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Lokalsport Der erste Eintrag im neuen Tagebuch
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17:00 22.11.2019
Wurde nach ihrem Doppelpack beim 3:2-Sieg über Fellerdilln zur „Spielerin der Woche“ gewählt: Sarah Lauer vom SV Langenstein (Zweite von rechts, verfolgt von Weimars Stefanie Dörr). Quelle: Tobias Hirsch
Langenstein

Die Wahl zur „Spielerin der Woche“ kann Sarah Lauers Leben ein klein wenig verändern. Im Nominierungstext auf der Facebookseite „OP Sport“ stand geschrieben: „Falls die Vize-Kapitänin der Frauenmannschaft des SV Langenstein Tagebuch führt, kann sie für den vergangenen Samstag ‚Ich war heute top!‘ eintragen.“

Als Kind habe sie einst Tagebuch geführt und nun scheint die Zeit reif für eine Renaissance. „Meine Mitspielerinnen wollen mir ein Tagebuch schenken, dann fange ich wieder an“, kündigt die 30-Jährige den privaten Gedanken-Striptease auf Papier an. Schon jetzt werde sie im Freundeskreis wegen der Angelegenheit geneckt.

Strippenzieherin im Mittelfeld

Den Nominierungstext nahm eine ihrer Freundinnen, Stefanie Gonzalez Recio, zum Anlass, Lauers Vereins-Porträtfoto entsprechend zu bearbeiten. Den Wahlsieg verdiente sich die Sindersfelderin redlich. Zum fünften Mal in dieser Saison legte sie am vergangenen Spieltag das Ei per direktem Freistoßtor ins gegnerische Nest und erzielte einen weiteren Treffer beim 3:2-Sieg gegen den VfL Fellerdilln.

„Ich versuche, den Ball meistens in den Winkel zu zirkeln“, erklärt Lauer. Sich selbst sieht die Frau, die den Großteil ihrer Juniorenzeit als Stürmerin auflief, aber nicht als Goalgetterin. „Ich möchte immer den Ball am Fuß haben, aber bin keine Vollstreckerin, sondern eher die Zuständige für Assists“, meint sie.

Erst seitdem sie 2011 zum SV Langenstein wechselte fungiert sie als Strippenzieherin im Mittelfeld. Sie ist lieber die blonde Eminenz im Hintergrund. „Ich bin eigentlich ganz froh, wenn ich Verantwortung abgeben kann“, versichert sie.

Ein guter Mannschaftsspieler freut sich mit und für seine Mitstreiter. Das gilt auch für die berüchtigte „Dritte Halbzeit“ – das Gelage nach Spielen. Während Lauer Assists anhäuft ist sie in der Rangliste „Trinkfesteste Spielerin“ nicht Spitze: „Gib mir zwei Weizen und Auf Wiedersehen“, sagt sie und quiekt vergnügt auf und nennte das Mannschaftsgefühl als das Schönste beim SV.

Ein Vorsprung, von dem sie heute noch zehrt

Und das wird auch hochgehalten, wenn in einem Monat der Kasseler Weihnachtsmarkt im Teamverband unsicher gemacht wird. Wer in der Mannschaft wohl am meisten Glühwein konsumieren werde, will sie partout nicht preisgeben.

Gegenüber den meisten Fußballerinnen hat Lauer außerdem einen entscheidenden Vorteil. Sie begann bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Kicken und spielte mehrere Jahre mit Jungen zusammen. „Da hat man schon ein anderes Ballgefühl“, gibt sie zu. Ein Vorsprung, von dem sie heute noch zehrt.

Allerdings wäre sie niemals in den Genuss dieses Erfolgs gekommen, denn hinter einer ­erfolgreichen Junior-Athletin steht immer auch ein aufopferungsvolles Elternhaus. Das Chauffeur-Unternehmen namens „Mama und Papa“ kutschierte Lauer mitunter fünfmal die Woche auf verschiedene Fußballplätze.

Denn neben dem gewöhnlichen Vereinstraining spielte die 30-Jährige in der Bezirks- sowie der Hessenauswahl. „Meine Eltern haben mich damals unterstützt“, ist sie heute noch dankbar.

von Benjamin Kaiser