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Neuer Verein legt Fokus auf Wettkampfsport
Neuer Verein legt Fokus auf Wettkampfsport
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15:00 09.01.2022
Auch in den Schulferien heißt es für den Nachwuchs des Fechtclubs Marburg: üben, üben, üben – so wie hier im Bauerbacher Bürgerhaus.
Auch in den Schulferien heißt es für den Nachwuchs des Fechtclubs Marburg: üben, üben, üben – so wie hier im Bauerbacher Bürgerhaus. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Seine Feuertaufe hat der Fechtclub (FC) Marburg bereits bestanden. Erst im Dezember richtete der junge Verein den Intersport­Team-Cup aus, sein Premierenturnier im Florettfechten (die OP berichtete) – und dies ganz offensichtlich mit Bravour. Kaum anders sei es zu erklären, so die Vorsitzende und Cheftrainerin Linda Petersohn, dass der FC nun bereits zu Höherem berufen wurde.

Beschränkung auf Florett

Am 26. und 27. Februar richtet der Fechtclub die Hessischen Jugendmeisterschaften im Florett und Säbel aus, zwischen 200 und 400 Sporttreibende dürften dann in der Sporthalle der Kaufmännischen Schulen um Titel kämpfen. „Das ist für uns eine absolute Bestätigung unserer Arbeit“, freut sich Petersohn. „Uns hat der HFV (Hessischer Fechterverband, Anmerkung der Redaktion) gefragt, ob wir das machen wollen. Normalerweise stellen Vereine dafür Anfragen – und es gibt ganz viele etablierte Florettvereine, die diese Meisterschaften gerne ausrichten wollen.“

Es wird die zweite eigene Veranstaltung sein des Vereins, der erst im vergangenen August aus der Taufe gehoben wurde. Neben dem VfL Marburg, der über eine Fechtabteilung verfügt, gibt es damit in Marburg und Umgebung nun ein weiteres Angebot – jedoch ausschließlich im Bereich Florettfechten, nur für Kinder und Jugendliche und mit einem klaren Fokus auf dem Wettkampfsport.

Die Beweggründe für die Gründung des Vereins hängen eng mit der Vita Petersohns zusammen. Die 33-Jährige ist in Frankfurt aufgewachsen, machte dort ihre ersten fechterischen Schritte und kam über Offenbach und Köln nach Marburg, wo sie nicht nur ihren Master als Sprachtherapeutin machte, sondern sich 2012 auch der Fechtabteilung des VfL Marburg anschloss, dort die Jugendarbeit mit aufbaute und sich in den vergangenen sechs Jahren als Trainerin engagierte.

Nach einer Babypause vor etwas mehr als einem Jahr „habe ich festgestellt, dass es für mich in den Leistungssport gehen muss, damit ich glücklich werde“, sagt Petersohn. Während ihrer Ausbildung zur Nachwuchsleistungstrainerin beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) erstellte sie als Schwerpunkt ein Trainingskonzept, das jedoch „nicht gepasst“ habe, um es beim VfL umzusetzen.

Sportlicher Neustart mit eigenem Verein

In einem eigenen Verein wagten die B-Lizenz-Trainerin sowie einige ihrer VfL-Schützlinge schließlich den sportlichen Neustart, den der Verband mit der Leihe des Materials im ersten Jahr unterstützt. Petersohn betont sogleich: „Der VfL Marburg und der Fechtclub Marburg stehen nicht in Konkurrenz zueinander.“ Allein deshalb, weil die Nachfrage nach Fechten im Verhältnis betrachtet nicht so groß sei und es anders als etwa beim Fußball nicht 20 Sporttreibende benötige, um eine Mannschaft zu bilden.

Knapp zehn Sportlerinnen und Sportler – der Großteil in der Altersklasse U 13 und U 15, alle im Leistungsbereich – trainieren derzeit drei- bis viermal wöchentlich im Bürgerhaus Bauerbach, der Trainingsstätte des Fechtclubs. Einige von Petersohns Schützlingen machen sogar eine Trainerassistenten-Ausbildung, um den nachhaltigen Aufbau zu gewährleisten.

Wer zum FC dazustoßen möchte, „muss nicht schon Leistungssportler sein“, sagt Petersohn, aber: „Die Kids müssen die Ambitionen haben, sich in Wettkämpfen zu messen.“ Dem Verein gehe es um einen professionell geplanten, langfristigen Leistungsaufbau – dem Spaß am Sport soll bei Neuanfängern sukzessive die sportliche Weiterentwicklung folgen. „Dafür muss man bereit sein, sich auch einem Wettbewerb zu stellen“, meint Petersohn. Langfristig plant der Verein „eine breitere Jugendnachwuchsarbeit auf Wettkampfebene“, sagt Petersohn. Die bestehenden Gruppen sollen „solange begleitet werden, wie sie in der Schule sind – also bis zur U 20, bis zur U 17 in jedem Fall. Wenn sie weitermachen und in Marburg bleiben, besteht die Gruppe schon“, blickt Petersohn vorsichtig voraus. Der Aufbau eines Anfängertraining-Angebots für Erwachsene sei in den nächsten Jahren aber nicht geplant.

In sportlicher Hinsicht räumt die Cheftrainerin des Fechtclubs drei ihrer Schützlinge Siegchancen bei den „Hessischen“ ein. Für die Deutschen Meisterschaften im Mai als Saisonhöhepunkt hofft die 33-Jährige zudem auf „einige Top-Ten-Ergebnisse“, sagt die Vorsitzende, die überzeugt ist: „Verstecken müssen wir uns nicht, nur weil wir neu sind.“

Von Marcello Di Cicco