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Lokalsport Samuel Bieks Ziel ist die Major League Soccer
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12:58 14.02.2021
Samuel Biek im Vorjahr bei einem Spiel seines FC Tucson. Auch in der Saison 2021 spielt der Bad Endbacher beim Drittligisten aus Arizona, über den er sich für höhere Aufgaben empfehlen will.
Samuel Biek im Vorjahr bei einem Spiel seines FC Tucson. Auch in der Saison 2021 spielt der Bad Endbacher beim Drittligisten aus Arizona, über den er sich für höhere Aufgaben empfehlen will. Quelle: Privatfoto
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Tucson / Bad Endbach

Samuel Biek arbeitet an seinem persönlichen amerikanischen Traum. 2015, nach seinem Abitur, ging er in die Vereinigten Staaten. Dort, weiß der inzwischen 23-Jährige längst, liegt auch seine Zukunft. Er fühlt sich in den USA wohl, ist mit einer Amerikanerin verheiratet, spielt Fußball bei einem Proficlub – und will es in die höchste Liga schaffen.

Ein bisschen Zeit zum Entspannen bleibt noch. In einem Monat soll beim FC Tucson die Vorbereitung auf die neue Saison in der USL League One beginnen. Im April, so der aktuelle Plan, finden die ersten Spiele statt. Biek freut sich darauf. Er hat sich Ziele gesetzt, ehrgeizige Ziele.

Das Ziel ist die Major League Soccer

Er will in seinem zweiten Jahr beim Drittliga-Club aus der 530 000-Einwohner-Stadt im Süden Arizonas, in der oft die Sonne scheint und es auch im Winter selten wirklich kalt wird, ein Führungsspieler sein, am liebsten Kapitän. Er will mit starken Leistungen noch mehr auf sich aufmerksam machen, in eine „bessere Position“ kommen. Aus seinem Ziel macht er keinen Hehl, formuliert im Gespräch mit der OP selbstbewusst: „Ich will in der MLS spielen.“ Privat trainiert er bereits mit Profis aus der Major League Soccer.

Sportlich ging es für ihn zu Hause in Bad Endbach los. Bei der JSG Salzbödetal machte er als Kind seine ersten Spiele. Als Jugendlicher kickte er bei der TSG Wieseck, überzeugte bei der mittelhessischen Talentschmiede als defensiver Mittelfeldspieler mit starken Leistungen, trug in seinen Teams regelmäßig die Spielführerbinde.

Er versuchte sein Glück bei Proficlubs, machte Probetrainings bei der Frankfurter Eintracht und der TSG Hoffenheim, schaffte den Sprung jedoch nicht. Er sei „zu nervös“ gewesen. „Ich war im Kopf noch nicht weit genug“, sagt er im Rückblick.

Ein Vereinskamerad bringt ihn auf die Idee

Dass Biek vor rund fünfeinhalb Jahren in den USA landete, liegt nicht zuletzt an seinem Kumpel Lukas Muszong. Der stammt ebenfalls aus Bad Endbach, spielte ebenfalls bei der TSG Wieseck Fußball, wagte ebenfalls den Sprung über den Atlantik. „Er sagte, es wäre eine super Sache“, erzählt Biek, der sich damit beschäftigte und schließlich selbst einige Zeit vor seinem Abschluss an der Gladenbacher Europaschule über eine Agentur, die Fußballer aus aller Welt an amerikanische Universitäten und Colleges vermittelt, bewarb.

Er ging zu sogenannten Showcases, präsentierte sich, kam in Kontakt mit verschiedenen Trainern. Er hatte ein gutes Gefühl, entschied sich schließlich für die Bethel University in Indiana, an der auch sein Freund Muszong studierte und kickte. Rückblickend weiß er: alles richtig gemacht.

An der kleinen christlichen Hochschule studierte er Business Administration, machte seinen Bachelor-Abschluss, dort lernte er auch Julia, seine heutige Frau, kennen. Fußball spielte er zunächst nur im Universitätsteam, die Saison ging jedoch nur von August bis November mit vielen Spielen innerhalb von kurzer Zeit. Er bekam mit, dass man in den Sommerferien für andere Mannschaften spielen kann, lief 2018 für Milwaukee Torrent und 2019 für den Grand Rapids FC in der National Premier Soccer League, der vierthöchsten Klasse, auf, glänzte regelmäßig auch als Torschütze.

