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Lokalsport Rassistische Beleidigungen in Emsdorf
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11:00 04.09.2019
Florent Raishtaj (hier im Trikot der BSF Richtsberg) wurde bei einem Kreisoberliga-Spiel rassistisch beleidigt. Quelle: Michael Hoffsteter
Emsdorf

Mit rassistischen Beleidigungen muss sich Rolf Usinger, Vorsitzender des Kreissportgerichts Marburg, äußerst­ selten befassen. In diesem Jahr bisher kein einziges Mal. Doch nun liegt dem Sportgerichts-Vorsitzenden der erste Fall in 2019 vor. „Der Bericht des Schiedsrichters liegt vor. Die Ermittlungen sind aufgenommen. Wir haben am Montag die Stellungnahmen der beiden Vereine angefordert. Dafür haben sie ­eine Woche Zeit“, sagt Usinger­.

Es geht um einen Vorfall in der Kreisoberliga-Partie zwischen dem gastgebenden SV Emsdorf, der die Partie 2:0 gewann, und dem SSV Hatzbach am vergangenen Sonntag. Auf der Internetplattform Facebook machte Hatzbachs Leonard Raishtaj den Vorfall am Montagmorgen öffentlich: „Nachdem mein Bruder einen Spieler des gegnerischen Teams foulte, reagierten einige Zuschauer aus sportlicher Leidenschaft völlig zu Recht erzürnt. Allerdings verließ einer von ihnen jeglichen ethisch-moralisch vertretbaren Rahmen, indem er meinen Bruder als ‚dreckiger Kanake‘ und ‚Zigeuner‘ beleidigte. Darüber hinaus teilte er seine Meinung für alle hörbar darüber mit, dass wir ‚hier nichts zu suchen‘ hätten und uns dahin verpissen sollten, ‚wo wir herkommen‘.“

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch an den verdienten Derbysieger! Jedoch ereignete sich beim gestrigen Spiel...

Gepostet von Raishtaj Le On am Montag, 2. September 2019

Hasan Naziyok war von Florent Raishtaj während der ersten Halbzeit nahe der Seitenauslinie, also unmittelbar vor den Zuschauern gefoult worden. Florent Raishtaj kommentierte den Vorfall: „Diese Beleidigungen gingen schon über sieben bis acht Minuten. Ich habe mich um die Beleidigungen nicht so gekümmert. Ich wollte einfach Fußball spielen.“

Laut seinem Bruder soll es sich bei dem beleidigenden Zuschauer um einen „älteren Mann um die 75 Jahre“ gehandelt haben. „Ich lag nach dem Foul am Boden, habe die Beleidigungen aber auch gehört. Es war nicht sehr laut. Deswegen haben es wohl nur wenige gehört. Aber zwei andere Männer haben diesen Herren sofort zurecht gewiesen“, beteuert Naziyok, der den „älteren Mann“ schon mehrmals bei Heimspielen gesehen haben will.

Der SV Emsdorf reagierte am Montagmittag über Facebook im Namen des Vereinsvorstands sowie der Spieler auf den Vorfall: „Der SV Grün Weiß Emsdorf distanziert sich von jeglicher Art von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt und bedauert den Vorfall zutiefst.

Der SV Grün Weiß Emsdorf distanziert sich von jeglicher Art von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt und bedauert...

Gepostet von SV Grün-Weiß Emsdorf am Montag, 2. September 2019

"Wir entschuldigen uns bei dem Verein und den Spielern des SSV Hatzbach. Unser Verein lebt von der Vielfalt der Nationalitäten unserer Spieler, die sich zu jeder Zeit bei uns wohlfühlen. Der identifizierte Zuschauer steht allerdings in keiner Verbindung zu unserem Sportverein und wird zukünftig keinen Zutritt zu unserem Sportgelände erhalten.“ Diese öffentlich sichtbare Nachricht war am Dienstagmittag mit knapp 200 Likes versehen.

Tobias Sälzer, Coach des SV Emsdorf verurteilt die rassistische Beleidigungen aufs Schärfste. „Das hat auf einem Fußballplatz sowie anderswo überhaupt nichts zu suchen“, sagt er.

Dass sich das Kreissportgericht mit der Sache befasst, überrascht Naziyok. „Ich bin mit Leo dann in der Pause zu der betreffenden Person hingegangen und habe mit der Person geredet. Die beiden haben sich die Hand gegeben. Der Mann hat sich entschuldigt“, erklärt Emsdorfs Spieler. Ob nach Prüfung der Stellungnahme von SV und SSV eine Gerichtsverhandlung stattfindet, entscheide sich laut Usinger bis Ende der kommenden Woche.

von Benjamin Kaiser