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Einfach mal aufraffen!
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11:00 07.12.2021
Felix Hamacher (links) und Matthias Lambert trainieren im Marburger Sportpark – die Fitnessgeräte brauchen sie dafür nicht unbedingt.
Felix Hamacher (links) und Matthias Lambert trainieren im Marburger Sportpark – die Fitnessgeräte brauchen sie dafür nicht unbedingt. Quelle: Marcello Di Cicco
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Marburg

Nein, so wirklich gemütlich ist es nicht an diesem Dezembervormittag im Marburger Georg-Gaßmann-Stadion. Das Thermometer zeigt gerade einmal zwei Grad über Null an, in der Luft hängt ein nebliger Schleier, die Tartanbahn im Stadionrund ist noch nass vom Regen aus der vorangegangen Nacht. Kurzum: Bestes Wetter zum Sporttreiben sieht wahrlich anders aus.

Und doch gibt es sie an diesem Tag, die Unerschrockenen, die sich raus ins Kalte wagen, um ihr Herz-Kreislauf-System in Schwung zu bringen – nicht nur auf der Laufbahn, wo zwei Frauen und ein Mann ihr Programm herunterspulen, unentwegt ihre Runden laufen. Nur ein paar Meter entfernt machen sich Matthias Lambert (27) und Felix Hamacher (26) warm.

Beide sind an diesem tristen Dezembertag zum ersten Mal dort, wo sich an warmen Sommertagen sonst viele Sporttreibende tummeln, um ihren Körper zu stählen: auf der kleinen Mehrgenerationenanlage zwischen Stadion, Sporthallen und Skatepark. Doch Psychologe Hamacher und Politikwissenschaft-Student Lambert sind nicht gekommen, um an den etwa ein Dutzend festinstallierten Fitnessgeräten zu trainieren, beide schwingen ihre Fäuste und Beine – sportlich gesittet, versteht sich.

„Eigentlich hatten wir uns für gestern verabredet. Da kamen aber Regen und Tagesgeschäft dazwischen“, erzählt Lambert, der mit seinem Trainingspartner eigentlich immer am Ortenberg trainiert. Während der Pandemie haben beide in einer WG zusammengelebt, sind dort in Lockdown-Zeiten schon hin und wieder dem nachgegangen, weshalb es sie diesmal in den Sportpark gezogen hat. Beide sind gekommen, um gegeneinander zu boxen – nicht nur mit ihren von Handschuhen bedeckten Fäusten, auch Tritte sind erlaubt.

„Ich bin über den Uni-Sport zum Boxen gekommen“, erzählt der gebürtig aus Koblenz stammende Lambert, der sich inzwischen der französischen Kampfsportart Savate verschrieben hat. Hamacher übte in seiner Heimatstadt Essen Kung Fu aus, seit drei Jahren macht er Kickboxen in einem Marburger Verein. Neulinge in Sachen Kampfsport sind beide also nicht. Auf die Frage, warum sie es trotz des Schmuddelwetters in den Sportpark zieht, hat Lambert eine einfache Antwort parat: „Wenn man sich nicht selbst aufrafft, dann passiert nichts“, sagt der 27-Jährige und streift sich dabei seine Boxhandschuhe über.

Der weiche Boden im kleinen Fitnesspark ist beiden schon bei der Ankunft positiv ins Auge gestochen, federt er die Bewegungen doch gut ab. Ob die Fitnessgeräte während der Trainingssession auch noch zum Einsatz kommen werden? „Gut möglich“, sagt Hamacher. Wer sich von Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht abschrecken lässt, dem machen eben auch ein paar Regentropfen auf kaltem Metall nichts aus.

Von Marcello Di Cicco