Seine Zukunft liegt in den Vereinigten Staaten: Samuel Biek mit Ehefrau Julia und dem Hund der beiden am Grand Canyon. Quelle: Privatfoto

An der Western Michigan University begann er 2019 sein Master-Studium, spielte für die Broncos, das Hochschulteam, auf höchstem College-Niveau, kam in die Auswahl der besten Spieler seiner Liga. Er unterbrach sein Studium, um es als Vollzeitfußballer zu versuchen. In den Draft, die Auswahl der besten College-Spieler durch die Clubs der Major League Soccer, schaffte er es aber nicht. „Ich war noch zu unbekannt“, meint er. Zudem hatte er im Januar 2020 noch keine Green Card, war daher sogenannter „International“. „Jedes Team hat dafür nur acht Spots“, erklärt er.

Mit der unbeschränkten Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis ausgestattet, spielte er kurze Zeit später bei Clubs aus der zweitklassigen USL Championship vor, landete schließlich in Tucson beim Team aus der USL League One, der dritthöchsten Liga.

Sportlich sieht er die Klasse auf einem Niveau mit der Regionalliga, ansonsten ist aber vieles anders als im semiprofessionellen Bereich in Deutschland: „Wir fliegen zu jedem Auswärtsspiel, das würde bei den Entfernungen auch gar nicht anders gehen“, berichtet Biek, erzählt vom Trainingsgelände mit sechs Rasenplätzen und Kraftraum, von der Verpflegung und der Betreuung, etwa durch Physiotherapeuten: „Das ist schon Wahnsinn.“

Auswärts sind Zuschauer manchmal erlaubt

Für ihn und sein Team begann die Saison mit einem 2:1-Auswärtssieg im Stadion von MLS-Club Inter Miami beim Fort Lauderdale CF perfekt. Nach dem zweiten Spiel fing sich Biek das Coronavirus ein, war längere Zeit raus. Der 1,91-Meter-Mann arbeitete sich zurück, erkämpfte sich einen Stammplatz in der Innenverteidigung, machte im Spätsommer und Herbst alle Spiele.

Was er bedauert: Während auswärts teilweise Zuschauer dabei sein durften, blieben die Tribünen des Stadions in Tucson gemäß lokaler Corona-Regelungen leer, auch seine Ehefrau durfte bei keinem Heimspiel dabei sein. „Normalerweise kommen 3 000, manchmal 5 000 Fans. Mir ist erzählt worden, dass es eine tolle Atmosphäre ist. Das habe ich leider noch nicht erlebt.“

Einige Zeit würde er gern in Deutschland spielen

Die Vereinigten Staaten sind Bieks neue Heimat. Deutschland verliert er aber keineswegs aus den Augen. Vielleicht, erzählt er, zieht es ihn mit seiner Frau für eine gewisse Zeit in seine alte Heimat, eventuell auch zum Fußballspielen. Zwei Szenarien hat er dafür im Kopf: Gern würde er mal bei einem Drittligisten zum Probetraining gehen, sein Glück versuchen.

„Wer in Deutschland in der dritten Liga gespielt hat, könnte es bei MLS-Clubs einfacher haben“, meint der spielstarke Abwehrmann, denkt dabei an sein großes Ziel, seinen sportlichen Traum. Er ist aber kein naiver Träumer; er weiß, dass es sein kann, dass es für die höchste amerikanische Liga nicht reicht. „Dann wär’s schön, ein Jahr zum Beispiel in der Regionalliga zu spielen, bevor ich mit dem Fußball aufhöre. Dann könnte ich noch mal vor meiner Familie und meinen Freunden spielen.“

Samuel Biek traf Liverpool-Trainer Jürgen Klopp im Jahr 2019 in South Bend Quelle: Privatfoto

Ein Treffen mit Liverpool-Trainer Jürgen Klopp

Und plötzlich sah er Jürgen Klopp. Im Sommer 2019 war der FC Liverpool in South Bend, der Nachbarstadt von Samuel Bieks früherem Studienort Mishawaka und der Heimatstadt seiner Frau Julia, zu Gast, bestritt dort ein Testspiel gegen Klopps Ex-Club Borussia Dortmund. Als Biek in der Stadt unterwegs war, sah er Klopp, aber auch Spieler wie Trent Alexander-Arnold und James Milner in einem Café sitzen. „Keiner hat sie erkannt. Offenbar wusste niemand, wer sie sind“ - er wusste es natürlich, sprach den Liverpool-Coach an. Ein Erlebnis war auch das Spiel selbst im Football-Stadion der University of Notre Dame, das der BVB mit 3:2 gewann.

Von Stefan Weisbrod

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