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Lokalsport Ex-Profi Klaus Zaczyk wird 75
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10:44 25.05.2020
Klaus Zaczyk (links) kommt in einem Bundesliga-Spiel im Jahr 1964 vor Fritz Pott vom 1. FC Köln zum Kopfball. Der Sterzhäuser begann seine Profikarriere beim Karlsruher SC, ehe er ein Jahr beim 1. FC Nürnberg und neun Saisons beim Hamburger SV aktiv war. Quelle: Imago
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Hamburg

Er hat für Deutschland getroffen und mit dem Hamburger SV Titel gewonnen. Er ist zweimal abgestiegen und von Helmut Schön mehr als einmal enttäuscht worden. Klaus Zaczyk hat als Fußballer viel erlebt. Er hat einiges erreicht, aber auch so manche Ernüchterung erlebt. Heute wird er 75 Jahre alt – an einem für ihn „ganz normalen Tag“, wie er sagt.

Zweimal 15 Minuten Gymnastik, dazu ein einstündiger Spaziergang auf dem Alsterwanderweg nahe seiner Wohnung im Hamburger Norden – damit hält sich Zaczyk fit, das Programm hat er sich auch für den heutigen Montag vorgenommen. Ob’s zeitlich wirklich klappt scheint fraglich. Denn auch wenn in Corona-Zeiten keine Feier möglich ist – „kann man ja nachholen“ –, dürfte sich doch der ein oder andere Verwandte, Freund und auch alte Wegbegleiter aus seiner Zeit als Profifußballer bei ihm melden. Und so ein Telefonat mit Zaczyk kann durchaus etwas dauern – nicht etwa weil geschwafelt würde, sondern weil er einiges zu erzählen hat und mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält.

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Es gab nur eine Richtung: Nach Vorne

Das gilt auch, wenn es um den HSV geht, seinen Herzensverein, den er aber sehr kritisch begleitet. Dessen Rückkehr in die Bundesliga er sich zwar wünscht, aber nicht davon überzeugt ist: „Weil abseits des Platzes viele Fehler gemacht wurden.“ Und: „Weil die Mannschaft zu viel quer spielt. Wer Tore schießen will, muss angreifen.“ Für ihn selbst habe es als Fußballer „immer nur eine Richtung“ gegeben: „Nach vorne!“

Er war damit erfolgreich, er schaffte es nach oben. Zaczyk wuchs in Sterzhausen auf, begann dort auch mit dem Fußballspielen. Mit 15 Jahren zog es ihn zum VfL Marburg, bei dem er zum Junioren-Nationalspieler wurde. Der Karlsruher SC wurde auf den technisch versierten und torgefährlichen Mittelfeldspieler aufmerksam, holte ihn nach Baden. Als die Bundesliga im Sommer 1963 ihren Spielbetrieb aufnahm, war Zaczyk gerade 18 Jahre alt geworden. Er stellte einen Rekord auf, den ihm nie jemand wird nehmen können: Er war der allererste jüngste Bundesliga-Spieler überhaupt. Am 7. September gab er sein Debüt, verlor mit dem KSC gegen den HSV mit 0:4. Die Enttäuschung über das Ergebnis war da, die Freude über das Debüt überwog aber. „Das Stadion war voll, manche Leute saßen sogar auf Bäumen ringsum. Am Abend war ich im Aktuellen Sportstudio zu sehen. Ich war stolz wie Bolle“, erinnert er sich.

Zaczyk überzeugte mit Leistung, hatte seinen Stammplatz sicher – und fiel auch dem Bundestrainer auf: Helmut Schön nominierte den damals 21-Jährigen im Februar 1967 für ein Freundschaftsspiel gegen Marokko, ausgerechnet im Karlsruher Wildparkstadion. Zaczyk saß zunächst auf der Bank, wurde zur zweiten Halbzeit eingewechselt. Gerade einmal acht Minuten später köpfte der 1,74-Meter-Mann – nicht gerade als „Kopfballungeheuer“ bekannt – nach einer Flanke von Siggi Held das Tor zum 3:1, am Ende gewann Deutschland mit 5:1. Zaczyk war voller Euphorie, wähnte sich am Beginn einer Nationalspieler-Laufbahn. Doch es blieb sei einziger Einsatz in der deutschen A-Auswahl. Aus seiner Enttäuschung darüber macht er selbst Jahrzehnte später keinen Hehl.

Insgesamt 400 Bundesliga-Spiele absolvierte Zaczyk

Auch in der Bundesliga lief es für ihn eine Zeit lang alles andere als gut. Mit dem KSC stieg er 1968 ab. Er wechselte zum 1. FC Nürnberg – und steig 1969 auch mit dem amtierenden Meister ab. Die Sorge, als „Abstiegsgespenst“ nicht mehr gefragt zu sein, war unbegründet. Auch beim HSV war er gesetzt – meistens zumindest. Der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1977 war nominell sein größter Erfolg, fühlte sich für ihn aber nicht so an, da er beim 2:0 im Finale gegen den RSC Anderlecht nur auf der Bank saß. Umso mehr ist ihm der 2:0-Sieg im Endspiel des DFB-Pokals gegen den 1. FC Kaiserslautern ein Jahr zuvor wert. „Das war ein riesiges Gefühl. Ich war ja auch schon 31 und froh, endlich einen großen Titel gewonnen zu haben“, erzählt er und erinnert sich noch genau an so manche Ehrenrunde, die er mit seinen Mitspielern und dem Pokal in den Armen im Frankfurter Waldstadion drehte.

262 seiner insgesamt 400 Bundesliga-Spiele bestritt Zaczyk in seinen neun Jahren beim HSV, dazu Partien im nationalen Pokal und auf internationaler Ebene. 1978 wechselte er zu Hessen Kassel, stieg mit den Nordhessen 1980 in die 2. Bundesliga auf. Er blieb zunächst in der Stadt, war als Spieler und Trainer bei verschiedenen Clubs tätig. 1995 ging er zurück nach Hamburg, arbeitete dort bis zum Renteneintritt bei einer Bank. In der Hansestadt, in der der Vater einer Tochter und eines Sohnes aus erster Ehe mit seiner zweiten Frau Martina lebt, fühlt er sich wohl, möchte die Besuche in der alten Heimat, bei seinem Bruder Rainer und dessen Familie in Sterzhausen, aber nicht missen. „Wenn es möglich ist, bin ich mit meiner Frau mindestens einmal im Jahr für ein paar Tage da“, erzählt er. „Es ist immer wieder schön, in Sterzhausen und in Marburg zu sein.“

Von Stefan Weisbrod

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