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Lokalsport Felix Vogel hat nur bei den Älteren Konkurrenz
Sport Lokalsport Lokalsport Felix Vogel hat nur bei den Älteren Konkurrenz
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12:58 04.09.2021
Das Ziel im Blick: Felix Vogel beim Training im „Bermuda“ in Marburg.
Das Ziel im Blick: Felix Vogel beim Training im „Bermuda“ in Marburg. Quelle: Stefan Weisbrod
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Marburg

Felix Vogel umkreist den grünen Tisch, schaut sich die Positionen der verbliebenen Kugeln genau an. Dann tritt er einen Schritt nach vorn, nimmt den weißen Ball, legt ihn ein paar Zentimeter nach links. Schummelt er da etwa? Nicht wirklich. „Ist sonst zu einfach“, sagt er.

Der 13-Jährige trainiert an diesem Nachmittag, so wie er es an den allermeisten Tagen macht. Er will besser werden, noch besser. „Vielleicht“, antwortet er auf die Frage, ob er irgendwann zu den besten Poolbillardspielern gehören, damit sein Geld verdienen will. „Cool wäre das.“ Er ist keineswegs naiv: „Das schaffen nur sehr wenige“, weiß er.

Ein Überflieger

Der Marburger ist – das darf man wohl so sagen – ein Überflieger in seinem Sport. Wenn im Herbst die Deutschen Meisterschaften der Jugend in Bad Wildungen ausgetragen werden, will Felix Vogel dabei sein. Er könnte in der Altersklasse U 15 antreten, gemeldet hat er aber für die U 17. Warum? „Es geht mir um die Herausforderung.“

Er will offenbar nicht sagen, dass er zu gut ist, dass die anderen Spieler in vergleichbarem Alter keine Konkurrenz für ihn sind – aber so ist es. Und deshalb will er sich mit bis zu vier Jahre älteren Gegnern messen. Sein Ziel: „Ich will mindestens einen Titel holen.“ Vier davon werden ausgespielt: in den Disziplinen 8-, 9- und 10-Ball sowie 14 und 1 endlos.

Titel im Team

Am Nebentisch im „Bermuda“ in Marburg sind zwei Frauen aktiv. „Der kann’s wohl“, sagt die eine leise, nachdem sie Felix Vogel einen Moment lang beobachtet hat. „Ja, der ist oft hier“, entgegnet die Mitspielerin, weiß offenbar Bescheid. Der Begriff „internationale Turniere“ fällt.

Billard: U-17-Europameister Deutschland mit Felix Vogel aus Marburg (Mitte). Quelle: European Pocket Billiard Federation

Bei einem solchen, konkret den Europameisterschaften im slowenischen Laško, ist der 13-Jährige gerade erst gewesen. Und er war nicht nur da, er hat nicht nur manchen Achtungserfolg in den Einzelwettbewerben der U 17 erreicht, er hat auch einen Titel mit nach Oberhessen gebracht: den mit dem Team.

Mit acht Jahren an den großen Tischen

Mit sechs Jahren fing Felix Vogel an einem kleinen Tisch mit dem Billardspielen an. Es war das Hobby des Vaters, das auch den Sohn begeisterte, das ihn packte. Mit acht spielte er bereits an großen Tischen. Er merkte, er war besser als Gleichaltrige. Reihenweise gewann er hessische Landestitel, was ihn noch mehr motivierte.

Er fing an, Ligaspiele für den PDV Marburg zu machen, wohlgemerkt bei den Erwachsenen. Die Schule, klar, geht vor, außerdem spielt der 13-Jährige Fußball bei den SF BG Marburg. Was dann noch an Zeit bleibt, verbringt er am Billardtisch. „Es macht mir riesen Spaß. Das ist für mich das Allerwichtigste.“

Live-Übertragung im Internet

Spaß hatte er auch bei den Europameisterschaften in der Slowakei – eine Menge Nervosität kam vor allem vor seiner ersten Partie hinzu: „Ich durfte direkt auf dem Centre Court spielen“, erzählt er. Die Ränge waren Corona-bedingt zwar nicht komplett besetzt, einige Zuschauerinnen und Zuschauer waren aber dabei, zudem gab es eine Live-Übertragung im Internet. Der Marburger gewann das Spiel knapp, das gab ihm Sicherheit, Selbstvertrauen.

