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Lokalsport Relegationsteilnehmer fühlen sich benachteiligt
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08:58 01.06.2020
Während Jordan Gries (rechts) mit dem TSV Michelbach vor dem Aufstieg in die Verbandsliga Mitte steht, drohen Jakob Teuteberg und der FSV Schröck auf Relegationsplatz drei in der Gruppenliga Gießen/Marburg leer auszugehen. Quelle: Stefan Tschersich
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Marburg

Der inzwischen für den 20. Juni angesetzte Verbandstag des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) hat den vom HFV-Vorstand empfohlenen Saisonabbruch zwar noch nicht abgesegnet. Vom HFV flatterten einen Tag nach der Entscheidung der Spielkommission und der Gesellschafterversammlung der Regionalliga Südwest GbR über den sofortigen Abbruch der Runde in der Regionalliga Südwest dennoch per Pressemitteilung schon die Glückwünsche herein. „HFV gratuliert Eintracht Stadtallendorf und Hessen Kassel zum Regionalliga-Aufstieg“, heißt es darin.

Bei den hessischen Teams auf den Relegationsplätzen bestärkt die Entscheidung, die Nordhessen nach Quotientenregel aufsteigen zu lassen, Hoffnungen und Erwartungen zugleich, dass – wie die Gremien der vierten Liga – auch der HFV seine Härtefälle beziehungsweise „Releganten“ aufsteigen lässt.

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Frei nach dem Motto: Wenn der Tabellenzweite der höchsten hessischen Spielklasse aufsteigen darf, kann der Verband jenen Teams, die sich in den darunterliegenden Ligen in der gleichen Situation wie Kassel befinden, aus Fairness-Gründen doch unmöglich den Aufstieg verwehren – zumal sich der HFV zuvor offen dafür ausgesprochen hatte, dass auch die „Löwen“ aufsteigen dürfen.

140 Mannschaften angeschrieben

Eine klare Tendenz hierfür gab es auf OP-Anfrage allerdings noch nicht. „Wir befinden uns in Diskussionen und rechtlichen Abschätzungen, haben diese aber noch nicht komplett abgeschlossen“, gibt sich HFV-Präsident Stefan Reuß bedeckt. Bis zur Vorstandssitzung am 6. Juni soll laut Reuß Klarheit darüber herrschen, was mit Härtefällen und Relegationsteilnehmern passieren soll.

Unabhängig vom Fall Hessen Kassel hat die SG Dersim/VfR Rüsselsheim die Interessenvertretung „Relegationsplätze Hessen“ gegründet. 140 Mannschaften auf den Relegationsplätzen aus dem Landesverband hat der Zweite der Gruppenliga Darmstadt über das HFV-Postfach angeschrieben, daraufhin haben sich bisher 28 Vereine in einer Whatsapp-Gruppe organisiert.

Das ging „in die falsche Richtung“

Die Forderung: „Alle Zweiten sollen aufsteigen, damit sich keiner benachteiligt fühlt. Wir würden aber auch nicht ‚Nein‘ sagen, wenn nur bestimmte Tabellenzweite nach Quotientenregel aufsteigen, so wie in der Regionalliga nun geschehen“, sagt Cem Ilhan, Spielausschuss-Obmann der Rüsselsheimer, im Gespräch mit der OP. Ilhan gehört zu den Initiatoren der Interessenvertretung, die auch schon eine Online-Petition gestartet hat.

Nach den Beratungen am 16. Mai seien die Empfehlungen des HFV dahingehend „in die falsche Richtung“ gelaufen, dass die Relegationsteilnehmer – anders als die Tabellenführer und Abstiegskandidaten – als Einzige mit leeren Händen dastünden, weil ihnen das Recht am Aufstieg genommen werde. „Nach der Entscheidung mit Hessen Kassel sind die Überlegungen des Verbandes umso fragwürdiger“, findet nicht nur Ilhan.

„Wir wollen das gleiche Recht wie Hessen Kassel“

Aus den heimischen Fußballkreisen gehören Gruppenligist FSV Schröck, A-Ligist TSV Amöneburg und B-Ligist TSV Caldern der Interessengemeinschaft an, darüber hinaus auch der Frankenberger Klub TSV Bromskirchen und höherklassige Vertreter wie Hessen Kassel und Buchonia Flieden.

„Wir wollen das gleiche Recht wie Hessen Kassel, sonst sind wir anderen Zweiten die gänzlich Dummen“, findet Gerhard Graff, 2. Vorsitzender des TSV Amöneburg. „Wir sehen uns benachteiligt, wenn die Zweitplatzierten nicht bedacht werden.“

Anders als der FSV Schröck (Quotient: 2,0), der bei Anwendung der Quotientenregel das Nachsehen gegen den Wiesbadener Vertreter FC Germania Okriftel (2,047) hätte, würde der TSV Caldern – wie Amöneburg – vom besseren Punkteschnitt profitieren und aufsteigen. „Im Moment herrscht eine gewisse Ungleichheit“, beklagt Calderns Vorsitzender Tobias Quentin, „der Fall Kassel stimmt uns aber zuversichtlich.“

Bereit für eine Sammelklage

Ähnlich sieht es Schröcks Vorsitzender Bernhard Mankel, der angesichts der Kassel-Entscheidung „hoffnungsvoll“ ist und hinzufügt: „Ich wäre gespannt, wie der Verband die Entscheidung begründen würde, wenn es keine Gleichbehandlung aller Vereine gibt.“

Wie Ilhan auf OP-Nachfrage bestätigt, sei die Initiative „definitiv bereit, eine Sammelklage vorzubereiten“, sollte der Verband wie befürchtet gegen die Belange der Relegationsteilnehmer entscheiden. Beim TSV Amöneburg und FSV Schröck möchte man sich diese Option zum jetzigen Zeitpunkt zumindest offenhalten.

„Da müssten wir je nach Entscheidung zunächst bewerten“, sagt Mankel. Quentin sieht eine Sammelklage gegen den HFV allerdings eher skeptisch: „Diesbezüglich sollte man die Kirche im Dorf lassen. Das halte ich für schwierig.“

  • Die Petition der Rüsselsheimer gibt es im Internet hier

Von Marcello Di Cicco