Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Laurin Vogt mit Lockerheit und Logik
Sport Lokalsport Lokalsport Laurin Vogt mit Lockerheit und Logik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:59 28.03.2019
Laurin Vogt (links, gegen Manuel Grünnagel) machte beim Stadtallendorfer 4:1-Sieg gegen FK Pirmasens ein starkes Spiel. Quelle: Thorsten Richter
Stadtallendorf

Fast jeder kennt die Melodie aus dem Walt-Disney-Klassiker „Das Dschungelbuch“. Der Song „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ ist eine Hymne für ­gute Laune, aber eben auch für ein Lotterleben, das der Bär namens Balu dem Menschenkind Mogli näher­bringt.

Genüsslicher Müßiggang ist nicht Laurin Vogts Kerngeschäft, doch er hat sich eine Scheibe von der Philosophie des Faulpelzes abgeschnitten. „Ganz wichtig ist es, auch in schwierigen Zeiten locker zu bleiben. Bei allem Stress darf die Freude am Fußballspielen nicht vergessen werden“, sagt Vogt.

Und von Tälern kann er in dieser Saison ein Liedchen singen. Mit der Eintracht hält er derzeit die Rote Laterne in der Regionalliga Südwest fest. Der Platz, der sicher die Rettung bedeuten würde, ist sieben Punkte entfernt. Lockerheit, aber nicht Sorglosigkeit, kann in schwierigem Fahrwasser der Anker sein.

Am Tag nach der Niederlage geht's weiter

„Natürlich bin auch ich nach einer Niederlage enttäuscht und denke am Spieltag über die Leistung nach. Aber am nächsten Tag sollte der Blick dann wieder nach vorne gerichtet werden. Das ist essenziell“, meint der 26-jährige Gießener Betriebswirtschaftsstudent. Dass die zweite Regionalligasaison schwieriger werden würde als die erste, wusste Vogt.

Der Wirtschaftswissenschaftler, somit fast gezwungenermaßen ein Freund von Zahlen, ist kein Träumer, sondern bedient sich gerne der Logik. „Ich versuche die Dinge nüchtern zu sehen. Dass wir in der letzten Saison nach der Winterpause Probleme hatten, lag nicht daran, dass die Euphorie weg war. Wir hatten phasenweise viele Verletzte und die Gegner haben sich nach der Rückrunde auf uns eingestellt“, mutmaßt er. Das dürfte auch in dieser Runde eine Rolle spielen. Der letztjährige Aufsteiger ist in seiner zweiten Saison kein unbeschriebenes Blatt mehr.

Tor, Vorlage und ein
 herausgeholter Elfmeter

Vor dem vergangenen Spieltag machte Stadtallendorf eine Durststrecke durch, die Vogt in seinen fünf Jahren im Verein ­selten miterlebt hat. Sieben Pflichtspielniederlagen hintereinander. Am vergangenen Samstag dann fuhr die Eintracht ein 4:1 gegen den FK Pirmasens ein, bei dem Vogt eine Top-Leistung ablieferte – ein Tor, eine Vorlage, ein herausgeholter Elfmeter.

An Grenzen zu stoßen, ist nichts Schlimmes. Nicht an sie heranzurücken sehr wohl. Das war allerdings nie das Problem des Mannes aus dem Edertal. „Ich wollte immer so weit wie möglich nach oben“, unterstreicht er. Und vielleicht ist hier die Grenze erreicht. Sollte dies so sein, wird sich Vogt ob dieser Erkenntnis nicht verrückt machen, sondern die Sache mit ­Lockerheit und Logik angehen.

von Benjamin Kaiser