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27 mit 27: Erdem ist Top-Torjäger der Kreisoberliga Nord
27 mit 27: Erdem ist Top-Torjäger der Kreisoberliga Nord
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15:00 04.01.2022
Torgarant beim Kreisober­ligisten TSV Erksdorf: Stürmer Serkan Erdem.
Torgarant beim Kreisober­ligisten TSV Erksdorf: Stürmer Serkan Erdem. Quelle: Nadine Weigel
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Erksdorf

Wenn die Top sechs der Fußball-Kreisoberliga Nord nach der Winterpause in der Aufstiegsrunde um den Sprung in die Gruppenliga Gießen/Marburg kämpfen, wird der Top-Torjäger der Spielklasse nicht dabei sein. Denn dieser heißt Serkan Erdem, ist 27 Jahre alt, wohnt in Stadtallendorf – und spielt seit dieser Saison für den TSV Erksdorf.

In einem Nachholspiel verhinderten die Ostkreisler zwar mit einem 3:2-Last-Minute-Sieg gegen den TSV Michelbach, dass das Team vom Lorch noch den Sprung in die Playoffs schaffte – außer zwei Punkten mehr auf der Habenseite für die Abstiegsrunde war für die Mannschaft von Trainer Serdar Özsoy jedoch nichts zu holen.

Über Zwischenstopp Leusel zum TSV Erksdorf

Für Erdem war es eine Frage der Ehre, im letzten Spiel des Kalenderjahres noch mal Vollgas zu geben, denn „Fußball ist ein Fairnesssport“, sagt Erdem, der in jenem Spiel einen Doppelpack erzielte und mit einem verwandelten Strafstoß in der Nachspielzeit dafür sorgte, dass die Erksdorfer als Tabellenzweiter in die Abstiegsrunde gehen. Gleichwohl bedauert der in Reiskirchen berufstätige Mechatroniker, dass es der TSV nicht in die Aufstiegsrunde geschafft hat – trotz seiner 27 Buden, die er erzielt hat, obwohl Erdem nicht mal von Beginn an dabei war, erst 13 Mal für die Erksdorfer aufgelaufen ist.

„Als ich kam, hat mir die Mannschaft gut gefallen, und ich konnte mir auch vorstellen, dass wir in die Aufstiegsrunde gehen können“, sagt der Angreifer, der inzwischen jedoch feststellt: „Wir hatten sehr viel Verletzungspech, das uns das Genick gebrochen hat.“ Für Erdem und Co. umso bitterer, denn das sportliche Ziel des Vereins sei es, „in den nächsten Jahren in die Gruppenliga aufzusteigen, deswegen bin ich ja auch nach Erksdorf gekommen. Ich bin jemand, der dorthin geht, wo man entweder um den Aufstieg spielt oder nicht gegen den Abstieg“, sagt Erdem, der vor der Runde zunächst vom Gruppenligisten FSV Schröck zunächst zurück zum Alsfelder Gruppenligisten Spvgg Leusel gewechselt war, sich dort aber wieder schnell verabschiedete, um den von Erksdorf abgewanderten Stürmer Cevahir Kilercioglu (zum SV Emsdorf) zu ersetzen.

Entscheidend für den erneuten Wechsel sei nicht nur das gute Verhältnis zum Erksdorfer Umfeld und Vorstand um Helmut Losekam (Erdem: „Er ist mir sehr ans Herz gewachsen“) gewesen, sondern vor allem die Freundschaft zu Trainer Serdar Özsoy.

Özsoys Vater trainierte Erdem bereits in der Jugend bei dessen Heimatverein TSV Eintracht Stadtallendorf, vor einigen Jahren holte der amtierende Erksdorfer Trainer Erdem als seinen Assistenten zum VfB Marburg, wo Özsoy seinerzeit Jugendtrainer war. „Ich habe ihn mehrfach bearbeitet, dass er zu uns kommt“, sagt Özsoy und lacht. Er weiß, dass eine Verpflichtung wohl nie zustande gekommen wäre, wenn beide nicht befreundet wären. An seinem Schützling schätzt der Coach den Fleiß. „Er arbeitet für den Erfolg“, lobt Özsoy, der ahnt, dass Erdem auch angesichts der starken Torquote in der zweiten Saisonhälfte einige Angebote von höherklassigen Vereinen bekommen wird.

„Serkan ist mindestens ein guter Verbandsliga-Stürmer. Und ich würde mich für ihn auch freuen, wenn er irgendwann mal wieder in der Hessen- oder Verbandsliga spielt“, sagt der TSV-Übungsleiter. Beim FC Schwalmstadt und VfB Wetter kam Erdem bereits zu insgesamt etwas mehr als 70 Einsätzen in der Verbandsliga Nord und Mitte, für Schwalmstadt und den FC Ederbergland absolvierte er zusammen mehr als 60 Hessenliga-Spiele.

Mit 27 im „besten Fußballer-Alter“

Erdem macht keinen Hehl daraus, dass es ihn perspektivisch wieder zum höherklassigen Amateurfußball zieht. „Wenn der Hammer kommt, würde ich gerne wieder in der Verbands- oder Hessenliga spielen“, sagt Erdem flapsig, „schließlich bin ich mit meinen 27 Jahren im besten Fußballer-Alter.“

In dieser Saison, wird Erdem im Gespräch mit der OP nicht müde zu betonen, sei er aber Spieler des TSV Erksdorf. Erdem schätzt die Loyalität beim TSV und die ambitionierten Ziele des Vereins. „Ich bin der Überzeugung, dass der TSV Erksdorf in den nächsten Jahren höher angreifen wird“, sagt der 27-Jährige. Ob er dann noch dabei sein wird? „Man sollte niemals nie sagen“, formuliert es Erdem, „aber Serdar und Helmut wissen auch, dass mich die Verbands- und Hessenliga schon reizen.“

Den Fokus richtet der Stürmer jedoch ganz klar auf die anstehende Abstiegsrunde, die man in Erksdorf nicht auf die leichte Schulter nehme – auch wenn der TSV in einer guten Ausgangsposition startet. „Zwar sind wir momentan Zweiter, das kann sich aber schnell ändern, zumal sich andere Vereine schon verstärkt haben oder noch verstärken werden. Wir müssen zusehen, dass wir die Liga halten, nichts mit dem Abstieg zu tun haben“, sagt Erdem, dem es mit Blick auf die Torjägerliste zumindest nicht schaden dürfte, wenn er mal nicht ganz so zuverlässig treffen wird.

Denn in Daniel Dithmar von der SG Oberes Edertal (17 Tore) und Fabio Monaco vom TSV Amöneburg (15) müssten seine ärgsten Verfolger schon gehörig Boden gutmachen, wenn sie Serkan Erdem die Torjägerkrone noch entreißen wollen.

Von Marcello Di Cicco