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Lokalsport „Norweger Modell“: Wenn Neun gegen Neun spielen
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13:37 21.07.2020
Hassen-/Bellnhausens Boris Michalke (im weißen Trikot) in einem Spiel gegen den VfB Wetter II um Andreas Trusheim. Die Spielvereinigung hat für die neue Saison auch eine Reserve gemeldet – als Neunerteam. Quelle: Melanie Weiershäuser
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Marburg

Auch wenn die bisherigen Ergebnisse nicht gerade dafürsprechen: Der Neustart der Spielvereinigung Hassen-/Bellnhausen ist ein Erfolg gewesen. Zur neuen Saison meldet der Verein gar wieder eine zweite Mannschaft – ein Neunerteam.

Für den FV Wallau lief es in der vergangenen Spielzeit sportlich durchwachsen: In der Kreisliga A Biedenkopf sprang ein Platz im unteren Tabellenmittelfeld heraus. Die Reserve verlor elf Spiele, nur zwei Mal gewann sie. Für den Verein aus dem Hinterland aber viel wichtiger: Die zweite Mannschaft bestritt bis zum Abbruch aufgrund der Corona-Krise alle angesetzten Partien – die meisten davon als Neunerteam.

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Die Wallauer praktizieren bereits, was die Hassenhäuser und Bellnhäuser – Premiere im Fußballkreis Marburg – nun auch nutzen wollen: das „Norweger Modell“. Für eine Mannschaft stehen dabei weniger als elf Spieler auf dem Platz (siehe Infobox).

Für den Wallauer Vorsitzenden Sebastian Spies liegt der große Vorteil auf der Hand: „Es steigert die Chancen, die Spiele auch tatsächlich bestreiten zu können.“ Er beschreibt, was auch Verantwortliche vieler anderer Vereine mit knapper Personaldecke kennen: „Fast jede Woche gibt’s das große Telefonieren, um genügend Spieler für die Reserve zusammenzubekommen. So müssen wir zwei Alte Herren weniger überreden.“

Stey: Gewinnen war nicht das Wichtigste

In einzelnen Partien trat die Wallauer „Zweite“ dann doch zu elft an: „Die Möglichkeit haben wir, wenn wir zwei oder drei Tage vorher wissen, dass wir dafür genügend Spieler zusammenbekommen“, erklärt Spies. In Hassenhausen – auf dem dortigen Rasenplatz trägt die Spielvereinigung ihre Heimspiele aus – ist das noch kein Thema. Zunächst geht es darum, das Neunerteam bestückt zu bekommen, nachdem vom Verein erst vor einem Jahr nach einer Pause wieder eine erste Mannschaft gemeldet wurde.

Trainer Andreas Stey ist mit der Entwicklung zufrieden – obwohl in der abgebrochenen Saison 2019/2020 in der Kreisliga B Marburg II gerade einmal fünf Punkte aus 19 Spielen zusammenkamen: „Natürlich will jeder gern gewinnen. Aber wir haben von Anfang gesagt, dass das für uns nicht das Wichtigste ist.“ Die Spieler würden mitziehen, alle hätten ihren Spaß beim Training und – trotz der selten positiven Ergebnisse – meist auch bei den Spielen. „Die Trainingsbeteiligung ist gut. Es sind fast immer mehr Spieler da, als eingesetzt werden können.“

Ziel in Hassenhausen: Viel Einsatzzeit für alle

Maximal 14 Spieler – elf zu Beginn auf dem Platz, drei von der Bank kommend – können an jedem Spieltag spielen. „Mit Reserve sieht das natürlich ganz anders aus“, weiß Stey. Trotz insgesamt sieben Zugängen im vergangenen Winter und in der jetzigen Sommerpause, ist dem Coach bewusst, könnte es personell knapp werden: „Wir werden die Unterstützung unserer Alten Herren brauchen.“ Dies sei durch die „Oldies“ im Verein signalisiert worden.

Ob’s dann reicht, die neue Saison mit der Reserve durchzuziehen? „Das muss sich zeigen“, sagt Stey. „Wir wollen es im Interesse unserer Spieler zumindest versuchen.“

Das „Norweger Modell“

Elf gegen Elf – so ist es normalerweise beim Fußball. Beim „Norweger Modell“ – wie der Name sagt, stammt es aus Norwegen – ist das anders. In dem skandinavischen Land wird es im Amateurbereich bereits seit vielen Jahren angewandt.

Je nach Festlegung können in einer Liga Elfer-, Neuner- und Siebenermannschaften spielen. Bei allen Partien, an denen mindestens ein Siebener­team beteiligt ist, treten beide Mannschaften mit sieben Spielern auf dem Platz an: dem Torwart plus sechs Feldspielern. Spiele mit mindestens einer Neuner- und ohne Siebenermannschaften sehen entsprechend neun Spieler je Team vor.

Nur bei Partien von Elferteams untereinander spielen je elf Akteure auf jeder Seite. Bei den Frauen – wie der B-Liga Gießen/Marburg – sowie im Jugendbereich gibt es teilweise komplette Spielklassen, in denen Sieber- oder Neunerteams antreten.

Von Stefan Weisbrod