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Lokalsport Finja Schaake blickt auf elf Jahre beim BC Marburg zurück
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08:00 10.08.2020
Finja Schaake (rechts) zieht an Bad Aiblings Cyrielle Recoura vorbei. Elf Jahre lang hat die jetzt 28-Jährige für den BC Pharmaserv Marburg gespielt. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Diesen Rekord wird im Marburger Bundesliga-Team so schnell wohl keine Spielerin knacken: 325 Spiele hat Finja Schaake in der Bundesliga, im nationalen Pokal sowie auf europäischer Bühne für den BC Pharmaserv gemacht. Ihr erstes bestritt sie im Herbst 2009 als 17-Jährige, ihr letztes zehneinhalb Jahre später am vorletzten Spieltag der Erstliga-Hauptrunde 2019/2020. Dann kam der Saisonabbruch aufgrund der Corona-Pandemie, der letzte Spieltag fand daher nicht mehr statt. Gegner wäre der TK Hannover gewesen – der Verein, für den die 28-jährige Lehrerin künftig auf Korbjagd gehen wird.

Viermal holte Schaake mit den Blue Dolphins Bronze um die Deutsche Meisterschaft (2010, 2012, 2016, 2017), zweimal zudem den dritten Platz im Pokal (2011, 2019). Mit der OP spricht die Flügelspielerin über …

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 … ihre schönsten Erlebnisse beim BC: „Es war insgesamt eine wunderbare Zeit. Eigentlich war jedes einzelne Heimspiel für mich besonders. Das war beim ersten Spiel so, wo ich Gänsehaut hatte, als mein Name genannt wurde, und dann eingelaufen bin und die Fans alle applaudiert haben. Dieses Gefühl hat sich aber mit den Jahren kaum verändert, das Einlaufen war immer toll.“ Überhaupt habe sie die Stimmung in der Halle immer sehr positiv empfunden: „Die Fans sind einfach klasse. Die gibt es so nur in Marburg.“ Aber auch ein einzelner Wurf ist ihr besonders positiv in Erinnerung geblieben: „Da haben wir ausgerechnet gegen Hannover gespielt, und es war eines der wenigen Spiele, das mein Bruder in der Halle sehen konnte. Das war ein Treffer in letzter Sekunde, durch den wir mit ein oder zwei Punkten gewonnen haben.“

… Negativerlebnisse in den elf Jahren: Die 28-Jährige blickt dabei auf die Saison 2013/2014 zurück: „Wir hatten damals eine richtig gute Mannschaft und sind in der Hauptrunde Zweiter geworden. Das war eine Saison, die bis dahin richtig viel Spaß gemacht hat.“ Im Viertelfinale verloren die Blue Dolphins dann jedoch zu Hause knapp und auswärts deutlich gegen Oberhausen, schieden dadurch aus. „Da waren wir richtig schlecht. Wir hatten eine große Chance auf mehr verpasst. Es gab auch noch andere Enttäuschungen, aber das war die größte.“

… einige dritte Plätze, aber keine Titel mit dem BC: „Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mich das nicht schmerzt. Ich hätte so gern zumindest mal ein Finale gespielt.“ Das blieb ihr verwehrt, auch in der Central Europe Women League: Das Marburger Team qualifizierte sich 2018 fürs Top Four des Europacup-Wettbewerbs und dort fürs Endspiel, Schaake konnte die Reise nach Rumänien aber aufgrund von Prüfungen nicht mit antreten. „Vielleicht schafft es der BC ja in den nächsten Jahren mal ins Finale um die Meisterschaft oder um den Pokal“, sagt sie und schiebt nach kurzem Überlegen nach: „Oder ich schaffe es mit Hannover mal dahin.“

… Dinge, die sie vermissen wird: „Ich glaube, das familiäre Umfeld wird mir besonders fehlen. Im Verein und im Umfeld kennt jeder jeden, auch die treuen Fans kennen uns und wir kennen sie.“ Auch ihre bisherigen Mitspielerinnen wird sie vermissen, manche besonders: „Ich habe mit Steffi Wagner eine super lange gemeinsame Historie. Wir haben schon in der Hessenauswahl 2005 zusammen gespielt, und es war schön, mit ihr jetzt einige Jahre in Marburg zusammen spielen zu dürfen.“ Ähnliches gelte für Tonisha Baker, „mit der ich mich auch super verstehe und zu der der Kontakt bestimmt nicht abreißen wird“.

