine Schuhe nicht an den Nagel zu hängen. Holebas machte weiter – und legte eine Weltkarriere hin, die zunächst mit mehreren Aufstiegen bis in die Landesliga und danach beim TSV 1860 München begann. „Der Kontakt zu ihm ist über die Jahre nie abgerissen“, sagt Sprung. Dass Holebas nach der vergangenen Saison Olympiakos den Rücken gekehrt hat, erklärte er in einem vereinseigenen Interview Ende September so: „Piräus hatte mir einen Vertrag für eine weitere Saison vorgelegt. Allerdings haben mir die Konditionen nicht gefallen.“

Bei den Unterfranken ist der frühere Profi bereits zur festen Größe gereift. Nach seiner Gelb-Rot-Sperre kam er in allen neuen Liga-Partien zum Einsatz, nur einmal nicht über die vollen 90 Minuten.

„Anfangs haben wir ihn als Stürmer und im offensiven Mittelfeld hinter den Stürmern eingesetzt. Das war aber nicht so sein Ding“, erzählt Sprung. Holebas, der als Profi in der Regel den linken Abwehrflügel beackerte, spielt bei den Alzenauern inzwischen eine Position weiter vorn, auf der linken Mittelfeldseite – vermutlich auch an diesem Samstag, wenn der frühere Profi wieder auf Eintracht Stadtallendorf trifft und um wichtige Punkte für die Aufstiegsrunde kämpft.

Von Marcello Di Cicco