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Lokalsport Eintracht muss Ofori-Schock verdauen
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08:59 02.08.2019
Da ist es passiert: Perry Ofori kam bei Landung falsch auf und zog sich dabei einen Kreuzbandriss zu. Der Stadtallendorfer Verteidiger wurde am Donnerstag bereits operiert. Quelle: Nadine Weigel
Stadtallendorf

Gegen Hessen Kassel war ein Duell auf Augenhöhe erwartet worden. Bei Aufsteiger TuS Dietkirchen ist Eintracht Stadtallendorf am Freitagabend nun klarer Favorit.

Acht Minuten vor Schluss war Perry Ofori beim 4:3-Sieg über Hessen Kassel für Muhamet Arifi eingewechselt worden, um das Ergebnis über die Zeit zu retten.

Es werden für den 22-jährigen Verteidiger die letzten Hessenliga-Minuten der Hinrunde gewesen sein. Denn inzwischen ist traurige Gewissheit: Beim mühevollen 2:1-Erfolg der Stadtallendorfer in der ersten Runde des Marburger Kreispokals beim FV Wehrda zog sich Ofori einen Kreuzband­riss zu.

Sicaja blickt nach vorn

Eine halbe Stunde war im Pokal gespielt, da ging Ofori in ein Luftduell mit Wehrdas Christoph Purbs. „Beim Kopfball ist er komisch aufgekommen, das hat man richtig gehört“, sagt Eintracht-Trainer Dragan Sicaja, der sofort ein ungutes Gefühl hatte, „als er geschrien hat“. Erinnerungen werden wach an Keeper Dusan Olujic, der sich zu Beginn der vergangenen Saison einen Kreuzbandriss zugezogen hatte: „Er ist falsch aufgekommen. Es war eine unglückliche Situation wie bei Dusko.“

Das Gefühl sollte Sicaja – leider – nicht trügen. Denn inzwischen ist Gewissheit, dass sich Ofori die gleiche Verletzung zugezogen hat. Wie bei Olujic gelte jetzt auch: nach vorne schauen. „Es ist wichtig, dass der Junge wieder auf die Beine kommt“, sagt Sicaja.

Nolte fehlt gesperrt

Bereits am Donnerstag wurde Ofori operiert, wie Stadtallendorfs Sportlicher Leiter Fejz Hodaj mitteilt. Ob die Eintracht personell nachlegt und einen Ersatz für die Abwehr holt, stehe nicht fest. „Wir haben uns noch keine abschließenden Gedanken gemacht. Wir haben ja noch ein bisschen Zeit, im August etwas zu tun“, erklärt Hodaj.
Getreu dem Vereinsmotto „Eintracht entsteht hier“ hofft Sicaja darauf, dass sich seine Spieler heute in Dietkirchen auch für Ofori ins Zeug legen. „Wir waren immer eine Mannschaft. Davon haben wir gelebt, von unseren Emotionen. Jetzt müssen wir noch enger zusammenrücken“, fordert der Coach.

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Fehlen werden heute neben Ofori der verletzte Keeper Olujic, der nach einer Roten Karte in einem Vorbereitungsspiel noch gesperrte Kristian Gaudermann und auch Stürmer Felix Nolte, der gegen Kassel Gelb-Rot sah.

Mit der Frage „berechtigt oder nicht?“ wollte sich Sicaja gar nicht erst aufhalten. „Das passiert. Der Schiedsrichter hat so entschieden“, sagt der Coach nur.

Wie er seinen Stoßstürmer ersetzen will, daraus macht Sicaja ein Geheimnis. Daniel Vier, der diese Position in der Vergangenheit schon gespielt hat, als „Brecher“ zu bringen, wäre eine Variante. „Philipp Basmaci hat gute Leistungen in der Vorbereitung gezeigt“, lobt der Trainer den 19-jährigen Neuzugang, ergänzt aber sogleich: „Laurin Vogt wäre eine andere Lösung. Vielleicht spielen wir auch nur mit einer Spitze.“ Gegen Hessen Kassel hatte neben Nolte Doppeltorschütze Jascha Döringer als zweite, hängende Spitze agiert.

