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Lokalsport Aral will sich in der Türkei durchsetzen
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15:00 11.11.2021
Der Stadtallendorfer Ibrahim Mirza Aral (Zweiter von rechts) hat im Sommer den nächsten Karrieresprung gewagt und ist zum türkischen Zweit­ligisten Ankara Keciörengücü gewechselt.
Der Stadtallendorfer Ibrahim Mirza Aral (Zweiter von rechts) hat im Sommer den nächsten Karrieresprung gewagt und ist zum türkischen Zweit­ligisten Ankara Keciörengücü gewechselt. Quelle: Furkan Erkök/Ankara Keciörengücü
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Stadtallendorf / Ankara

Ibrahim Mirza Aral hat das gemacht, wovon viele junge Kicker träumen: ins Ausland gehen, einen Profivertrag unterschreiben, das Fußballspielen zum Beruf machen. Vergangene Spielzeit schnürte der 21-jährige Stadtallendorfer noch für seinen Heimatverein TSV Eintracht die Schuhe in der Regionalliga Südwest, seit Sommer lebt er in der türkischen Hauptstadt Ankara, hat sich dort für die kommenden fünf Jahre vertraglich an Keciörengücü gebunden – einen Verein, der in der zweithöchsten Spielklasse des Landes (1. Lig) gegen den Abstieg kämpft.

„Das vergangene Jahr in Stadtallendorf war eine Umstellung für mich, weil ich zuvor lange von zu Hause weg allein gelebt hatte. Deshalb wollte ich gerne wieder weg, und Ankara konnte ich mir gut vorstellen“, erzählt „Ibo“ Aral, der bereits mit 16 Jahren das heimische Nest verließ, um bei Eintracht Frankfurt ins Internat zu gehen. Später zog es ihn über den FSV Frankfurt und Germania Halberstadt zurück nach Stadtallendorf – nun also lebt und arbeitet der Deutschtürke in Ankara, anfangs kurzzeitig bei seinem Cousin in Istanbul.

Aral musste sich lange überlegen, als Vereinsverantwortliche nach Sichtung des Videomaterials seine Berater ansprachen, ob er Interesse hätte. Denn der Verein, der auf seinem Gelände auch Wohnungen für Spieler stellt, wo Aral derzeit lebt, hatte sich vergangene Saison sportlich hervorgetan, nur um einen Punkt und damit haarscharf die Playoffs zur türkischen ersten Liga (Süper Lig) verfehlt. „Der Verein verfolgt das Hauptziel, Sportler zu entwickeln und sie dann weiterzuverkaufen“, erzählt Aral. Im Sommer erst zog es den ebenfalls 21-jährigen Baris Yilmaz von Keciörengücü zu Topclub Galatasaray Istanbul.

„Mein Ziel ist es, mich durchzusetzen“

„Mein Ziel ist es, mich hier durchzusetzen“, sagt der offensive Mittelfeldspieler mit dem starken linken Fuß nicht ohne Grund. Denn bisher musste sich Aral im Team um Sadio Diallo (30), der bereits 115 Spiele in der ersten französischen Liga bestritten hat, hinten anstellen. Einen Pokaleinsatz und zwei Kurzauftritte zu Saisonbeginn in der Liga hat der 21-jährige Stadtallendorfer auf seinem Konto. Er will nicht verhehlen, dass der sportliche Neustart kein einfacher war.

„Auch wenn es einige nicht glauben: Diese Liga ist ein komplett anderes Level, mit der Regionalliga in Deutschland nicht vergleichbar“, sagt Aral, „daran musste ich mich erst gewöhnen.“ Hierzulande war die vierte Liga die höchste, in der der Mittelfeldspieler für Stadtallendorf und Halberstadt zum Einsatz kam.

Aber auch ein Trainerwechsel in der frühen Saisonphase habe nicht geradezu beigetragen, dass junge Spieler wie er auf Anhieb ins Rollen kommen konnten. Sei’s drum. „Ich mache mir keinen Kopf“, sagt Aral, der bereits jetzt das Gefühl hat, sich weiterentwickelt zu haben, denn: „Hier habe ich Mitspieler, die schon in der ersten französischen Liga und der Süper Lig gespielt haben – da lernt man extrem viel“, sagt Aral und nennt eben jenen Diallo. „Er hilft mir, unterstützt mich, wo er kann.“ In Cetin Sahverdi vom Nachbarclub Ankaragücü hat Aral sogar einen Jugendfreund aus gemeinsamen Frankfurter Zeiten wieder um sich, beide verbringen viel Zeit miteinander.

Aral will nun „erst mal Fuß fassen“, das Abenteuer Profifußball aufsaugen, fußballerisch so viel lernen, wie es nur geht. „Mein Ziel ist es, dass ich hierbleibe“, blickt er vorsichtig in die Zukunft – wohl wissend, dass Keciörengücü nicht die Endstation sein muss. „Wer weiß, wo die Reise hingeht“, sagt der Stadtallendorfer.

Von Marcello Di Cicco