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Lokalsport Neuer Spieler für Eintracht Stadtallendorf
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13:00 30.06.2020
110 Regionalliga-Spiele hat Christopher Schadeberg bereits auf dem Buckel. Mit der Eintracht sollen es noch einige mehr werden. Quelle: Marcello Di Cicco
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Stadtallendorf

Christopher Schadeberg geht im Herrenwaldstadion die Treppe zur Haupttribüne hinauf, bleibt stehen und wirft einen kurzen Blick über den frisch gemähten Rasenplatz, ehe er sich hinsetzt. „Zweimal war ich zu Regionalliga-Zeiten als Zuschauer hier, da stand ich auf der Gegentribüne“, erzählt der 29-Jährige im Gespräch mit der OP.

Macht die Corona-Krise den Fußballern keinen Strich durch die Rechnung, dann läuft der gebürtige Gießener ab September regelmäßig in beziehungsweise für Stadtallendorf auf. Denn Schadeberg hat beim Regionalliga-Aufsteiger einen Zweijahresvertrag unterschieben (die OP berichtete). Mit 49 Einsätzen in der West- und 61 Spielen in der Südwest-Staffel der vierten Liga bringt der Lehramtsstudent für Mathematik und Ethik der Universität Gießen eine geballte Ladung Erfahrung mit.

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„Es passte nicht mehr so in Gießen“

Anfang Juni nahmen erste Gespräche mit den TSV-Verantwortlichen schnell an Fahrt auf. „Darin habe ich eine große Wertschätzung erfahren“, schwärmt Schadeberg. „Dabei wollte ich den FC Gießen ursprünglich gar nicht verlassen. Irgendwann habe ich dort aber gemerkt: Es passt nicht mehr so.“

Von einem „sehr turbulenten Jahr“ beim neuen Ligarivalen aus der Universitätsstadt berichtet Schadeberg, der in der ersten Saisonhälfte unter FC-Coach Daniyel Cimen so gut wie gar nicht zum Zug kam. Finanzielle Querelen des Clubs und Abstiegssorgen kamen hinzu.

„In dieser Zeit habe ich mich sportlich und persönlich sehr weiterentwickelt“, resümiert „Schade“ – wie er seit seiner Zeit beim FSV Fernwald (2010 bis 2012) von Teamkollegen genannt wird –, dass es sich auszahle, „dranzubleiben und seiner Linie treu zu bleiben“. Über die Verbandsliga-Elf des FC kämpfte er sich bis Mitte vergangenen Oktober zurück ins erste Team, wurde Stammkraft.

Sicaja hat Hartnäckigkeit imponiert

Diese Hartnäckigkeit hat auch seinem neuen Trainer Dragan Sicaja imponiert: „Christopher ist charakterlich einwandfrei und macht das, was er macht, richtig. Dass er bei Gießen zeitweise aussortiert wurde, hat er gut verarbeitet“, lobt der Kroate, der Schadeberg bereits verpflichten wollte, als er 2013 vom FSV Frankfurt II nach Siegen wechselte – vergebens.

Mit den Sportfreunden traf er seinerzeit unter anderem auf den jetzigen Dortmunder „Mo“ Dahoud (damals Borussia Mönchengladbach II) und Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah (damals FC Schalke 04 II) und er erreichte 2014 mit dem ehemaligen Zweitligisten die erste Runde des DFB-Pokals. Wegen einer Erkrankung fehlte er dort allerdings – ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub FSV Frankfurt, bei dem er als 21-Jähriger gelegentlich beim Zweitliga-Team mittrainierte.

Sechs Jahre später heißt seine neue Herausforderung TSV Eintracht Stadtallendorf – ein Verein, dem Schadeberg aus mehrerlei Gründen immer Respekt zollte: wegen der Einheit der Mannschaft und ihrer kämpferischen Art, aufzutreten, wegen der Euphorie der Fans und weil der TSV „immer auf dem Boden geblieben ist und normal gewirtschaftet hat“, lobt der 29-Jährige.

In der Defensive flexibel einsetzbar

Dass die Herrenwälder in der mit 22 Teams aufgeblähten Südwest-Staffel große Nachteile haben, weil sie – im Gegensatz zu der Mehrheit der Viertligisten – nicht ausschließlich mit Vollprofis arbeiten, glaubt Schadeberg nicht: „Wenn das Team zusammenhält, kann es das wettmachen.“ Zumal die Corona-bedingten Umstellungen „für alle Neuland“ seien. „Die Saison wird sehr lang. Wenn man die ersten sechs Spiele nicht positiv gestaltet, ist der Zug noch lange nicht abgefahren.“

Schadeberg will dabei helfen, dass es nicht so weit kommt. Zwar ist er gelernter Innenverteidiger, in der Defensive aber flexibel einsetzbar: als „Sechser“, Außenverteidiger oder auch als offensiverer „Achter“. Gibt es eine Wunschposition? „Unter den ersten elf“, flachst Schadeberg, der immens von seiner Beidfüßigkeit profitiert und sich selbst „als Teamplayer“ und „ehrgeizigen Spieler, der immer an seine Grenzen gehen möchte“ bezeichnet.

„Ich bin aber nicht jemand, der immer dazwischenholzt. Ich versuche viel mit Spielintelligenz und Übersicht zu erreichen“, sagt der Defensivspieler. Ab September kann er dies demonstrieren – sofern es die Corona-Pandemie zulässt.

von Marcello Di Cicco

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