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Lokalsport Julius Martenstein vermisst die Fans
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13:58 19.01.2021
Julius Martenstein als Vierter Offizieller bei einem Zweitliga-Spiel im Gespräch mit Hannovers Trainer Kenan Kocak. Der Cölber hofft, dass bei den Spielen bald wieder Zuschauer dabei sein dürfen.
Julius Martenstein als Vierter Offizieller bei einem Zweitliga-Spiel im Gespräch mit Hannovers Trainer Kenan Kocak. Der Cölber hofft, dass bei den Spielen bald wieder Zuschauer dabei sein dürfen. Quelle: Foto: imago
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Cölbe

Auf einmal war doch etwas Stimmung da, waren Fangesänge und Anfeuerungsrufe zu hören. „Da haben wir uns dann auch gedacht, ‚tolles Geisterspiel hier‘ und unsere Witze darüber gemacht“, erzählt Julius Martenstein im Gespräch mit der OP und lacht.

Der Fußball-Schiedsrichter aus Cölbe, der als Assistent an der Seitenlinie und als Vierter Offizieller in der 2. Bundesliga eingesetzt wird, ist am Samstag im Gespann um den früheren Marburger Christof Günsch bei der Partie zwischen Erzgebirge Aue und Fortuna Düsseldorf (0:3) aktiv gewesen. Das Spiel selbst verlief unauffällig, die wichtigen Entscheidungen der Unparteiischen waren allesamt richtig – „so wie es sein soll“. Das Drumherum hingegen war hingegen anders als zuletzt gewohnt: Offiziell waren zwar keine Zuschauer dabei, eine Gruppe von etwa 30 Aue-Fans, nach Vereinsangaben vor dem Spiel beim Schneeräumen im Stadion beschäftigt, machte aber plötzlich lautstark auf sich aufmerksam. Auch wenn die Aktion der Anhänger bei Martenstein für gewisse Erheiterung sorgte, gutheißen will er sie keineswegs: „So ist es natürlich nicht gedacht.“ Dem Club droht nun wegen eines Verstoßes gegen das Hygienekonzept der Deutschen Fußball-Liga eine Strafe. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bunds hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Wie bereits nach der Corona-bedingten Spielpause im Frühjahr 2020, dürfen während des aktuellen Lockdowns gar keine Zuschauer zu den Spielen in den Profiligen – nur hier ist der Betrieb überhaupt erlaubt – kommen. Martenstein hat dafür in Anbetracht der Pandemie-Situation Verständnis, macht aber auch keinen Hehl aus seiner Hoffnung, dass in ein paar Monaten wieder vor Zuschauern gespielt werden kann. „Im Spätsommer hatte ich ein Spiel in Braunschweig. Da waren 6 500 Leute. Es hat sich angefühlt, als ob 40 000 da sind. Das hat richtig Spaß gemacht.“ Und aktuell? „Es ist ziemlich trostlos.“

Martenstein ist jemand, der die Atmosphäre gern wahrnimmt – auch wenn er sie während des laufenden Spiels möglichst ausblenden muss, um voll konzentriert auf das Geschehen auf dem Rasen zu sein. Dabei hat es für ihn sogar gewisse Vorteile, dass es in den Stadien zurzeit recht still ist – etwa, wenn es um Abseitsentscheidungen geht: „Man sieht nur peripher, wann der Ball abgespielt wird. Jetzt hört man es sogar. Das macht es ein bisschen einfacher für uns.“ Auch die Verständigung sei nun leichter. Und trotzdem: „Ich sehne den Tag X herbei, an dem wieder Zuschauer dabei sein können. Sie gehören einfach dazu.“

Geht also die Freude an dem, was er macht, verloren? So ist es auch nicht. „Es ist anders. Ich mache es aber trotzdem gern“, sagt Martenstein, nimmt dafür auch manches auf sich – etwa die regelmäßigen Corona-Tests, vor allem den zeitlichen Aufwand dafür: Zwei Tage vor dem Spiel in Aue fuhr er eigens zum Trainingsgelände des SV Wehen Wiesbaden, um sich mit der dortigen Drittliga-Mannschaft testen zu lassen: anderthalb Stunden hin, einen Speichelabstrich nehmen lassen, anderthalb Stunden zurück. „Muss halt“, sagt er, hat damit keine Probleme, denn: „Es gibt ein exzellent ausgearbeitetes Hygienekonzept, das es überhaupt erst möglich macht, dass aktuell trotz der Situation Fußball gespielt werden kann. Dazu gehören diese Tests eben.“ Die sind in der vorgeschriebenen Form nur bei Vereinen aus erster, zweiter und dritter Liga oder in wenigen Labors möglich.

Von Stefan Weisbrod

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