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Lokalsport Eintracht plötzlich in der Goliath-Rolle
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08:59 21.09.2019
Kevin Vidakovics (Mitte, im Testspiel gegen Steinbach Haiger) wird Stadtallendorf am Samstag voraussichtlich fehlen. Der Kapitän war in der Vorwoche gefoult worden und hatte sich dabei eine Knieverletzung zugezogen. Quelle: Tobias Hirsch
Stadtallendorf

„Ich hoffe, wir gewinnen die Platzwahl. Damit wir wenigstens etwas gewonnen haben.“

Die Lockerheit merkt man Alexander Bär, dem Sportlichen Leiter und Co-Trainer des Aufsteigers SV Neuhof vor der Partie im Herrenwaldstadion am Samstag, 21. September, (15 Uhr) an. „Wir kalkulieren mit gar nichts.“

Das soll gar kein Understatement sein, „ich würde gerne etwas anderes sagen“, fügt Bär hinzu. Doch eigentlich ist die neue Spielklasse für seinen Verein eine Nummer zu groß und der SV Neuhof eher ein Aufsteiger wider Willen. „Es war nie die Absicht, in die Hessenliga aufzusteigen“, sagt Bär.

Abgänge und Verletzte

Es ist dem Verein aus der Nähe von Fulda einfach passiert, zugestoßen durch die Fehler der anderen könnte man sagen. Aber jetzt wolle man auch alles mitnehmen, was geht, betont der Sportliche Leiter. Spiele gegen Spitzenmannschaften wie Regionalliga-Absteiger Stadtallendorf zum Beispiel, „um Erfahrungen zu sammeln“.

Neuhof hat mit Abgängen zu kämpfen, die den Aufsteiger kurz vor Saisonbeginn noch verlassen haben, und noch dazu Verletzungssorgen. „Wir müssen feststellen, dass wir aktuell Schwierigkeiten haben, ligatauglich zu sein“, gibt Bär zu.

Der Eintracht ist das nicht verborgen geblieben, auch wenn es nicht ganz so offensiv klingt. Aber welcher Trainer würde sich schon hinstellen und sagen, dass seine Mannschaft klarer Favorit ist und den Gegner mal eben so wegfiedeln wird?

Sicaja: Schiris warten auf Meckereien

Bei Eintracht-Trainer Dragan Sicaja klingt das dann so: „Das sind keine schlechten Fußballer, die Jungs wollen Fußball spielen. Die richtige Balance zu finden, ist für jeden Trainer nicht einfach.“ Sein Gegenüber Valentin Plavcic müsse aus einer „zusammengewürfelten Mannschaft aus verschiedenen Nationen“ eine Einheit formen und habe dafür wenig Zeit gehabt. Was ein Problem ist, denn: „In dieser Liga werden Kleinigkeiten bestraft“, weiß Sicaja.

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Der Stadtallendorfer Trainer hat andere Sorgen als sein Kollege. Und aus Sicajas Sicht war es auch eine Kleinigkeit, die ziemlich groß bestraft wurde.

Dusan Olujic jedenfalls sah beim 2:1-Sieg in Walldorf nach Tumulten in der Schlussphase die Rote Karte und ist gesperrt. Sicaja sprach nach der Partie mit seinem Ex-Spieler Jonas Herberg, der für Walldorf im Einsatz war.

Dieser habe ihm versichert: „Dusko (Olujic, Anm. d. Red.) hat geschrien, er ist nicht handgreiflich geworden.“ Der Platzverweis ist Sicaja deshalb „unbegreiflich“.

Der Kroate fühlt sich und sein Team angesichts der vielen Roten und Gelb-Roten Karten in dieser Saison in eine Ecke gedrängt: „Wir müssen aus diesem Strudel rauskommen. Wir müssen die Meckereien bleiben lassen. Ich habe das Gefühl, die Schiedsrichter warten darauf.“ Wichtig ist Sicaja klarzustellen: „Wir spielen hart, aber nie unfair. Das ist unsere Art, Fußball zu spielen.“

Eidam zurück im Eintracht-Tor

Gegner RW Walldorf sei auch nicht zimperlich gewesen, ergänzt Sicaja und verweist auf die Szene, die zur Roten Karte für Olujic führte. Kevin Vidakovics sei brutal gefoult worden. So hart, dass er vom Platz getragen werden musste. Heute soll eine MRT-Untersuchung Aufschluss über die Schwere der Verletzung des Kapitäns und Abwehrchefs geben. „Er hat das Gefühl, dass es nicht so schlimm ist“, sagte Sicaja am Freitag. Ein Einsatz gegen Neuhof scheint aber ausgeschlossen.

Dafür kehren Kristian Gaudermann und Laurin Vogt nach abgebrummten Sperren zurück. Das Tor wird wie zu Saisonbeginn Florian Eidam hüten. „Da hat er seine Aufgabe erfüllt“, sagt Sicaja, der nicht mit Problemen rechnet. „Florian ist ein sehr cooler, sehr ruhiger Keeper.“

Die Vorgabe des Trainers für Samstag ist klar: „Gas geben, dann werden wir oben dran bleiben.“ Aber Vorsicht: Obwohl die Rollen klar verteilt sind zwischen Goliath Stadtallendorf und David Neuhof, stellt Alexander Bär klar: „Wir kommen nicht mit der weißen Fahne, sondern versuchen, uns zu wehren.“

von Holger Schmidt