… ihre Rückennummer 8: Eigentlich hätte Schaake als Jugendspielerin viel lieber die Nummer 7 gehabt. „Die war aber schon vergeben, dann habe ich die 8 bekommen“, erzählt sie. Jetzt ist sie etwas traurig, dass sie diese in Hannover wohl nicht bekommen kann, vermutlich wird sie künftig mit der früheren Wunschnummer 7 oder mit der Nummer 6 auflaufen. Für sie ist das kein Problem, nur eine Zahl möchte sie auf keinen Fall haben: „Ich würde jede Nummer nehmen, außer der 15.“ Warum das? „Ich hatte in der Jugend mal eine schwere Verletzung, wegen der ich mehrmals am Schienbein operiert werden musste. Damals hatte ich die 15 getragen. Deshalb geht die Nummer für mich gar nicht.“

… ihr neues Team und die Zielsetzung: „Das Team wird derzeit noch zusammengestellt, daher ist es schwer, schon etwas darüber zu sagen.“ Aber: „Man möchte natürlich gern jedes Spiel gewinnen. Der Einzug in die Playoffs sollte auf jeden Fall das Ziel sein.“ Zunächst aber hofft sie mit Blick auf die Corona-Situation, dass die Bundesliga-Saison tatsächlich im Oktober beginnen kann. „Ich bin da alles andere als sicher.“

… den Gedanken, in Marburg für Hannover zu spielen: „Ich glaube, das wird ganz schön komisch werden. Ich kann mir noch nicht vorstellen, auf der anderen Seite zu stehen. Ich sehe schon kommen, dass es das Spiel am ersten Spieltag gibt.“

… ihre weitere Laufbahn in der deutschen Nationalmannschaft: Seit 2012 hat Schaake 61 Mal fürs A-Nationalteam gespielt. Wie es weitergeht, hängt auch von der Leitung ihrer neuen Schule ab. An der Marburger Elisabethschule – dort war sie als Referendarin tätig (siehe Infobox) – habe sie „großes Glück“ gehabt, wie sie es formuliert: „Da wurde ich für Länderspielreisen immer freigestellt. Ich weiß noch nicht, wie das an meiner neuen Schule gesehen wird.“ Außerdem müsse sie ja zunächst nominiert werden. „Wenn es passt, würde ich aber gern weiter für Deutschland spielen“, betont sie.

Lehrerin und Basketballerin in Hannover

Ende August soll’s für Finja Schaake wieder losgehen– mit dem Unterricht: Dann beginnt in Niedersachsen und damit auch an der Bismarckschule in Hannover das neue Schuljahr. Ein „bisschen nervös“ ist sie schon, vor allem freut sich die Gymnasiallehrerin für Englisch, Chemie und Sport aber darauf, vor allem auf ihre eigene fünfte Klasse, für die sie als Klassenlehrerin hauptverantwortlich sein wird. Die berufliche Perspektive war für die 28-Jährige einer der Gründe, ihre hessische Heimat zu verlassen und in die niedersächsische Landeshauptstadt zu ziehen: Nach ihrem Referendariat an der Marburger Elisabethschule bekam sie in Hessen kein vergleichbares Stellenangebot. Auch wenn ihr der Abschied „nach wie vor richtig schwer fällt“, freut sie sich darauf, „jetzt mal in einer deutlich größeren Stadt zu leben“ – und darauf, weiterhin auf hohem Niveau Basketball zu spielen. „Perfekt, dass das in Hannover möglich ist.“

von Stefan Weisbrod