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Der Trainer als Helfer in einer schwierigen Zeit
Der Trainer als Helfer in einer schwierigen Zeit
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14:59 10.01.2022
Achim Gleim (stehend, hier als Trainer des FC Ederbergland) will mit dem SV Emsdorf den Klassenerhalt in der Gruppenliga Gießen/Marburg schaffen. 
Achim Gleim (stehend, hier als Trainer des FC Ederbergland) will mit dem SV Emsdorf den Klassenerhalt in der Gruppenliga Gießen/Marburg schaffen.  Quelle: Wilfried Hartmann
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Emsdorf

Nein, zu beneiden war der SV Emsdorf wahrlich nicht im vergangenen Sommer. Mit Klaus Umbeck als Trainer wollte der Verein aus dem Kirchhainer Stadtteil nach dem coronabedingten Abbruch der Fußballsaison 2020 / 21 in seine zweite Gruppenliga-Spielzeit starten. Aus gesundheitlichen Gründen fiel Umbeck jedoch kurzfristig aus bei den Emsdorfern, die vor sieben Jahren noch in der B-Liga spielten.

Ex-Keeper präferiert das 4-3-3

In Achim Gleim sprang letztlich ein B-Lizenz-Trainer von jetzt auf gleich knapp eine Woche vor Rundenstart in die Bresche. Binnen 24 Stunden, erzählt der 50-Jährige im Gespräch mit der OP, entschied sich der Gemündener, einzuspringen – wohl wissend, dass die Herausforderung groß ist. „Erstens, weil ich mit der Mannschaft keine Vorbereitung machen konnte, und zweitens, weil ich einige Terminüberschneidungen hatte.“ Geplanter Urlaub, Konfirmation der Tochter – und ursprünglich wollte Gleim Markus Kubonik beim JFV Stadtallendorf / Ostkreis unterstützen. Alles nicht so einfach. „Mannschaft und Umfeld haben es mir dann aber sehr einfach gemacht“, sagt Gleim über seine fünfte Trainerstation, an der der Polizeibeamte die familiären Strukturen und den „sehr guten Zusammenhalt“ im Verein schätzt.

Zehn Jahre spielte der Polizeibeamte bis zu seinem Karriereende Mitte der 2000er-Jahre als Torwart beim TSV Eintracht Stadtallendorf, wurde danach Trainer beim SV Kirchhain, TSV Mengsberg, für zehn Jahre bei seinem Heimatverein TSV Gemünden und zuletzt bis Herbst 2020 beim FC Ederbergland in der Verbandsliga Mitte. In jene Spielklasse zieht es den SVE nicht. In dem kleinen Dorf im Ostkreis wäre man schon froh, wenn man auch über den Sommer hinaus in der Gruppenliga spielen würde.

„Für uns kann es nur um den Klassenerhalt gehen“, weiß Gleim, dessen Team furios in die Runde startete. Der 9:1-Heimsieg zum Auftakt bedeutete Platz eins, es folgten jedoch vier Niederlagen in Serie. Zwischenzeitlich fand sich der SVE auf dem letzten Tabellenplatz wieder, zur Winterpause ist er Vorletzter – der in jedem Fall rettende 14. Rang ist jedoch nur einen Punkt entfernt. Entsprechend motiviert startet der SVE am 26. Januar – personell leicht verändert (siehe Infobox) – in die Vorbereitung auf die Rückrunde, in der es für Emsdorf am 6. März mit einer Partie vor heimischer Kulisse gegen Gleims Ex-Verein FC Ederbergland II losgeht.

Bis dahin werden Gleim und Co. noch feilen am 4-3-3-Spielsystem, das der neue Coach etabliert hat, gerne spielen lässt, „weil man es sehr offensiv und sehr defensiv spielen kann“, begründet der 50-Jährige, der weiß, dass auch fortan „alles funktionieren muss und dass wir uns keine großen Schwankungen erlauben dürfen“, damit der Liga-Verbleib klappt. Beim SV Emsdorf sei man „sehr optimistisch“, dass dies gelingt.

Wie es in der Konstellation mit Gleim, dem pausierenden Umbeck und dem SV Emsdorf weitergeht, werde in den nächsten Wochen entschieden. Zunächst habe man sich darauf verständigt, dass Gleim die Runde als Trainer beendet. „Darüber hinaus liegt das Angebot vor, weiterzumachen – unabhängig vom Ausgang der Saison. Es ist aber noch keine Entscheidung gefallen“, sagt Gleim. Bis Ende Februar soll Klarheit darüber herrschen, so der Coach.

Von Marcello Di Cicco