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Lokalsport OFC-Fans seit mehr als einem halben Jahrhundert
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07:58 24.04.2021
Rot und weiß sind die Farben, die bei OFC-Fan Peter Stein dominieren – auch auf dem Balkon des 75-Jährigen in Elnhausen.
Rot und weiß sind die Farben, die bei OFC-Fan Peter Stein dominieren – auch auf dem Balkon des 75-Jährigen in Elnhausen. Quelle: Thorsten Richter
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Elnhausen

Wenn der TSV Eintracht Stadtallendorf am heutigen Samstag (24. April, 14 Uhr) zum dritten Mal in der Fußball-Regionalliga Südwest ein Gastspiel bei Kickers Offenbach gibt, dann wird nicht der gesamte Landkreis Marburg-Biedenkopf dem Underdog vom Herrenwald die Daumen drücken. Peter Stein aus Elnhausen etwa ist glühender OFC-Anhänger – und dies seit 55 Jahren.

„Heinrich Meier III, früher auch Kickers-Fan durch und durch, hat mich zu Offenbach gebracht“, erinnert sich der 75-Jährige, der 50 Jahre lang bis 2009 die eigene „Metzgerei Stein“ in Elnhausen führte. Was für ihn die Faszination OFC ausmacht? „Die Stimmung auf dem Bieberer Berg ist einmalig. Hast du einmal rot-weißes Blut geleckt, kommst du nicht mehr vom Berg weg. Deswegen: einmal OFC, immer OFC“, klingen die Worte des Elnhäusers wie eine Liebeserklärung.

Fans und Verein stehen zusammen

Seit 2011 ist Stein sogenannter VIP-Goldpartner beim früheren Bundesligisten, fährt regelmäßig gen Süden, um sich die Spiele des Kultclubs – unabhängig von der Ligazugehörigkeit – im Stadion anzuschauen, meist zusammen mit Fußballer Marc Prenzer von der FSG Südkreis, der selbst eingefleischter OFC-Anhänger ist.

Im Zuge der Aktion Ehrensache des Vereins verzichtete Stein jüngst auf seine möglichen Erstattungsansprüche (etwa für entgangene Stadionbesuche) im Zuge der Corona-Pandemie, sogleich verlängerte er sein Sponsoring vorzeitig. „Von den 2.802 Dauerkarteninhabern haben 2.620 komplett auf ihre Ansprüche verzichtet, von den 190 VIP haben 150 verzichtet. So kommt eine Summe von 600.000 Euro zusammen. Davon zehrt der Verein“, ist Stein stolz, wie Fans und Förderer in der schwierigen Zeit zusammenstehen.

Sehnsucht der Rückkehr ins Stadion

Der 75-Jährige macht aber keinen Hehl daraus, dass ihm die Besuche in der schmucken Arena fehlen. Sechs Partien durfte er am Anfang der Spielzeit sehen, gehörte dabei zu einem erlauchten Kreis von nur 100 Zuschauern – dann kam der Corona-bedingte Fan-Ausschluss. Seither müssen sich Stein und Co. mit dem Internet-Livestream begnügen, wenn sie die Partien des Tabellenzweiten der Südweststaffel sehen wollen. Stein nutzt die Chance, die ihm das digitale Zeitalter bietet, doch er gesteht: „Wenn niemand ins Stadion kann, fehlt einfach etwas – auch mir geht das so.“ Umso größer ist die Hoffnung, ab kommender Saison wieder am Bieberer Berg dabei sein zu können – von der Sehnsucht der Rückkehr in den höherklassigen Profifußball ganz zu schweigen.

Peter Stein, Fan von Kickers Offenbach, vor seinem Haus in Elnhausen Quelle: Thorsten Richter

Sieben Spielzeiten (letztmals 1983 / 84) gehörte der OFC seit der Gründung der Bundesliga 1963 dem deutschen Fußball-Oberhaus an, 21 Saisons der 2. Liga (letztmals 2007 / 08). Stein erinnert sich an Highlights, bei denen er selbst live dabei war: Etwa als der OFC 1970 als Zweitligist vor 50 000 Zuschauern in Hannover den klassenhöheren 1. FC Köln mit 2:1 im DFB-Pokal-Finale bezwang und damit den bisher größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte feierte. „Das war ’ne runde Sache“, sagt Stein, der sich noch gut daran erinnert, wie Kickers-Keeper Karlheinz Volz in der 82. Minute einen Elfmeter parierte und so den Ausgleich verhinderte.

Besonderes Spiel

„Dann war da noch dieses Spiel 1974 nach der WM“, spielt Stein auf einen weiteren Hochkaräter an, bei dem er zugegen war: Als der OFC am ersten Spieltag der Saison 1974 / 75 im Frankfurter Waldstadion den amtierenden Deutschen Meister und Europapokalsieger FC Bayern München um sechs Weltmeister – darunter Franz Beckenbauer, Paul Breitner und Gerd Müller – mit 6:0 abschoss; es war die bis dahin höchste Niederlage des Deutschen Rekordmeisters in der Bundes­liga und ist bis heute der höchste Sieg der Offenbacher Kickers in der ersten Liga.

Zu dieser Zeit verkaufte Stein im Kreis regelmäßig zwischen 300 und 500 Eintrittskarten für den OFC. „Nach dem Bundesliga-Abstieg haben sich dann viele Fans zu den Frankfurtern gewandt“, erinnert sich Stein, der das Regionalliga-Team des OFC zuletzt 2018 bei sich empfing, als es in Stadtallendorf spielte (die OP berichtete).

2:0-Tipp gegen Stadtallendorf

Seit 2013 heißt die Realität für den OFC Regionalliga Südwest. Bei acht Punkten Rückstand auf Tabellenführer SC Freiburg II mag Stein, der mit Ex-Nationalspieler Klaus Zaczyk aus Sterzhausen beim VfL Marburg spielte, nicht mehr so recht an die Rückkehr in die 3. Liga noch in diesem Sommer glauben – „höchstens wenn Freiburg nicht aufsteigen will“, meint der Metzgermeister, der heute auf einen 2:0-Sieg seines OFC im Hessenderby tippt.

Peter Stein, Fan von Kickers Offenbach, in seinem Haus in Elnhausen Quelle: Thorsten Richter

Für die Eintracht könnte dieses Ergebnis auch den rechnerischen Abstieg in die Hessenliga bedeuten. „Wenn es gut gelaufen wäre, hätten die Stadtallendorfer fünf, sechs, sieben Spiele gewonnen“, weiß auch Stein, dass der abgeschlagene Tabellenletzte unter Wert geschlagen wurde. Was nichts daran ändert, dass er morgen mit den Rot-Weißen mitfiebert. So wie schon seit mehr als einem halben Jahrhundert.

Lesen Sie auch den Vorbericht zum Eintracht-Spiel: Steigt Stadtallendorf bei Offenbach aus der Regionalliga Südwest ab

Von Marcello Di Cicco

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