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Lokalsport Ein fast perfektes Fußballfest in Biedenkopf
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13:00 19.11.2021
Biedenkopfs Kapitän Cedric Löwer (links) verfolgt Jascha Döringer, den Cappeler in Diensten von Hessen Kassel.
Biedenkopfs Kapitän Cedric Löwer (links) verfolgt Jascha Döringer, den Cappeler in Diensten von Hessen Kassel. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Biedenkopf

„Ich geh’ mir erst mal Pommes holen“, sagte Hendrik Starostzik in Richtung seines Vaters Peter, kurz nachdem plötzlich Dunkelheit auf dem Kunstrasenplatz am Obermühlsweg herrschte. Das Vorhaben des Marburgers, der in Diensten von Hessen Kassel steht, am Mittwoch beim 3:0 (1:0)­-Sieg des KSV im Fußball-Hessenpokal gegen den VfL Biedenkopf aber nicht im Aufgebot stand, sollte sich noch als kluger Schachzug erweisen.

Etwas mehr als acht Minuten waren gespielt, da quittierten die acht Flutlichtmasten ihren Dienst. „Muss jetzt halt jeder sein Handylicht anmachen“, scherzte einer der etwa 950 Zuschauenden, die nicht nur für eine tolle Kulisse sorgten, sondern auch die 25-minütige Zwangspause gelassen hinnahmen – genau wie die Spieler, die es an einem schmuddelig-kalten Abend wieder in die warmen Kabinen zog. „Dort saßen wir kurz im Dunkeln, bis in einer anderen Kabine das Licht anging. Wir sind dann umgezogen“, erzählte Jascha Döringer aus Cappel, seit Sommer bei den „Löwen“ aktiv.

Ungewollte Spielpause

Derweil fuhr man in der Kabine der Heimmannschaft „erst mal runter“, verriet VfL-Kapitän Cedric Löwer. „Wir dachten erst, es sei vielleicht ein kleines Psychospielchen gegen die Kasseler“, nahm Löwer die ungewollte Spielpause mit Humor. Anderen Beteiligten bereitete der Ausfall der Lampen dagegen echte Sorgen, dem VfL-Vorsitzenden und -Stadionsprecher Karsten Plitt etwa.

„Wir hoffen, das Licht bleibt jetzt an. Behalten Sie aber vorsichtshalber die Eintrittskarten. Falls das Licht noch mal ausfällt, könnte es sein, dass der Schiedsrichter das Spiel abbricht“, sagte Plitt gegen 19 Uhr über die Lautsprecher, nachdem ein Licht nach dem anderen wieder angegangen war. Und weiter: „Wir haben jetzt alle Stecker gezogen, die wir ziehen können. Pommes gibt es nicht mehr.“ Schade.

Am Tag danach hatte der Vorsitzende die Ursache längst ausgemacht: „Fritteusen, Glühweinkocher, Getränkewagen – das alles war zu viel für diese elektrische Phase.“ Doch der Fußballgott hatte ein Nachsehen mit dem rührigen Verein, der knapp 50 Helfende im Einsatz hatte, zwang auch den souverän leitenden Unparteiischen Tim Waldinger (Rauschenberg) nicht, das kurzweilige sportliche Duell zu beenden – die Zuschauenden dankten es. Ob gelungener Pass in der Offensive, gewonnener Zweikampf oder Grätsche: Mit Schlägen in die Banden, Trötengeheul und Aufschreien bejubelten die Fans jede gelungene Aktion des Underdogs.

Führung auf dem Fuß

In einer vom Regionalligisten dominierten Begegnung lag den Gastgebern sogar die Führung auf dem Fuß, doch mit seinem Fuß wiederum verhinderte KSV-Keeper Maximilian Zunker den Rückstand durch Stürmer Dennis Rakowski (21.), der nach der Topchance einräumte: „Heute Nacht werde ich erst mal nicht so gut schlafen, die Chance hängt mir nach. So ein Ding mache ich sonst zu 95 Prozent.“ Doch ausgerechnet im Highlight-Spiel sollte es nicht sein.

Stattdessen traf Daniele Maurizio Vesco für die Nordhessen per Strafstoß kurz vor der Pause zur Führung (42.), die Vesco (81.) und Serkan Durna (87.) gegen bis zum Schluss aufopfernd kämpfende und verteidigende Platzherren zum verdienten 3:0-Endstand ausbauten. Egal war dies beim VfL niemandem – aber: „Wir haben uns super verkauft, die Mannschaft hat einen klasse Einsatz gezeigt – insgesamt war es ein toller Erfolg“, lobte Plitt. Auch Löwer stellte fest: „Es ist top gelaufen. Wir haben alle schwere Beine, so muss das sein.“

Lob gab es übrigens auch vom Gegner. „Die Biedenkopfer haben es uns nicht ganz so einfach gemacht“, erkannte Döringer an, der nach der Pause dreimal knapp seinen ersten Pflichtspieltreffer für den KSV verpasste. „Das ist heute aber nicht entscheidend. Sehr wichtig ist, dass wir weitergekommen sind.“

Von Marcello Di Cicco