TuS-Trainer scherzt

Ein Nachteil ist der Ausfall des etatmäßigen Mittelstürmers für Gegner Dietkirchen sicherlich nicht. „Felix Nolte ist ein Topspieler“, weiß TuS-Trainer Thorsten Wörsdörfer und fügt schmunzelnd hinzu: „Vielleicht wollte er die Fahrt nicht mitmachen, weil er gehört hat, dass hier so raue Luft ist.“

Als Stärken führt Wörsdörfer – ähnlich wie sein Stadtallendorfer Gegenüber – die mannschaftliche Geschlossenheit an. Das brachte dem Aufsteiger zum Auftakt einen 1:0-Erfolg bei RW Hadamar. „Im Gegensatz zu dem Spiel müssen wir uns aber fußballerisch steigern“, räumt der 51-Jährige offen ein.

„Defensiv können wir gar nicht“

„Wir sind ja die Exoten in der Hessenliga. Es ist so, als würden wir zum ersten Mal einen 8.000er besteigen – wir müssen uns erst mal an die Höhenluft gewöhnen.“ Gleichwohl hätte er nichts dagegen, mit weiteren solcher glücklichen Siege dem Ziel von 42 Punkten näher zu kommen, um auch in der nächsten Saison das Abenteuer Hessenliga weiter erleben zu dürfen.

Mut fordert Wörsdörfer von seinen Spielern. „Sonst haben wir in der Klasse keine Chance.“ Die Punkte will sich die Mannschaft aus dem Limburger Stadtteil aber nicht ermauern. „Wir spielen relativ offensiv. Defensiv können wir gar nicht, das ist nicht unsere Welt“, so der Coach.

Topstürmer ist weg

Während Stadtallendorf aber nur ein Spiel auf Felix Nolte verzichten muss, hat Dietkirchen seinen Topstürmer komplett verloren. Robin Dankof, mit 15 Treffern bester TuS-Angreifer in der Verbandsliga, wechselte zum SC Waldgirmes. „Das trifft uns massiv“, sagt Wörsdörfer. „Er ist für uns nicht adäquat zu ersetzen.“

Viel Geld kann der TuS nicht in die Hand nehmen. „Wir müssen Torjäger produzieren“, sieht es der Trainer pragmatisch. Jason Schäfer, der in Hadamar das Siegtor schoss, Kapitän Maximilian Zuckrigl, Dennis Leukel oder Marco Müller seien Kandidaten, um die Torjägerrolle auszufüllen.

Wörsdörfer klingt wie Funkel

Wörsdörfer ist sich aber bewusst, dass sein Team mit der offensiven Spielweise „auch mal hoch verlieren“ werde. Er klingt ein wenig wie Friedhelm Funkel, der mit einer ähnlichen Aussage in die vergangene Saison gestartet war und Aufsteiger Fortuna Düsseldorf souverän zum Klassenerhalt geführt hatte.

Wörsdörfer hätte nichts dagegen, es Funkel gleich zu tun. „Mein Kumpel Claus Reitmaier ist in Düsseldorf ja Torwart-Trainer“, sagt Wörsdörfer. Der ehemalige Mittelfeldspieler bestritt in der Saison 1991/92 für die Stuttgarter Kickers 24 Bundesliga-Spiele – im Tor stand damals Reitmaier.

Freitagsspiel wegen Kirmes

Respekt hat Stadtallendorfs Trainer Sicaja aber nicht wegen der Bundesliga-Vergangenheit des gegnerischen Trainers, sondern vor der Leistung und dem Aufstieg Dietkirchens. „Sie waren immer oben dran und haben sich jetzt belohnt“, sagt Sicaja, der sich allerdings ein wenig wundert, dass der Gegner in einer Spielklasse wie der Hessenliga die Partie wegen einer Kirmes auf Freitag vorverlegen wollte.

„Wir müssen den Kampf annehmen, sonst kann es ungemütlich werden“, weiß der Eintracht-Trainer. „Es ist nicht Kassel vor 1.000 Zuschauern. Es ist die Kunst, sich gegen diese Mannschaften einzustellen. Gestern haben wir Regionalliga gespielt, heute gegen Mannschaften, die im letzten Jahr noch in der Verbandsliga gespielt haben.“

von Holger Schmidt