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Lokalsport Spielzeit steht auf der Kippe
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17:00 20.04.2020
Fußball dürfte es auf den heimischen Sportplätzen wohl frühestens im Spätsommer wieder zu sehen geben. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Als die Stadtallendorfer Eintracht am Mittwoch, 11. März, durch eine 0:2-Niederlage gegen den klassenhöheren Regionalligisten FSV Frankfurt den erstmaligen Einzug ins Finale des Hessenpokals seit 1963 verpasste, da ahnte wohl schon so mancher der knapp 800 Zuschauer im Herrenwaldstadion, dass dieses Spiel für einige Zeit das letzte Amateurspiel im hiesigen Kreis sein würde, das man als Zuschauer besuchen kann. Denn an jenem Tag, kurz vor dem Anpfiff der Partie, kündigte der Landkreis Marburg-Biedenkopf aufgrund der Coronavirus-Pandemie eine Verfügung an, wonach Großveranstaltungen ab 1 000 Personen verboten werden. Etwas mehr als einen Monat und weitere Einschränkungen später scheint klar: Vor September dürfte auf den hessischen Sportplätzen nicht mehr der Ball rollen.

Diese Einschätzung geht aus einem Schreiben hervor, in dem Gerd Schugard, Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses (VSA) des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV), am vergangenen Wochenende die Unparteiischen der Hessenliga und der drei Verbandsligen „über den momentanen Sachstand und Entscheidungen des VSA“ informierte. Das Schreiben liegt der OP vor.

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Demnach sei davon auszugehen, „dass vor dem 31. August kein Spielbetrieb unterhalb der 3. Liga stattfinden kann“, heißt es in dem Papier. Derzeit ist der Spielbetrieb auf Hessenebene bis auf Weiteres ausgesetzt. Vergangene Woche hatten Bund und Länder unter anderem beschlossen, dass keine Großveranstaltungen bis zum 31. August stattfinden dürfen.

Abbruch eher unwahrscheinlich

Ein Abbruch (wie unter anderem von Marburgs Kreisfußballwart Peter Schmidt vorgeschlagen) beziehungsweise eine Annullierung der aktuellen Runde sei laut Schugard „unwahrscheinlich“ – auch aus haftungsrechtlichen Gründen. In einem vorherigen Schreiben von Frank Illing an die Trainer der hessischen Mannschaften hatte der Vorsitzende des Verbandsausschusses für Qualifizierung und Vereinsentwicklung die Problematiken diesbezüglich erläutert (die OP berichtete am Freitag).

In Hessens höchster Spielklasse, die der TSV Eintracht Stadtallendorf anführt, sind 23 Spieltage absolviert, elf Spieltage – zuzüglich einiger Nachholspiele – stehen in der Hessenliga noch aus, also rund ein Drittel. Je nachdem, wie spät genau die Runde fortgesetzt würde und wie früh aufgrund der winterlichen Verhältnisse mancherorts nicht mehr gespielt werden könnte, dürfte sich der Spielbetrieb weiter verzögern. „Zumindest für den Männerbereich ist ein Abschluss des Spieljahres 2019/20 vor dem 31. Dezember 2020 auszuschließen“, heißt es in dem Schreiben an die Referees.

Als Folge müssten auch im kommenden Kalenderjahr Partien der aktuellen Saison ausgetragen werden. Aus diesem Grund werde laut Schugard in den Regionalverbänden derzeit darüber diskutiert, ob die Spielzeit 2020/21 „ersatzlos gestrichen“ wird. „Der geregelte Spielbetrieb würde dann erst wieder ab dem 1. Juli 2021 mit dem Spieljahr 2021/22 beginnen“, heißt es in dem HFV-Papier.

Gegenüber dem Hessischen Rundfunk betonte Schugard, dass das vorliegende Schreiben lediglich dazu diene, die 35 bis 60 Schiedsrichter der Hessen- und Verbandsliga mit Informationen zu versorgen. „Das ist keine Beschlussfassung, nichts ist in Stein gemeißelt“, hält der Chef der hessischen Schiedsrichter fest.

Eine Arbeitsgruppe beschäftige sich momentan damit zu prüfen, welcher Zeitraum für die noch ausstehenden Meisterschafts- und Pokalspiele bei Männern, Frauen und im Jugendbereich benötigt wird.

Behördliche Entscheidungen sind maßgeblich

Erst in den nächsten Wochen werde sich aber zeigen, „wohin der Weg letztlich führen wird“, schreibt Schugard an die Unparteiischen. Wie HFV-Präsident Stefan Reuß am Sonntag in einer Pressemitteilung des Verbandes unterstrich, seien die behördlichen Entscheidungen für das weitere Vorgehen maßgeblich. Auch was die Frage betrifft, bei was genau es sich um „Großveranstaltungen“ handelt. Klarheit darüber, was mit dem Spiel- und Trainingsbetrieb passiert, könne es erst nach dem 30. April geben. Dann wollten die Ministerpräsidenten der Länder „über das Thema Sportveranstaltungen insgesamt“ sprechen. Am 2. Mai berät dann der HFV-Verbandsvorstand.

Nicht nur Marburgs Kreisfußballwart Peter Schmidt hatte sich gegenüber der OP klar gegen einen Zuschauerausschluss im Amateurbereich ausgesprochen – auch Schugard hält fest: „Feststehen dürfte allerdings, dass es unterhalb der 3. Liga keine sogenannten Geisterspiele geben wird.“ Dies wäre für die Vereine finanziell kaum zu verkraften.

Von Marcello Di Cicco

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