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Lokalsport Eidelwein legt Wert auf die psychologische Komponente
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17:43 06.04.2022
Noch vor gar nicht allzu langer Zeit gastierte Fabio Eidelwein (links, hier mit dem ehemaligen VfB-Coach Gerd Karcher) als Langenaubach-Trainer in Marburg. Im Sommer übernimmt der Deutsch-Brasilianer das Zepter an der Gisselberger Straße.
Noch vor gar nicht allzu langer Zeit gastierte Fabio Eidelwein (links, hier mit dem ehemaligen VfB-Coach Gerd Karcher) als Langenaubach-Trainer in Marburg. Im Sommer übernimmt der Deutsch-Brasilianer das Zepter an der Gisselberger Straße. Quelle: Michael Hahn
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Marburg

Für so manchen Fußballer ist es mental keine leichte Situation: Da startet ein Verein mit der Ambition in die Fußballsaison, um den Aufstieg zu spielen, und findet sich nach der Hälfte der Spielzeit im Niemandsland der Tabelle wieder. Klassensprung? Fehlanzeige!

Auch beim VfB Marburg machte sich in dieser Spielzeit Enttäuschung breit – trotz zuletzt zwei Siegen in Folge in der Liga. Denn der VfB strebte ganz offen nach der Rückkehr in die Hessenliga – ein Unterfangen, das angesichts des großen Rückstandes auf Aufstiegsplatz eins inzwischen so gut wie unmöglich ist. „Es muss eine Menge zusammenkommen, damit ein Aufstieg klappt“, weiß Fabio Eidelwein aus eigener Erfahrung.

Im Sommer beerbt der 46-jährige Deutsch-Brasilianer Steffen Rechner als Coach des Verbandsligisten (die OP berichtete). Eine Entscheidung gegen Rechner sei dies nicht gewesen, betont Marburgs Sportlicher Leiter Hartmut Drescher gegenüber der OP – vielmehr eine pro Eidelwein, dem man zutraue, derjenige zu sein, „der die Entwicklung der Mannschaft weiterbringt“, begründet Drescher.

Kein Unbekannter

In der Region ist Eidelwein zumindest kein Unbekannter, stürmte er doch dreieinhalb Jahre für Eintracht Stadtallendorf, kurzzeitig auch für den FSV Schröck sowie in der Regionalliga Süd für den SV Darmstadt 98. Trainer war der in Wetzlar wohnhafte Eidelwein unter anderem kurzzeitig beim VfL Weidenhausen und zuletzt beim Verbands­ligisten SSV Langenaubach. Seine Meriten verdiente er sich aber vor allem in der thailändischen ersten Liga, wo er mehrere Jahre als Videoanalyst, Chefscout und (Co-)Trainer tätig war.

Ende 2019 kehrte Eidelwein – vor allem wegen seiner Kinder – wieder zurück. Inzwischen weiß er nur zu gut, wie er Menschen helfen kann, das Beste aus sich herauszuholen. An der britischen Staffordshire University machte Eidelwein ein zweijähriges Fernstudium im Sport-Coaching, im Februar hat er sich als Leistungs- und Performance-Coach selbstständig gemacht. „Um Leistung bringen zu können, muss man erst Stress bewältigen können“, weiß Eidelwein, der vor allem in Mittelhessen und im Rhein-Main-Gebiet Seminare in Unternehmen für Mitarbeiter und Führungskräfte anbietet, ihnen dabei hilft, für die psychologischen Anforderungen der modernen Arbeitswelt gewappnet zu sein.

Mentale Faktoren

Seine Ausbildung soll dem A-Lizenz-Inhaber ab Sommer bei seiner neuen Aufgabe an der Gisselberger Straße helfen. „Bis vor einigen Jahren hat man im Fußball viel Wert auf technische und taktische Aspekte gelegt, dabei aber den Menschen vergessen“, sagt Eidelwein – und betont: „Bis zu 25 Prozent des Leistungsvermögens sind von mentalen Faktoren abhängig.“ Entsprechend wichtig ist es ihm, seine Spieler zu verstehen, „damit sie bessere Leistung bringen können“, denn: „Wir treffen Entscheidungen nach unserem emotionalen Zustand“, sagt der frühere Angreifer, der um die Erwartungen bei den „Schimmelreitern“ weiß.

„Der VfB ist ein Traditionsverein, im Umfeld erwartet man den Aufstieg. Allerdings ist das nicht einfach“, sagt der 46-Jährige, der gleichwohl aufstiegserprobt ist. In Thailand gelangen ihm mit Ubon UMT United zwei Aufstiege hintereinander von der 3. in die 1. Liga. Und beim VfB? „Wir wollen ab Sommer oben mitspielen, wobei es schwierig ist, jetzt schon eine Prognose abzugeben“, sagt Eidelwein, der jedoch alles dafür tun will, dass die Spieler imstande sein werden, ihr Leistungspotenzial abzurufen.

Was dem Coach mit Blick auf seine Spielphilosophie wichtig ist: „Dem Gegner das Leben so schwer wie möglich machen“, sagt der Wetzlarer. Und als Stürmer lege er selbstverständlich auch einen Fokus darauf, „Chancen zu kreieren sowie anpassungsfähig zu sein“. Womöglich sind dies die Zutaten für eine überaus erfolgreiche VfB-Saison.

Von Marcello Di Cicco