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Abbruch? Und was kommt danach?
Abbruch? Und was kommt danach?
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15:00 02.03.2021
Ein Foto aus dem Herbst 2020: Torwart Jan Drescher vom TSV Kirchhain (rechts) kommt vor Nikola Gaiks von den SF BG Marburg II an den Ball. In der Kreisoberliga ist die Saison derzeit – wie in allen Amateurspielklassen – unterbrochen.
Ein Foto aus dem Herbst 2020: Torwart Jan Drescher vom TSV Kirchhain (rechts) kommt vor Nikola Gaiks von den SF BG Marburg II an den Ball. In der Kreisoberliga ist die Saison derzeit – wie in allen Amateurspielklassen – unterbrochen. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Wird die derzeit unterbrochene Fußball-Saison noch einmal fortgesetzt? Wohl kaum, glauben auch Vereinsvertreter im Gespräch mit der OP. Die meisten gehen von einer Annullierung der Spielzeit aus – und einige sprechen sich dafür aus, die nächste Spielzeit wenn möglich schon früher als gewohnt beginnen zu lassen...

Der FSV Schröck verpasste im vergangenen Jahr den Sprung in die Verbandsliga Mitte hauchdünn, 0,05 Punkte fehlten nach Anwendung der Quotenregelung – was Trainer Maurice Jauernick damals sportlich nahm. Auch im Rückblick sagt er: „Es war die fairste Möglichkeit. Niemand weiß, ob wir den Aufstieg geschafft hätten, wenn die Saison regulär hätte beendet werden können.“ Aktuell steht Schröck auf dem zweiten Platz, rechnerisch mit 2,3 Durchschnittpunkten aber sogar vor der SG Waldsolms (2,27). Und was passiert nun? „Irgendwo ist noch ein bisschen Hoffnung, dass doch weitergespielt werden und die Hinrunde abgeschlossen werden kann“, sagt Jauernick zwar, wirklich davon aus geht er aber nicht. „Wenn, wie von Volker Bouffier gesagt, frühestens nach Ostern wieder Mannschaftssport möglich ist, kann es kaum klappen“, sagt er mit Blick auf ein entsprechendes Statement von Hessens Ministerpräsidenten. „Realistisch müsste es dann erst mindestens vier Wochen Vorbereitungszeit geben.“

Kommt es zum erwarteten Abbruch, ist für ihn eine Annullierung wahrscheinlicher: „Im vergangenen Jahr waren wir bereits mitten in der Rückrunde, diesmal ist nicht einmal die Hinrunde gespielt.“ Auf dieser Basis Abschlusstabellen zu erstellen, halte er für „schwierig“. Er ist zwiegespalten, betrachtet dabei seine eigene Mannschaft: „Wir haben es verdient, da zu stehen, wo wir stehen. Die Jungs haben Vollgas gegeben und sich zerrissen. Es wäre extrem bitter, wenn das alles nicht mehr zählt.“

Und wie soll es weitergehen? Dazu hat Jauernick eine ganz klare Meinung: „Sobald wieder Fußball gespielt werden kann, sollte das auch gemacht werden.“ Der 40-Jährige, der zur neuen Spielzeit zu Verbandsligist SF BG Marburg wechselt, spricht sich dafür aus, die Saison 2021/2022 möglichst früh beginnen zu lassen: „Wenn es im Mai oder im Juni wieder geht, sollte ermöglicht werden, dass die Vorbereitung beginnt, auch wenn die alte Saison formal noch nicht abgeschlossen ist“, sagt er. „Am besten wäre es, in den Ligen direkt Anfang Juli zu starten und in den folgenden Monaten mindestens die Hinrunde auszuspielen.“ Er blickt dabei zurück aufs Vorjahr: „Bis Oktober konnte ja gespielt werden. Wir hoffen alle, dass die Pandemie dann überstanden ist, aber wir wissen es nicht.“

Um Zeit zu gewinnen, würde Eduard Marquard, Fußballabteilungsleiter des TSV Kirchhain, – wie schon in dieser Saison – auch in der neuen Runde „eher später starten, wenn ein Großteil der Menschen geimpft ist“. Zur Diskussion um eine mögliche Fortsetzung der aktuellen Spielzeit hat er eine klare Meinung. „Die Runde sollte annulliert werden“, sagt der Abteilungsleiter der Ohmstädter, die sich als Tabellenvorletzter mitten im Abstiegskampf der Kreisoberliga Nord befinden. Darum gehe es ihm aber gar nicht. „Als Fußballer sollten wir uns in dieser Zeit ganz hinten anstellen. Erstmal sollten Kinder wieder in die Schule gehen“, meint er.

Der TSV Caldern steht in der Tabelle der Kreisliga A Marburg zwar weit unten, aber nicht auf einem Abstiegsplatz. Vorsitzender Tobias Quentin glaubt nicht an eine Saisonfortsetzung, spricht sich ebenfalls für eine Annullierung aus: „Die Aussagekraft der Tabelle ist noch zu gering, um Auf- und Absteiger zu ermitteln“, findet er. Und dann? „Wenn Fußball wieder möglich ist, sollte er auch gespielt werden. Wenn mindestens der komplette Juni für die Vorbereitung genutzt werden kann, sollte Anfang Juli der erste Spieltag sein.“ Er sei „ohnehin“ der Meinung, „dass wir im Sommer, wenn es am meisten Spaß macht und die Plätze gut bespielbar sind, eine kürzere und im Winter eine längere Pause machen sollten“.

Einen Saisonauftakt Anfang Juli könnte sich auch Udo Schmitt vorstellen – auch wenn dann für viele Sommerferien anstehen. „Die Spieler fahren doch seit Jahren schon zu ganz unterschiedlichen Zeiten in den Urlaub, von daher würde nichts dagegen sprechen. In Zeiten wie diesen muss man auch mal kreativ werden“, fordert der Spielausschuss-Vorsitzende des SV Borussia Momberg, der als Tabellen-14. der Kreisoberliga Nord ebenfalls um den Klassenverbleib kämpft. Schmitt kann sich aber nur „schwer vorstellen“, dass dieser Kampf in der aktuellen Saison noch auf sportlichem Wege möglich sein wird. „Wenn man die Hinrunde nicht zu Ende spielen kann, sollte man die Saison annullieren“, sagt er.

Auf die Austragung einer Einfachrunde hofft Philipp Bösser, Sprecher des Verbandsliga-Ersten FV Breidenbach. Sollte dies nicht gehen, bringt der 35-Jährige neben Abbruch und Annullierung eine dritte Alternative ins Spiel: diese Saison fortsetzen. Als Vorbild dafür dient das Modell in Bayern, wo in dieser Saison die vergangene, unterbrochene Spielzeit fortgesetzt wird. „Bei der Anzahl an Spielen, die noch absolviert werden müssen, dürfte dies zu bewältigen sein – zumal die Pandemie im Winter 2021/2022 nicht vorbei sein wird“, meint er. So drohe nicht erneut eine Saison, die nicht regulär beendet wird.

Bei FVB-Ligakonkurrent VfB Marburg will der Sportliche Leiter Hartmut Drescher zunächst den morgigen Corona-Gipfel von Bund und Ländern abwarten. Nur so viel: „Es wäre schon mal ein großer Schritt – für Jugendliche, aber auch die Senioren – wenn wieder trainiert werden dürfte“, hofft Drescher auf erste Lockerungen für den Mannschaftssport.

Von Marcello Di Cicco und Stefan Weisbrod