Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport DFB-Scouts suchen und trainieren Talente
Sport Lokalsport Lokalsport DFB-Scouts suchen und trainieren Talente
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 28.02.2019
Der aktuelle Jahrgang 2006/2007 des Marburger DFB-Stützpunktes mit den Trainern Mario Selzer (hintere Reihe, von links), Wolfgang Strümpfler und Thorsten Müller. Quelle: Ina Tannert
Marburg

„Los jetzt, gib Gas! München geht vooor. Jawoll!“, schallt es aus dem Mund von Trainer Mario Selzer. Er feuert lauthals die Spieler an, die auf dem Feld alles geben, einen Ball nach dem anderen im gegnerischen Tor versenken. FC Liverpool tritt gerade gegen FC Bayern München an. Oder zumindest tun die Spieler vom Marburger DFB-Stützpunkt so – schon am Montagabend probten sie in der Ballsporthalle in der Frauenbergstraße das Champions-League-Achtelfinale. Auf dem Marburger Feld gewann am Ende Liverpool, das wirkliche Spiel am Dienstag endete mit einem 0:0.

Von einer Karriere im Profifußball sind die heimischen Nachwuchsspieler noch weit entfernt, doch genau das ist der Traum der 11- und 12-Jährigen auf dem Platz. „Ich möchte später in der Regionalliga spielen und wenn es geht, gerne auch höher“, erklärt Sinan von Blau-Gelb Marburg. Für sein Ziel arbeitet er hart, „ich bin ziemlich schnell und sehr ehrgeizig, es macht einfach unheimlich Spaß sich zu verbessern“, sagt der 12-Jährige und spurtet direkt zurück aufs Feld.

Er und seine Teamkollegen vom aktuellen zweiten Stützpunkt-Jahrgang sind die Hoffnung ihrer Heimatvereine. Die Kinder trainieren im Rahmen des DFB-Förderprogramms jeden Montag und – bis auf eine kurze Sommerpause – ganzjährig für maximal vier Jahre. Bundesweit gibt es 366 DFB-Stützpunkte, in Hessen sind es 30, in die jeweils bis zu 40 Kinder für ein zusätzliches Trainingsprogramm nach Zustimmung der Eltern aufgenommen werden. Beim Training betreut und zuvor überhaupt entdeckt werden die Nachwuchstalente von Trainern, die mindestens die ­B-Lizenz des DFB haben.

Scouts suchen Nachwuchs im „goldenen Lernalter“

Hierzulande sind die vier Marburger Stützpunkttrainer Thorsten Müller, Wolfgang Strümpfler, Gerd Karcher und Mario Selzer nebenberuflich für den DFB unterwegs. Die Honorartrainer suchen bei Vereinsspielen im ganzen Landkreis nach talentiertem Nachwuchs zwischen 11 und 15 Jahren. „Das ist das goldene Lern­alter, gerade in diesem Alter sollten die jungen Spieler individuell gefördert werden“, sagt Müller. Die Aufgabe der Fußball-Scouts sei es, „die Spitzenleute rauszupicken, wir schauen uns die Fähigkeiten der Spieler an, Schnelligkeit, Gewandheit, Technik oder Spielverständnis, man bekommt einen Blick dafür“, ergänzt Strümpfler. Vier Jahrgänge versammeln sich im Stützpunkt, jeden Sommer wird ein neues Team mit jungen Spielern gebildet, die aufgefallen sind. Es ist ein bundesweit engmaschiges Netz, „der DFB will sich keine jungen Talente durch die Lappen gehen lassen“, erklärt der Trainer.

Das Stützpunkt-Programm läuft seit 2006 in Marburg, zuvor bereits in Stadtallendorf und habe schon mehrere Erfolge hervorgebracht: Darunter den 18 Jahre alten Jonas Pfalz, der in Marburg mit 11 Jahren entdeckt wurde, heute in der A-Jugend von Borussia Mönchengladbach kickt und kurz vor dem Profivertrag stehe. Zum Stolz der ehemaligen Trainer, „man freut sich natürlich, wenn die Talente aufsteigen und aus der Region kommen“, sagt Strümpfler. Denen, die es geschafft haben, eifern die Nachfolger nach und legen sich auf dem Feld richtig ins Zeug. Sie wollen Talent und Leistung beweisen, so wie Marie von der Mädchenmannschaft des JFV Ebsdorfergrund. Sie ist die einzige Spielerin im zweiten Jahrgang und für sie ist Fußball „mehr als ein Hobby, ich will mich verbessern und vielleicht in die Hessenliga oder höher“, erzählt die 12-Jährige.

Training auf dem DFB-Stützpunkt. Quelle: Ina Tannert

Der Fußballnachwuchs wird früh umworben, spätestens am Ende des Förderprogramms und bei Länderpokal-Turnieren suchen auch die Scouts der Bundesligisten in den Reihen der Stützpunktspieler nach Talenten. Mancher würde auch schon vorher abgeworben, was nicht immer sinnvoll sei, sagt Müller.

Gerade angesichts des jungen Alters der Spieler, die den Leistungsdruck aber auch die Enttäuschung, wenn das Talent doch nicht ausreicht, aushalten müssten. „Manche Eltern pushen­ die Kinder schon sehr, aber viele Spieler wollen das auch unbedingt, sind hochmotiviert und ziehen das durch“, sagt Strümpfler. Im Alter ab 15 Jahre können die Spitzenspieler in die Internate der Bundesligisten mit angeschlossenen Leistungszentren ziehen. „Diese suchen früh nach Talenten, wer es bis 15 nicht geschafft hat unterzukommen, der hat selten noch eine Chance“, schätzt der Scout. Bei Weitem schaffen es nicht alle so weit, auch später erhielten „nur etwa ein Prozent“ einen Profivertrag. Der Fußballmarkt ist „heiß umkämpft, es besteht ein großer Wettkampf, da kann man gar nicht früh genug mit der Förderung anfangen.“ Erst recht nach der unrühmlichen WM habe das noch weiter angezogen, „es geht um die spätere Weltspitze, da hängt ein riesiges Business dran“, sagt Müller.

von Ina Tannert