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15:00 17.03.2022
Spielen jetzt in der Richtsberghalle statt in der Großsporthalle der Kaufmännischen Schulen: die Oberliga-Volleyballerinnen des VfL Marburg, hier in der Partie gegen den USC Gießen.
Spielen jetzt in der Richtsberghalle statt in der Großsporthalle der Kaufmännischen Schulen: die Oberliga-Volleyballerinnen des VfL Marburg, hier in der Partie gegen den USC Gießen. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Das Verständnis in den Sportvereinen ist groß. Natürlich, Verantwortliche und Aktive sind nicht begeistert, ihre gewohnten Trainings- und Spielstätten verlassen zu müssen, der Grund ist für alle, mit denen die OP gesprochen hat, aber nachvollziehbar: Die beiden Sporthallen im Marburger Sportpark – die Halle der Kaufmännischen Schulen sowie die Georg-Gaßmann-Halle –, außerdem die Hinterlandhalle bei Dautphe und eine Turnhalle in Cölbe sind zu Notunterkünften für Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, umgerüstet worden. Es gebe „eben Wichtigeres als Sport“, sagte etwa Christoph Wysocki, Trainer der Marburger Bundesliga-Basketballerinnen gegenüber der OP.

Stadt und Vereine suchen gemeinsam nach Lösungen

Die verbleibenden Heimspiele in erster und zweiter Liga finden in der Sporthalle des Gymnasiums Philippinum statt – für Verantwortliche und Helfer zwar mit zusätzlichem Aufwand verbunden, aber immerhin ist mittlerweile eine Alternative zur Georg-Gaßmann-Halle gefunden. „Wir machen das Beste daraus“, sagte Vorstandsmitglied Stefan Gnau, äußerte die Hoffnung, durch zusätzliche Stühle Zuschauerplätze für etwa 200 Personen schaffen zu können, was 20 Prozent der Kapazität der eigentlichen BC-Spielstätte entsprechen würde. Das Training der Dolphins findet indes nun überwiegend in der Sporthalle der früheren Jägerkaserne an der Frankfurter Straße statt.

Auch andere Vereine beziehungsweise Mannschaften in der Stadt und im Landkreis sind betroffen. Vor allem für diejenigen, die klassischen Hallensport ausüben, sollen nun Alternativen gefunden werden, wurden teilweise bereits gefunden. In Marburg kümmert sich der Fachdienst Sport darum, der – wie die Stadt auf Anfrage mitteilte – in Gesprächen mit Vereinen sei, die für Freiluftsportarten wie Fußball, Frisbee oder Leichtathletik aktuell noch Winterzeiten in den Hallen haben. „Sie werden gebeten, diese Zeiten vorzeitig abzugeben, damit sie an Vereine, die auf Hallenzeiten angewiesen sind, neu verteilt werden können“, heißt es von der Pressestelle.

Stadträtin und Sportdezernentin Kirsten Dinnebier sprach von einer „sehr kurzfristigen und besonderen Situation“, freute sich über das „große Verständnis“ der Vereine, mit denen gemeinsam nach Lösungen gesucht werde, „damit wir allen Sporttreibenden gute Alternativen bieten können“.

Landkreis setzt Vorgabe des Landes Hessen um

Teilweise mussten bereits für das vergangene Wochenende Lösungen gefunden werden, beispielsweise für die Oberliga-Volleyballerinnen des VfL Marburg, die am Samstag eigentlich in der Halle der Kaufmännischen Schulen auf den USC Gießen treffen sollten, ihre Partie schließlich in der Richtsberghalle austrugen. Spielerin Nele Scholand zeigte sich „froh, dass schnell eine Alternative gefunden wurde“. Mit der ungewohnten Spielstätte hatte das Team offensichtlich keine Probleme, jedenfalls gewann es glatt mit 3:0 Sätzen.

Mit der Einrichtung der Notunterkünfte für bis zu 1 000 Menschen setzt der Landkreis Marburg-Biedenkopf einen Einsatzbefehl des Landes Hessen um, wird dabei von der Stadt Marburg unterstützt. Es sei sich „ganz bewusst“ für die Nutzung von Sporthallen entschieden worden, hatte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow in der Vorwoche gesagt und erklärt: „Eine Unterbringung in Zelten scheidet nach unserer Einschätzung aus, da wir davon ausgehen, dass überwiegend Frauen mit Kindern sowie ältere Menschen auf der Flucht sind. Zudem haben die geflüchteten Menschen mit hoher Wahrscheinlich Dinge erlebt, die eine Unterbringung in geschützter und abgeschirmter Umgebung notwendig machen.“

„So wichtig Sport für die Gesundheit, die Gesellschaft und auch die Integration ist“, sagte Dinnebier, „in Kriegszeiten, in denen Menschen Schutz suchen, rücken wir an anderen Stellen zusammen und packen mit an, damit diese Menschen auch Sicherheit und Unterkunft finden.“

Von Stefan Weisbrod