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Lokalsport Finja Schaakes Rückkehr nach Marburg
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11:00 11.12.2020
Finja Schaake (rechts; gegen Kelterns Jasmine Thomas) im Marburger Trikot. Von 2009 bis 2020 spielte die 28-Jährige beim BC – jetzt tritt sie mit dem TK Hannover in ihrer Geburtsstadt an.
Finja Schaake (rechts; gegen Kelterns Jasmine Thomas) im Marburger Trikot. Von 2009 bis 2020 spielte die 28-Jährige beim BC – jetzt tritt sie mit dem TK Hannover in ihrer Geburtsstadt an. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Gut möglich, dass sie eine Bestmarke für die Ewigkeit hält: 325 Spiele hat Finja Schaake in elf Saisons für die Blue Dolphins bestritten. Im Herbst 2009 hatte sie mit 17 Jahren ihr Erstliga-Debüt gegeben, entwickelte sich in ihrer Geburtsstadt Marburg zur Führungs- und Nationalspielerin. Am Samstag wird passieren, was für Fans des BC Pharmserv bis vor wenigen Monaten undenkbar schien: Die 28-Jährige läuft im Trikot des Gegners in der Georg-Gaßmann-Halle auf.

Es war vor allem die berufliche Perspektive, die die Lehrerin in die niedersächsische Landeshauptstadt verschlagen hat: Nach ihrem Referendariat an der Marburger Elisabethschule bekam sie vom Land Niedersachsen nicht nur eine Stelle, sondern auch direkt eine Verbeamtung angeboten – eine Möglichkeit, die sie ergriff, zumal es auch sportlich passt: Beim „Turn-Klubb“ kann sie weiter auf Bundesliga-Niveau Basketball spielen.

Und so wird Schaake am Samstagabend, wenn um 19 Uhr der Sprungball erfolgt, an alter Wirkungsstätte im neuen Dress auf dem Parkett stehen. Mit der Oberhessischen Presse spricht sie im Vorfeld der Partie über …

… die Vorfreude auf das Spiel: Ist da, aber doch merklich getrübt. „Als der Spielplan herauskam, habe ich sofort ganz vielen Leuten gesagt, dass sie sich den 12. Dezember freihalten sollen“, erzählt Schaake. „Und jetzt ist die Situation eben so, wie sie ist. Da kann man nichts machen, aber es ist schon richtig schade“, sagt die 28-Jährige vor der Partie, zu der Corona-bedingt keine Zuschauer zugelassen sind. Immerhin wird sie einige langjährige Mitspielerinnen wiedertreffen, auch auf das Wiedersehen mit Vorstandsmitgliedern und Helfern freut sie sich.

„Irgendwie“, sagt sie, sei es „ein komischen Gefühl, daran zu denken, in der Gaßmann-Halle zu spielen, aber nicht für den BC. Ich glaube, das wird sich noch verstärken, wenn wir in Marburg ankommen.“ Die Stadt sei ja „irgendwie“ weiterhin ihr Zuhause – in das sie nun als Gast zurückkehrt. Zu einigen Spielerinnen, etwa zur derzeit verletzten Steffi Wagner und zu Alex Wilke, hat sie nach wie vor viel Kontakt, telefoniert regelmäßig mit ihnen.

… ihr Leben in Hannover: Ihr gefällt es. „Ich bin ein Fan der Stadt. Man merkt, dass Hannover deutlich größer ist als Marburg“, erzählt sie, bewegt sich aber meist doch in einem kleinen Bereich im Umfeld des Maschsees: Die Bismarckschule, an der sie unterrichtet, liegt nur wenige Meter vom Ostufer des Sees entfernt, Wohnung und Sporthalle erreicht sie innerhalb weniger Minuten. Beruflich fühlt sich die Lehrerin für Chemie, Englisch und Sport in der neuen Stadt und in der neuen Schule angekommen: „Es ist ein tolles Kollegium, das es mir leicht gemacht hat.“

… ihre Rolle im neuen Team: In Marburg war Finja anerkannte Führungsspielerin – ein Status, der nach mehr als zehn Jahren im Verein selbstverständlich war, mit Trainer Patrick Unger verband sie eine Freundschaft. Dass der Umgang in Hannover noch ein etwas anderer ist, ist ebenfalls selbstverständlich, aber: „Ich wurde super aufgenommen. Die meisten kennen mich ja aus der Liga und wussten, dass ich schon ein paar Jahre spiele.“ Sie habe daher sofort ein gewisses Standing gehabt: „Ich durfte sofort meine Meinung sagen.“ Wichtig für sie: „Alle akzeptieren, dass ich als Vollzeit-Lehrerin nicht wie die anderen zwei Mal pro Tag trainieren kann.“

… die Leistungen ihres Teams: Bislang ist sie mit den Leistungen nicht vollends zufrieden, denn: „Die Konstanz fehlt uns.“ In Heidelberg (78:71) und gegen Osnabrück (92:79) hätten nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Leistungen gestimmt. „Aber wir hatten auch weniger gute Spiele“, sagt Schaake mit Blick auf die drei Niederlagen. „Es ist wie eine Achterbahnfahrt.“ Enden, das ist für sie klar, soll die Hauptrunde mit der Qualifikation für die Playoffs.

… ihre Erwartungen fürs Spiel in Marburg: „Wir hatten bislang immer abwechselnd Niederlagen und Siege. Wenn es so weitergeht, müssten wir einen Sieg einfahren“, sagt Schaake mit einem Schmunzeln. Auch wenn sie den Blue Dolphins ansonsten die Daumen drückt, in dieser Partie will die Flügelspielerin natürlich mit dem TK gewinnen. „Ich denke, es wird ein Spiel auf Augenhöhe. Unser Vorteil könnte sein, dass wir die ganze Woche normal trainieren konnten und das Marburger Team vom Pokalspiel vielleicht ein bisschen müde ist“, sagt sie. Der BC musste am Mittwochabend im Achtelfinale gegen Saarlouis ran, gewann deutlich mit 70:49. „Ich glaube, es wird auf die Tagesform ankommen.“

2 825 Punkte in 325 Spielen für den BC

Vor allem diese Zahl ist beeindruckend: 325 Spiele hat Finja Schaake zwischen Herbst 2009 und Frühjahr 2020 in Bundesliga, nationalem Pokal und auf internationaler Bühne für den BC Pharmaserv Marburg bestritten – Vereinsrekord! 2 825 Punkte erzielte die Flügelspielerin, im Schnitt rund 8,7 pro Partie, wie aus den Statistiken von Vereinspressewart und Hallensprecher Marcus Richter hervorgeht. Interessant, wenn auch nach fünf Partien noch nicht sehr aussagekräftig: In Hannover ist ihr Punkteschnitt mit 8,6 bislang fast identisch.

Schaake wurde am 23. Juli 1992 in Marburg geboren, wuchs aber in Grünberg auf, begann dort auch mit dem Basketballspielen. Als 17-Jährige gab sie ihr Erstliga-Debüt bei den Blue Dolphins.

Von Stefan Weisbrod