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Lokalsport Kampfeswille und Ausdauer belohnt
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07:59 18.11.2019
Kein Treffer: Stadtallendorfs Damijan Heuser (hinten) schießt in dieser Szene an Dietkirchens Torwart Raphael Laux aber auch am Tor vorbei. Am Ende gewann der TSV Eintracht das Spiel dennoch mit 3:2. Quelle: Tobias Hirsch
Stadtallendorf

Wenn die Verantwortlichen beim TSV Eintracht in der Winterpause die Hinrunde der laufenden Saison beurteilen, sollten sie auf den 3:2-Sieg am Samstag gegen den TuS Dietkirchen zu sprechen kommen. Nicht weil die „Herrenwälder“ besonders tollen Fußball spielten, sondern weil es ein Paradebeispiel für Ausdauer, Kampfeswille und Siegesgier war.

Noch bemerkenswerter war die Leistung, weil die Hausherren erst am Mittwoch einen 4:3-Auswärtssieg im Hessenpokal hatten feiern können, bei dem sie viele Körner ließen. Gegen den VfB Ginsheim drehten sie einen 2:3-Rückstand, gegen Dietkirchen ein 1:2 noch in einen Sieg. Auch am Samstag war dazu erneut ein Kraftakt nötig, um das Spiel in der Schlussphase per Doppelschlag von „Gui“ da Silva (86.) und Jascha Döringer (88.) zu drehen.

Zahlreiche Chancen vertan

„Das Pokalspiel hat auch viele Emotionen gekostet hat. Ich wusste also, dass es gegen Dietkirchen sehr schwer werden würde. Aber wir waren bereit, über unsere Grenze hinauszugehen“, war Coach Dragan Sicaja stolz auf sein Team, das gegen den TuS einen Sahnestart erwischte. Dank eines Abstaubertreffer von Felix Nolte, der am Mittwoch dreifach getroffen hatte, ging der Gastgeber früh in Front und ließ in Person von Matthias Pape, Damijan Heuser und Jascha Döringer Chancen auf mehr Tore ungenutzt.

Das aggressive TSV-Pressing stellte die defensiv eingestellten Gäste vor einige Probleme. Stadtallendorfs Strafraum durften sie fast nur aus sicherer Entfernung bewundern. Das änderte sich jedoch mit fortlaufender Dauer nach Kevin Vidakovics‘ Beinverletzung. Der Kapitän musste zwar nicht den Platz verlassen, war aber in seiner Agilität eingeschränkt.

„Wenn so ein wichtiger Spieler früh angeschlagen ist, dann wird es natürlich schwieriger. Da hat der Gegner gemerkt, dass gegen uns etwas geht und ist mutiger geworden“, sagte Sicaja. Resultat war, dass Dietkirchens erste Torchance das 1:1 nach sich zog. Nach Gestocher im Strafraum drückte Linksverteidiger Patrick Kuczock den Ball über die Linie. Keeper Dusan Olujic sah beide Male nicht glücklich aus.

Der Ausgleich führte zu einem Bruch im Eintracht-Spiel. Fortan wurden einige Bälle schlampig abgegeben. Amar Zildzovic und Muhamet Arifi im Zentrum verloren zu viele Zweikämpfe. – beide wurden in Durchgang zwei ausgewechselt. Aber es lag nicht nur am Duo, dass der TSV nach dem Gegentor kaum einen zweiten Ball für sich gewinnen konnte. In den entscheidenden Duellen schien der TuS spritziger.

Stadtallendorfs Trainer zeigte nach der Partie vor dem Hintergrund des Pokalspiels zwar Verständnis für seine Schützlinge, doch während des Spiels war er wie meistens Feuer und Flamme: An der Seitenauslinie sendete die Sicaja-Show in voller Lautstärke. „Es waren viele unnötige Fehler drin“, erklärte er seine Erregung. Einer davon führte auch zum Rückstand. Der freigespielte Dennis Leukel beförderte den Ball aus 14 Metern Torentfernung zum 2:1-Pausenstand in die Maschen.

