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Lokalsport Busmann ist zurück beim Herzensklub
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16:00 14.01.2021
Nach seinem Studium in den USA ist Fußballer Finn Busmann wieder fest bei den SF BG Marburg.
Nach seinem Studium in den USA ist Fußballer Finn Busmann wieder fest bei den SF BG Marburg. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Nach dem Start der Amateurfußball-Spielzeit Anfang September ging es für die Mannschaften in der Verbandsliga Mitte Schlag auf Schlag. Wegen des verspäteten Saisonbeginns aufgrund der Corona-Pandemie standen einige Englische Wochen an, um den Mammut-Spielplan abzuarbeiten. Eine große Herausforderung – auch für Finn Busmann von den Sportfreunden Blau-Gelb Marburg, wenngleich der 23-Jährige in den vergangenen vier Jahren häufiger in dieser Taktung gefordert war.

Denn nach seinem Abitur an der Steinmühle zog es den Marburger 2016 ins Ausland – genauer gesagt: in die USA. „Ich hatte von einem Freund gehört, dass man Fußball und Studium dort gut kombinieren kann“, erzählt Busmann, der schon immer begeistert war von Amerika.

Über eine Agentur kam der Kontakt zustande, Busmann bewarb sich auf verschiedene Stipendien – und landete schließlich an der privaten Stetson-Universität in Florida, etwa eine Autostunde nördlich von Orlando entfernt. „Der Trainer wollte mich unbedingt haben. Akademisch und fußballerisch hat es dann geklappt.“

Fußballer Finn Busmann ist wieder zurück bei den SF BG Marburg. Quelle: Thorsten Richter

Mit dem Uni-Team spielte Busmann in der höchsten College-Liga – „vier super-geniale Jahre lang“, schwärmt der 23-Jährige, der dort in einem Studentenwohnheim lebte, mal mit mehr, mal mit weniger Studienkollegen zusammen. Im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ machte Busmann nicht nur seinen Bachelor in Business Administration mit den Schwerpunkten Sport, Marketing und Finanzen, er ging auch seiner Leidenschaft, dem Fußball, nach – und dies ziemlich professionell.

„In den USA gibt es zwei Profiligen sowie Sommer­ligen, darunter aber nichts“, erklärt der Offensivspieler, „der Unterbau wird also komplett von den College-Ligen gebildet.“ Dies führe dazu, dass Trainer in jenen Ligen scouten, dass – wie etwa im American Football – sogenannte Drafts stattfinden, bei denen Clubs ihre Spieler auswählen.

Erfolge kamen nicht sofort

Lief es im ersten Jahr noch „semi-optimal“, wie Busmann sagt, kam im zweiten Jahr mit einem neuen Trainer auch der Erfolg. Für den Sieg in der Conference gab es sogar einen kleinen Ring. Weil Busmann und Co. auch in Detroit, Chicago oder New York antraten, ging es unter anderem mit dem Flieger zu den Auswärtsspielen, zwischen denen auch schon mal im Hotel übernachtet wurde.

„Die Bedingungen waren wirklich professionell: vom Trainingsgelände über die Trainingsatmosphäre bis hin zu Trainerstab und den Ärzten.“ Alles in allem war es „sehr speziell und eine tolle Erfahrung“, resümiert der Fußballer, der im dritten Jahr wegen eines Kreuzbandrisses lange zuschauen musste und im letzten Jahr mit seinem Team nur knapp die Teilnahme am großen nationalen Turnier verpasste.

Finn Busmann mit der Trophäe für den Sieger der regulären Saison. Quelle: Privatfoto

An einem Draft nahm Busmann in den USA nie teil, einzig über die Sommerliga hätte sich der 23-Jährige für höhere Aufgaben empfehlen können. „Dann hätte man vielleicht Angebote von zweiten Mannschaften der Major-League-Soccer-Clubs erhalten, um es so nach oben zu schaffen.“ Überlegungen, dies zu tun, gab es, verrät Busmann, der den Sommer aber stets gerne in der Heimat verbringen wollte – auch um dort für die Sportfreunde die Schuhe zu schnüren.

Eine Herzensangelegenheit

Seit der laufenden Saison macht er das wieder regelmäßig – vorausgesetzt, die Corona-Beschränkungen lassen es zu. Zwar gab es nach seiner Rückkehr ein „paar Interessenten“, jene Angebote waren für ihn aber keine ernste Alternative. Denn am Zwetschenweg spielt er nun wieder mit seinen „besten Freunden“ zusammen. Mit einigen von ihnen prägte er in der A-Jugend eine der erfolgreichsten Zeiten des Vereins, als das damalige Team in der Hessenliga spielte. „Blau-Gelb war, ist und bleibt wahrscheinlich immer eine Herzensangelegenheit“, sagt Busmann.

„Jeder merkt gerade, wie sehr einem der Fußball fehlt“

Finn Busmann (23) begann mit dem Fußballspielen in der G-Jugend der Sportfreunde Blau-Gelb Marburg. „Mein Papa ist ewiger Blau-Gelber, hat hier jahrelang gekickt“, erzählt der gebürtige Marburger. Nach der Teilnahme an einem Fußballcamp der Frankfurter Eintracht erhielt er eine Einladung für die Fußballschule des Bundesligisten, spielte dort parallel zum Verein. Zur D-Jugend wechselte er zum JFC Frankfurt, in dem sich ein Teil der Fußballschule sammelte. „Es war eine geile Zeit beim JFC, hatte auch mal Charly Körbel als Trainer“, erinnert sich Busmann an seine Zeit mit dem Bundesliga- Rekordspieler. Zur B-Jugend holte Sascha Nahrgang, heute Sportlicher Leiter der SF BG, Busmann zum B-Junioren-Hessenligisten VfB Marburg, den Nahrgang seinerzeit trainierte. In der A-Jugend wechselte Busmann zurück zu den SF BG in die Hessenliga. Seither hält er dem Klub vom Zwetschenweg die Treue. Mit sechs Punkten Rückstand zu Tabellenführer FV Breidenbach belegen die Sportfreunde nach elf Spieltagen Rang acht in der Verbandsliga Mitte. „Das Bestmögliche“ wolle das Team  herausholen in der Restrunde, deren Wiederbeginn wegen den Corona-Beschränkungen für Amateursportler noch nicht terminiert ist. „Wir wollen es aber auch genießen. Denn  jeder merkt gerade, wie sehr einem der Fußball fehlt. Es geht also erstmal darum, Spaß zu haben. Wenn das der Fall ist, sind wir auch erfolgreich.“

Von Marcello Di Cicco