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Lokalsport Große Geste von Fabian Groß
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09:58 09.10.2019
Wurde am Sonntag im Spiel gegen Mardorf nicht gefoult – und wollte deshalb auch keinen Elfmeter zugesprochen bekommen: Schönstadts Fabian Groß (Mitte, noch im Trikot seines früheren Clubs 
FV Cölbe) gegen Kirchhains Tuncay Kepenek. Quelle: Nadine Weigel/Archiv
Schönstadt

Es sieht gut aus für den SV Schönstadt. Am Sonntag, 06. Oktober, feierte der Aufsteiger bereits den sechsten Sieg im elften Spiel der Saison, kletterte durch den 2:1-Erfolg über den SV Mardorf auf den vierten Tabellenplatz.

„Wir wissen, dass wir Qualität im Team haben. Alle arbeiten gut, so macht es eine Menge Spaß“, sagt Fabian Groß, Co-Trainer, Defensivspieler und etatmäßiger Elfmeterschütze der bisherigen Überraschungsmannschaft der Kreisliga A Marburg.

Dass er in der jüngsten Partie keinen Strafstoß zu schießen hatte, lag an ihm selbst – genauer gesagt an einer Geste, die der Gegner auf seiner Facebook-Seite als „großes Fairplay“ bezeichnete.

Schönstadts Trainer hatte "Foul" gesehen

Es lief die 56. Minute der Begegnung. Der Ball kam ins Zentrum zu Groß, der an der Strafraumgrenze das gegnerische Tor vor Augen hatte. „Dann“, so beschreibt er es gegenüber der OP, „habe ich die Körperbeherrschung verloren. Der Platz war rutschig.“

Mardorfs Kapitän Johannes Greb verfolgte ihn, wollte ihn stören. „Als ich weggerutscht bin, hat er mich aber überhaupt nicht berührt“, erzählt Groß. Der Schiedsrichter hingegen erkannte ein Foul, war damit nicht allein.

SVS-Spielertrainer Nils Däuwel stand selbst nicht auf dem Platz, sah die Situation von der Seitenlinie. „Ich habe es auch als Foul gesehen, war mir nur nicht sicher, ob es im Strafraum war oder außerhalb“, berichtet er.

Man muss dem Schiri helfen

Dass sein spielender Co-Trainer das Geschenk – den Strafstoß – nicht annahm, ist für den Chefcoach vor allem eines: „Ganz groß! Da hat Fabian die richtige Entscheidung getroffen, auch wenn sie uns 
Punkte hätte kosten können.“

Groß stand wieder auf, die Mardorfer reklamierten beim Unparteiischen. Der vermeintlich Gefoulte kam mit dem Schiedsrichter ins Gespräch, viele Worte brauchte es nicht: „Ich habe ihm gesagt, dass es kein Foul war“, berichtet der Schönstädter Spieler. In diesem Moment war es für ihn keine Frage, ehrlich zu sein.

„Später habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich mich auch anders hätte verhalten können“, sagt er rückblickend. Der 27-Jährige kam aber zu einem eindeutigen Ergebnis: „Ich bin mir sicher, das Richtige gemacht zu haben. Die Schiedsrichter haben es nicht leicht. Ich finde, man muss ihnen in solchen Situationen helfen.“

„Ich will nicht mit Schummeln gewinnen“

Dass sein Verhalten möglicherweise das ein oder andere Murren bei Teamkameraden hervorgerufen hätte, wäre das Spiel anders ausgegangen, ist Groß bewusst. „Aber ich will nicht mit Schummeln gewinnen.“ Letztlich, meint der Defensivspieler, hat die zurückgenommene Elfmeterentscheidung seiner Mannschaft sogar genutzt: „Es ging ein Ruck durch das Team. Wir haben danach viel besser Fußball gespielt.“

Die Schönstädter drehten den 0:1-Rückstand, resultierend aus einem Gegentor kurz nach der Pause, noch: Tobias Leist glich für die Hausherren eine gute Viertelstunde vor Schluss aus und traf in der Nachspielzeit zum Endstand.

von Stefan Weisbrod