Felix Vogel ist mit 13 Jahren U-17-Team-Europameister 2021. Quelle: Stefan Weisbrod

Wie viel er davon hatte, wurde in seinen Begegnungen des Teamwettbewerbs deutlich – und dort vor allem im Finale. Die deutsche Mannschaft war als Mitfavorit ins Rennen gegangen. „Unser Ziel war, um den Sieg mitzuspielen. Wir wussten, dass wir es können“, erzählt Felix Vogel, der selbst 8-Ball spielte, so auch beim finalen Akt.

Einige Kugeln voraus denken

Nach dem 9- und dem 10-Ball stand es gegen Polen 1:1 – ausgerechnet am Jüngsten lag es nun. Er behielt die Nerven, lochte Kugel um Kugel, setzte im richtigen Moment auf Sicherheit, machte dem Gegner die Spielfortführung schwer. Beim Stand von 5:3 wurde es knapp, hatte sein Gegner eine Chance, nutzte sie nicht. Anders der Youngster aus Marburg, der den entscheidenden sechsten Punkt machte.

Stolz zeigt er beim Gespräch mit der OP seine Goldmedaille. Dann geht er zurück an den Tisch, trainiert weiter. Es gehe darum, nicht nur eine Kugel einzulochen, sondern die weiße so zu platzieren, dass er eine gute Spielfortsetzung hat. „Die Stars denken zehn Kugeln voraus“, erklärt Felix Vogel. Und er selbst? „Ein paar. Da will ich noch besser werden“, antwortet er, während er mal mühelos, wie es scheint, den kompletten Tisch fehlerfrei abräumt.

Die Disziplinen

Wer etwa in einer Kneipe Billard spielt, der spielt in aller Regel nicht beispielsweise Snooker oder Karambolage, sondern Poolbillard – und zwar in der Variante 8-Ball. Eine Person spielt auf die „vollen“ Kugeln, die andere auf die „halben“ und am Ende muss die „8“ versenkt werden. Das sind die simplen Regeln, so kennen Viele das Spiel. Wer wettkampfmäßig aktiv ist, muss einiges mehr beachten – und sich mit weiteren Disziplinen beschäftigen.

Anders als beim 8-Ball, wo 15 Objektbälle plus die weiße Spielkugel im Spiel sind, wird beim 9-Ball neben dem Spielball nur mit den ersten neun durchnummerierten Kugeln gespielt. Ziel ist es, die „9“ zuerst korrekt zu lochen, wobei mit dem weißen Ball jeweils die Kugel mit der niedrigsten Zahl angespielt werden muss. Zufallstreffer sind daher erlaubt, da nicht angesagt werden muss, welcher Ball in welches Loch gehen soll.

Ähnlich ist 10-Ball, das aber ein Ansagespiel ist. Es muss also vor dem Stoß mitgeteilt werden, welche Kugel in welches Loch gehen soll. Ziel: die Kugel mit der „10“ versenken.

Beim 14 und 1 endlos sind alle 16 Bälle im Spiel. Für jeden korrekt versenkten Objektball gibt es einen Punkt. Bei Fouls werden Punkte abgezogen. 14 Objektbälle werden versenkt, einer bleibt übrig und der Rest wird wieder aufgebaut – daher der Name der Disziplin. Der letzte Objektball sollte möglichst so liegen, dass dieser gelocht und mit dem Stoß zugleich die neu aufgebauten Kugeln voneinander gelöst werden können. Wie beim 8- und beim 10-Ball muss vorher angesagt werden, welcher Ball versenkt werden soll. Es gewinnt, wer eine festgelegte Punktzahl zuerst erreicht.

Daneben gibt es weitere Varianten wie 3-Ball, One Pocket oder Rotation, die jedoch seltener bei Turnieren gespielt werden.

Von Stefan Weisbrod