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Lokalsport „Da prallen zwei Welten aufeinander“
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09:52 31.01.2020
Eine Szene aus dem Hinspiel: BC Marburgs Alex Wilke zieht an ihren Kelterner Gegenspielerinnen vorbei. Die Blue Dolphins verloren die Partie nur knapp mit 85:88. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Wenn man Patrick Unger auf den kommenden Gegner, die Rutronik Stars Keltern, anspricht, dann nimmt der Cheftrainer des BC kein Blatt vor den Mund und gesteht ganz offen, dass er „gemischte Gefühle“ im Hinblick auf die Partie hat, denn: „Ich bin kein Keltern-Freund“, sagt Unger.

Der 37-Jährige begründet dies zum einen damit, dass das, was der Deutsche Meister von 2018 „nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Feldes abzieht, mehr Ego-Gezocke“ sei als mannschaftliches Zusammen­spiel. „Aber das ist auch irgend­wo klar, wenn man so viele ­herausragende ­Individualisten hat“, sagt Unger. In der Estin Merike Anderson (zu Ligakonkurrent TV Saarlouis) haben die Baden-Württemberger jüngst eine Spielerin abgegeben, mit der Verpflichtung der Dänin ­Anna Seilund (vom spanischen Erstligisten Quesos el Pastors Zamarat) aber diese Woche sogleich für Ersatz gesorgt.

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Generell übt Unger Kritik an der Philosophie Kelterns. „Mit Spielerinnen sollte man arbeiten, um sie besser zu machen, bevor man sie weg gibt“, sagt der Head Coach und fügt an: „In diesem Spiel prallen zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite ist der Verein, der seit vier, fünf Jahren mit nahezu denselben Spielerinnen arbeitet, und auf der anderen Seite die meisterschaftsgeilen Kelterner.“

Mit 14 Siegen aus 15 Spielen marschiert der Club aus Süddeutschland vorneweg, zu Hause hat Keltern in dieser Saison noch kein Ligaspiel verloren. Und Unger weiß, dass die Aufgabe ungleich schwerer wird als unter der Woche gegen SBS Ostrava, als sein Team mit einem 86:48-Sieg ins Final Four des CEWL-Europapokals einzog.

BC-Trainer Unger kämpferisch

„Sobald man einen Fehler macht, bestraft Keltern das gnadenlos“, warnt Unger. „Wir müssen in jedem Fall besser verteidigen. Das war bisher unser Schwachpunkt. Aber jede Spielerin ist motiviert genug“, sagt der Trainer, der wieder vor der Wahl steht, eine der vier „A-Ausländerinnen“ (Candice White, Katie Yohn, Tonisha Baker oder Maryna Ivashchanka) aus dem Kader streichen zu müssen. Wen, lässt er offen. „Wir werden das von Spiel zu Spiel entscheiden: wer am besten performt und wen wir mit Blick auf den Gegner brauchen“, erklärt Unger. Da das Team am Donnerstag (30. Januar) trainingsfrei hatte, sollen die letzten Eindrücke vor dem Spiel entscheiden.

In den Rutronik Stars Keltern und im TSV Wasserburg bekommt es der BC in den kommenden zwei Wochen mit dem Spitzenreiter und dem Tabellenzweiten zu tun. Dass sich die Lage mit Blick auf einen drohenden Abstiegskampf verschärft oder die Playoff-Plätze in dieser Zeit außer Reichweite geraten, glaubt der Trainer indes nicht. „Wasserburg und Keltern sind schlagbar“, gibt sich Unger kämpferisch – zumal sein Team in dieser Saison gegen beide in der Liga beziehungsweise im Pokal nur knapp verlor.

Abgeschrieben hat man die Playoffs beim BC keineswegs. „Wir befinden uns gerade in einer Art Zwischenspalt, in dem wir einerseits nach unten gucken und den Abstieg verhindern müssen und andererseits den Blick nach oben richten und auf die Playoffs spekulieren können“, sagt Finja Schaake – und schiebt entschlossen hinterher: „Ich bin dafür, dass wir in Richtung Playoffs gucken.“

von Marcello Di Cicco und Benjamin Kaiser