Ein Nolte-Treffer zählt nicht

„Ich habe der Mannschaft in der Halbzeit gesagt, dass ich nach dem anstrengenden Pokalspiel zwar nichts von ihr verlangen kann, aber dass sie in der zweiten Halbzeit nochmal alles versuchen soll“, berichtete Sicaja. Durchgang zwei stand unter dem Motto: „Erst die Hektik, dann das Vergnügen.“

Die Eintracht verrichtete viel Stückwerk, war in vielen Situationen überhastet, unpräzise und spielte sich gegen einen mit Mann und Maus verteidigenden Aufsteiger zu oft fest. Spielerisch überzeugte sie nicht, dafür aber kämpferisch. Die Gäste zogen sich weit zurück und warfen den Betonmischer an. Der hochgezogene Abwehrriegel war fünf Mann stark und postierte sich am eigenen Sechzehner, in den die Hausherren zu selten eindringen konnten. Großchancen hatten sie kaum.

Und dann schwächten sich die Limburger auf völlig unnötige Weise selbst. Torschütze Patrick Kuczok lief den bärenstarken Kristian Gaudermann nahe der Seitenauslinie auf Höhe der Mittellinie einfach über den Haufen. Der vorbelastete Linksverteidiger ließ Referee Jushua Herbert 
keine andere Wahl: Gelb-Rot.

Eine Fehlentscheidung traf er hingegen in der Schlussphase: Nachdem Nolte am Sechzehner in Wrestling-Manier zu Boden ging, gelang dem Stadtallendorfer noch der Torschuss, der mit herrlicher Flugbahn den Weg in die Maschen zum 2:2 fand. Jubel bei den Stadtallendorfern, die ihre Rechnung jedoch ohne Herbert gemacht hatten. Als der Ball im Netz zappelte, hatte er nämlich schon auf Freistoß entschieden und den Vorteil abgepfiffen. Die TSV-Anhänger spuckten Gift und Galle. „Es war eine Fehlentscheidung, aber Fehler 
passieren“, meinte Sicaja.
Diese Nachsicht konnte er sich leisten, weil am Ende doch noch das Vergnügen kam.

Der eingewechselte „Gui“ da Silva besorgte den Ausgleich. Und keine drei Minuten später avancierte Jascha Döringer zum Matchwinner. Als er einen missglückten Klärungsversuch der Gäste von der Strafraumgrenze ins Tor schlenzte, mutierte der eingezäunte Kunstrasenplatz zu einem wilden Tollhaus. Döringer begrub somit Dietkirchens Hoffnung auf Zählbares und wurde Sekunden später von seinen Mitspielern stürmisch bejubelt. „Die Mannschaft hat nie aufgehört“, lächelte Sicaja.

TSV Eintracht Stadtallendorf: Olujic – Gaudermann, Pape, Vidakovics, Schütze – Heuser (90. Jovic), Zildzovic (52. „Gui“ da Silva), Arifi (68. Parson), Vogt – Döringer – Nolte.
TuS Dietkirchen: Laux – Nickmann, Bergs, Rademacher, Kuczok – Kratz (77. Böcher), Hautzel – Leukel (90. Schmitt), Schäfer, Stahl (63. Müller) – Zuckrigl.
Schiedsrichter: Herbert (Nüsttal). Zuschauer: 420. Tore: 1:0 Felix Nolte (11.), 1:1 Patrick Kuczok (26.), 1:2 Dennis Leukel (40.), 2:2 Guilherme Prestes da Silva (86.), 3:2 Jascha Döringer (88.). Gelb-Rot: - / Patrick Kuczok (65.). Beste Spieler: Gaudermann, Vidakovics, Nolte, 
 Heuser – Laux, Kuczok, Schmitt, Rademacher.

        
von Benjamin Kaiser