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Lokalsport Vorschusslorbeeren für Hansi Flick
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21:00 25.05.2021
Lange standen Hansi Flick (links) und Joachim Löw gemeinsam beim DFB in der Verantwortung. Nach der EM folgt der frühere Co-Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf den langjährigen Bundestrainer.
Lange standen Hansi Flick (links) und Joachim Löw gemeinsam beim DFB in der Verantwortung. Nach der EM folgt der frühere Co-Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf den langjährigen Bundestrainer. Quelle: Archivfoto: Andreas Gebert
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Marburg

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist auf der Suche nach einem Nachfolger für den nach der Europameisterschaft scheidenden Jogi Löw fündig geworden. Hansi Flick, zuletzt Cheftrainer des FC Bayern München, folgt nach der EM als Bundestrainer auf Löw – eine Nachricht, die heimische Fans, Spieler und Funktionäre gestern alles andere als überraschte, die vielmehr überwiegend positiv aufgenommen wird.

„Die Verpflichtung von Hansi Flick ist eine logische wie folgerichtige Entscheidung“, sagt der frühere Nationaltorwart Eike Immel gegenüber der OP. Der gebürtige Erksdorfer sieht in Flick einen „vernünftigen Fußballfachmann“, der den richtigen Draht zu den Spielern habe und sich durch Bodenständigkeit und Ehrlichkeit auszeichne. Eine Einschätzung, die Reiner Bremer teilt. „Ich finde es eine gute Entscheidung. Flick ist ein cooler Typ. Ich schätze, wie sachlich und bodenständig er Spiele analysiert“, sagt der Präsident des Regionalligisten TSV Eintracht Stadtallendorf, der in den vergangenen Jahren immer wieder Spiele der Nationalmannschaft besucht hat – und es als gutes Zeichen sieht, dass das höchste Traineramt im deutschen Fußball perspektivisch nicht vakant bleibt: „Wir sind froh, dass Dragan (Sicaja, Trainer der Eintracht, Anmerkung der Redaktion) nicht abgeworben wurde, es also keine Störfeuer von dieser Seite gab“, scherzt Bremer.

Etwas traurig ist Helmut Weigand: „Ich hätte Flick gerne weiter bei Bayern gesehen“, sagt der Anhänger des deutschen Rekordmeisters, für den Flick „der zweite Jupp Heynckes“ bei den Münchnern war. „Er hat die Mannschaft zusammengeschweißt wie kein anderer“, lobt der Dexbacher, der dem bisherigen Bayern-Coach viel zutraut – allein weil er in der Lage sei, „frischen Wind“ in die DFB-Auswahl zu bringen.

Dies sieht auch Finn Busmann, Offensivspieler der Sportfreunde Blau-Gelb Marburg so, der – wie Nikolai Lorch von der Spvgg Rauischholzhausen – einen Vorteil darin sieht, dass Flick die Nationalmannschaft beziehungsweise die Strukturen beim DFB kennt. Schließlich war Flick zwischen 2006 und 2014 Co-Trainer unter Löw. „Außerdem sieht man an seinen Erfolgen mit dem FC Bayern, dass er ein Toptrainer ist“, meint Lorch. „Flick kann junge Spieler gut motivieren“, sagt Busmann.

In die gleiche Kerbe schlägt Steffen Rechner, Trainer des Verbandsligisten VfB Marburg, der die Verpflichtung „zum jetzigen Zeitpunkt“ als „eine gute Entscheidung“ sieht – „betrachtet man, welche Trainer derzeit überhaupt auf dem Markt sind“, gibt Rechner zu bedenken.

Wie für die meisten kam die Nachricht, dass Flick ab Sommer das DFB-Team übernimmt, auch für Daniela Rühl „mit Ansage“. Die stellvertretende Marburger Kreisfußballwartin hat allerdings „kein gutes Gefühl“, glaubt vielmehr, dass es Flick „nicht leicht haben“ wird – allein wegen des schwierigen Erbes, das der 56-Jährige antritt. „Flick ist zweifelsohne ein guter Trainer“, sagt Rühl, „aber in der Nationalmannschaft wird er es schwerer haben als in München. Jogi Löw hat zu lange gewartet, den Absprung nicht geschafft und so viele Spieler verunsichert“, meint Rühl. Laut der Weipoltshäuserin sei es daher zunächst wichtig, „die junge Mannschaft wieder zu festigen“.

Geht es nach Nikolai Lorch, sind dafür auch nach der EM Rückkehrer wie Thomas Müller und Mats Hummels wichtig, gerne auch der aussortierte Jérôme Boateng, denn: „Du brauchst erfahrene Spieler, kannst nicht nur mit Anfang-20-Jährigen rumkicken“, begründet der Angreifer des A-Kreisligisten. Für Bremer und Rechner sind weitere Faktoren entscheidend, um die zuletzt häufig kritisierte Nationalmannschaft wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen.

Durch die Vereinswettbewerbe seien viele Profis „überspielt“, merkt Rechner an. Flick müsse es daher gelingen, bei seinen Schützlingen wieder eine Bereitschaft zu wecken, ja geradezu eine Begeisterung für die DFB-Elf zu entfachen. „Fußballerisch haben wir enorme Qualität“, sagt der Coach.

Für Bremer ist wichtig, die Arbeit an der Basis zu intensivieren – ähnlich wie dies vor der Heim-WM 2006 geschehen sei, als der DFB ein Jugendförderkonzept und Stützpunkte ins Leben gerufen habe, die es noch heute gibt.

Von Marcello Di Cicco