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Lokalsport Baum hat sein Glück beim FVB gefunden
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16:56 20.11.2020
Wenn Felix Baum (rechts, gegen Jonas-Elias Hofmann von den SF BG Marburg) abzieht, wird’s meistens gefährlich. Quelle: Thorsten Richter
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Breidenbach

Torsten Opitz, Peter Sichmann, Frank Winkler, Steffen Schmitt, Björn Breuer – Felix Baum hatte schon einige Trainer in seinen elf Jahren, in denen er die Fußballschuhe für Verbandsligist FV Breidenbach schnürt.

„Von allen habe ich etwas mitgenommen – von dem einen mehr in Sachen Motivation, von dem anderen mehr im Bereich Offensive. Deshalb will ich gar niemanden herausheben“, sagt der Vollblutstürmer, der allein in den vergangenen acht Jahren mehr als 240 Verbandsliga-Spiele für Breidenbach bestritten und dabei mehr als 210 (!) Treffer erzielt hat.

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Seit Sommer ist der 30-Jährige selbst dafür verantwortlich, seinen Mitspielern etwas auf ihrem fußballerischen Weg mitzugeben. Zusammen mit Julian Kapitza bildet er das Spielertrainer-Gespann bei den Hinterländern – und das ziemlich erfolgreich.

Mit 24 Punkten führen die Perftaler die Tabelle der Mitte-Staffel nach elf Spieltagen an. Warum sich sein Team bisher überrascht? „Weil wir eine Mannschaft sind, uns füreinander zerreißen“, meint Baum. „Das merkt man daran, dass wir schon mehrere Male nach einem Rückstand den unbedingten Willen gezeigt haben, nicht verlieren zu wollen.“

„Eine kleine Ehre“

Ehrgeiz ist eine Tugend, die bei Felix Baum großgeschrieben wird. Und eine Tugend, die ihn bewog, neues Terrain zu bestreiten, als die Verantwortlichen des Verbandsligisten vor der Runde an ihn herantraten und fragten, ob er sich die neue Aufgabe vorstellen könne. „Für Julian und mich war es ein kleine Ehre, dass ein gestandener Verbandsligist uns das zutraut“, sagt Baum, der einräumt, anfangs auch Zweifel ob der neuen Verantwortung gehabt zu haben. Schließlich hätte der Respekt seitens des ein oder anderen Spielers fehlen können, gibt Baum zu bedenken.

„Doch dann haben wir uns gesagt: Warum nicht mal eine interne Lösung? Wir wissen genau wie Verein und Mannschaft ticken, manchmal ist sowas besser. Und in Julian hätte ich keinen besseren Partner finden können“, findet Baum lobende Worte für den Innenverteidiger, der seit 2015 für den FVB spielt.

Familie wichtiger als Karriere

Dass im Laufe der Jahre immer wieder lukrative Angebote hereinschneiten, will Felix Baum im Gespräch mit der OP nicht verhehlen. Doch weder Regionalligist TSV Eintracht Stadtallendorf noch Emporkömmling TSV Steinbach-Haiger konnten Baum davon überzeugen, das FVB-Trikot abzulegen.

Für den Angreifer hat dies einen einfachen Grund. „Ich schätze, was ich beim FV Breidenbach habe. Ich bin hier wunschlos glücklich“, sagt Baum, dem vor allem die Vereinbarkeit von Fußball, Beruf und Familie wichtig ist. Seit sechs Jahren wohnt er mit seiner Verlobten und seinen inzwischen zwei Töchtern in Breidenbach, nur zehn Minuten Fahrzeit sind es mit dem Auto zu seinem Arbeitsplatz in Biedenkopf.

Baum: Zur Not nur die Hinrunde spielen

„Ich kann hier mit dem Fahrrad zum Training fahren und habe so mehr Zeit für meine Kinder. Klar, wäre die Hessen- oder Regionalliga toll. Aber die Stunde, die ich dafür jedes Mal im Auto unterwegs bin, gibt mir niemand zurück“, sagt Baum, der bisher keine seiner sportlichen Entscheidungen bereut hat – im Gegenteil: „Ich bin froh, dass ich es so gemacht habe, wie ich es gemacht habe. Vielleicht sehe ich das in 10, 15 Jahren anders – aber das kann ich mir nicht vorstellen.“

Was er sich dagegen gut vorstellen kann: den Aufstieg – auch wenn er sich diesbezüglich zurückhaltend gibt. „Wir genießen einfach den Moment“, sagt Baum, der sich angesichts der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Terminproblematik auch vorstellen könnte, nur die Hinrunde zu spielen. Denn für ihn steht fest: „So lange keine Zuschauer erlaubt sind, Essen und Getränke nicht verkauft werden können, macht es für die Vereine keinen Sinn“, sagt der Spielertrainer.

Von Eschenburg über Siegen zum FVB

Felix Baum gehört seit vielen Jahren zu den besten Stürmern der Verbandsliga Mitte. Der 30-Jährige, der gebürtig aus Eschenburg-Eiershausen im Lahn-Dill-Kreis stammt, begann mit dem Fußballspielen bei der Jugendspiel-gemeinschaft Eschenburg.

In der C- und B-Jugend zog es ihn zu den Sportfreunden Siegen, von denen er als B-Jugendlicher zur JSG Eschenburg zurückkehrte – dort allerdings bereits in der A-Jugend und anschließend eineinhalb Jahre in der ersten Mannschaft der SG Eschenburg spielte, ehe er als 19-Jähriger zum FV Breidenbach wechselte. Seit sechs Jahren lebt Baum in Breidenbach. Der Vater einer sechs Jahre und einer fünf Monate alten Tochter arbeitet als Zerspanungsmechaniker in Biedenkopf.

Von Marcello Di Cicco