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Lokalsport Die Sehnsucht nach dem perfekten Sprung
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14:58 31.03.2021
Ein bisschen Nervenkitzel gefällig? Auf dem Flowtrail – wie hier bei Julian Hoffmann auf dem Übungsparcours – gibt es für jeden Radsportler etwas zu erleben.
Ein bisschen Nervenkitzel gefällig? Auf dem Flowtrail – wie hier bei Julian Hoffmann auf dem Übungsparcours – gibt es für jeden Radsportler etwas zu erleben. Quelle: Privatfoto
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Bad Endbach

Radfahren ist in Zeiten der Corona-Pandemie zum beliebten sportlichen Zeitvertreib avanciert. So mancher spricht gar vom großen Comeback einer Sportart, die nie so wirklich von der Bildfläche verschwunden war. Auf dem Flowtrail in Bad Endbach war dieses Comeback sogar messbar.

„Über die gesamte Saison 2020 hatten wir fast doppelt so hohe Nutzungszahlen. Das war erstaunlich“, erzählt Flowtrail-Projektleiterin Birgit Jüngst-Dauber. Mit einem speziellen Zähler können die Abfahrten gemessen werden; 2020 waren es demnach 600 statt– wie in den Jahren davor üblich – 300 pro Woche.

Gefälle von 18 Prozent

Seit 2014 gibt es den Flowtrail – ein Kleinod für Mountainbiker, die sich auch abseits von Wald- und Wiesenwegen mal richtig austoben wollen. Ob schmale Pfade, steile Gefälle von 18 Prozent und mehr, Wurzelpassagen oder sogenannte North­shores (Hindernisparcours) – für jeden ist etwas dabei: Drei je etwa zwei Kilometer lange, parallel beziehungsweise überlappend verlaufende Abfahrten mit drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gibt es, zudem zwei Rundkurse von zehn und fünf Kilometern Länge, die als „Zubringer“ für die drei Abfahrtsstrecken dienen; die Abfahrten bilden also das fahrerische Highlight der Rundkurse.

Für Einsteiger und zum Üben gibt es zudem zwei Übungsparcours. Ab dem kommenden Donnerstag (1. April) öffnet der Flowtrail wieder seine Pforten unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln.

Keine Möglichkeiten im Wald

Doch wozu braucht es den Flowtrail überhaupt? Eine Frage, auf die Jüngst-Dauber eine einfache Erklärung hat: „Mountainbiker haben im Wald nicht so viele Möglichkeiten, auf legalen Strecken zu fahren. Sie müssen auf den Forstwegen bleiben. Allerdings suchen viele das Erlebnis auf schmaleren Pfaden. Weil mittlerweile viele Menschen im Wald unterwegs sind, kommt es schon mal zu Konflikten.

Deswegen macht es Sinn, legale Mountainbike-Strecken zu haben – dafür ist der Flowtrail angelegt worden“, erklärt die Projektleiterin, die in der Radsportszene alles andere als unbekannt ist. Die 53-Jährige, die gebürtig aus Hatzfeld / Eder stammt und mit ihrer Familie in Wommelshausen lebt, wurde unter anderem 2003 Europameisterin im Mountainbike-Marathon.

Seit dem vergangen Jahr gibt es den FSC

Die frühere Profisportlerin und inzwischen etwas mehr als ein Dutzend Freiwillige kümmern sich um den Flowtrail, seit 2020 gibt es den Flowtrail Sport Club (FSC) Bad Endbach. Auch Julian Hoffmann hat das Flowtrail-Fieber vor vier Jahren gepackt. „Zunächst hatte ich ein Einsteigerbike“, erzählt der 19-Jährige, der inzwischen mit einem Freeride-Bike ausgestattet ist – einem sogenannten „Fully“, das über Federgabel für Vorder- und Dämpfer für Hinterrad verfügt, jeweils mit knapp 20 Zentimetern Federweg.

„Das Fahrwerk ist relativ hart eingestallt, damit man schön springen kann“, sagt Hoffmann, der in Weidenhausen bei Gladenbach lebt, nur unweit des Flowtrails also. Als der 19-Jährige mit dem Mountainbiken begann, „war das der erste Trail, den ich kannte“, erzählt er.

Faszination Mountainbiken

Also machte er sich eines Tages auf dorthin, um zu biken. Er erinnert sich noch genau: „Ich stand ganz alleine im Wald, habe eine Kamera aufgestellt, um mich beim Fahren zu filmen – plötzlich kamen ein paar Leute vorbei. Mit denen bin ich heute, vier Jahre später, sehr gut befreundet.“ Die Faszination Mountainbiken hat ihn schon längst gepackt.

„Mir macht das Fahren auf den Trails an sich schon Spaß, aber auch die Sprünge, die man mit Tricks kombinieren kann. Am besten finde ich es, Trails zu fahren und dabei große Sprünge oder Tricks zu machen beziehungsweise sie neu zu erlernen. Die andere Herausforderung besteht darin, den Trail im Flow zu fahren – also ohne viel zu treten“, sagt Hoffmann.

Das „Partyride“

Gerade in der warmen Jahreszeit steht für ihn und seine Freunde oft „Partyride“ an – also das gemeinsame Fahren kurz hintereinander, bei dem sich die Sportler auch schon mal gegenseitig überholen. „Dabei hat man eine schöne Zeit“, sagt Hoffmann.

Es geht also vielmehr um das Miteinander, nicht um das Gegeneinander; vielmehr gibt man sich gegenseitig Tipps – unabhängig vom Alter, wie der Weidenhäuser erzählt: „In letzter Zeit sieht man auch häufiger jüngere Biker, die schon richtig gut fahren. Denen schaue ich zu, wie sie ihre Tricks machen. Einer von denen hat mir sogar schon etwas Neues beigebracht“, sagt Hoffmann und schmunzelt. „Man lernt voneinander – das ist echt krass.“

Arbeiten sind „nahezu fertig“

Damit dies alles auch in dieser Saison möglich ist, waren im Winter viele Stunden an Einsatz nötig für Hoffmann und Co. „Wir haben im November am Startpunkt des Trails mit Arbeiten angefangen und uns über den Winter nach unten vorgearbeitet. Jetzt sind wir nahezu fertig“, erzählt Hoffmann.

Kurven ausbessern, Einbau neuer Elemente und Abschnitte – es gab einiges zu tun für die fleißigen Helfer, um den heimischen Bikern in der Pandemie ein sportliches Freizeiterlebnis zu bieten. „Wir sind froh, dass wir trotz aller Umstände den Flowtrail öffnen dürfen“, sagt Jüngst-Dauber vor dem offiziellen Start, „denn wir merken, dass die Leute raus wollen, um sich zu bewegen.“

Mehr Infos

Der Flowtrail ist ab kommenden Donnerstag (1. April) befahrbar, die längere der beiden Rundstrecken ist aus Sicherheitsgründen noch gesperrt. Aktuelle Infos zum Flowtrail in Bad Endbach gibt es im Internet: www.flowtrail-bad-endbach.de

Von Marcello Di Cicco

31.03.2021
31.03.2021