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Lokalsport FV Wehrda hofft auf Bau eines Kunstrasenplatzes
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15:00 05.04.2022
Im Hintergrund spielen Kinder Fußball, während Wehrdas Ortsvorsteher Dirk Vaupel (links) und Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies über das Thema Kunstrasen diskutieren.
Im Hintergrund spielen Kinder Fußball, während Wehrdas Ortsvorsteher Dirk Vaupel (links) und Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies über das Thema Kunstrasen diskutieren. Quelle: Stefan Weisbrod
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Wehrda

Der Wintereinbruch hat am Wochenende für zahlreiche Absagen von Fußballspielen gesorgt. Einige Nachwuchskicker ließen es sich aber nicht nehmen, am Samstagvormittag auf dem Freizeitgelände unterhalb der Wehrdaer Waldschule im Schnee dem Ball hinterherzujagen. Nicht zuletzt wollten sie, wollten ihre Eltern, wollte der FV Wehrda damit ein Signal senden: Wir sind auch da! Und wir wollen nicht übersehen oder vergessen werden. Übersehen und vergessen fühlt man sich beim Verein mit seinen 14 Fußball-Mannschaften von den Bambini bis zu den Senioren und Hunderten Aktiven nämlich, wenn es um die Ausstattung mit ganzjährig nutzbaren Spiel- und Trainingsflächen geht.

Die Stadt Marburg hatte die Menschen aus Wehrda für Samstagvormittag zu einem Austausch ins und ans Gebäude der Feuerwehr eingeladen. Das Ziel: Ideen sammeln, wie das benachbarte Freizeitgelände belebt und attraktiver für Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene verschiedenen Alters gestaltet werden kann. Es soll ein „Ort für alle“ werden, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, ging dann auf eine Thematik ein, die für einigen Verdruss im Stadtteil gesorgt hatte: „Ich weiß, dass Leute enttäuscht sind, weil etwas vergessen wurde.“ Er spielte damit auf ältere Planungen an, die nie umgesetzt wurden. „Jetzt soll etwas passieren, und es soll bald passieren“, betonte er, erntete dafür Applaus unter den zahlreichen Interessierten.

Größenordnung von 400.000 Euro

Es könnten Ideen aus der Vergangenheit aufgegriffen, es sollten aber auch neue Ideen gesammelt werden, sagte Spies. Für die Umsetzung werde „zunächst“ mit einer Größenordnung von 400.000 Euro geplant – eine Zahl, die Ortsvorsteher Dirk Vaupel gern vernahm: „Ich denke, damit lässt sich manches machen.“ Doch dann ließ er seiner Verärgerung freien Lauf: „Wir sind enttäuscht, wir sind sogar ziemlich enttäuscht.“ Er verwies auf die Planungen für das Gelände, „in die wir im Ortsbeirat zusammen mit den Menschen aus unserem Ort und vom Sportverein viel Zeit investiert haben, die schon lange fertig sind und schon längst hätten ungesetzt werden sollen“.

Vorgesehen waren etwa ein Kunstrasen-Kleinfeld mit Flutlicht und Laufbahn sowie ein Beachvolleyballplatz. „Das alles hätte seit fünf Jahren gebaut sein können“, meinte Vaupel. „Dann ist die Stadthalle immer teuer geworden und das Projekt hier fiel dem zum Opfer.“ Sein Wunsch: Möglichst sollten die alten Planungen jetzt umgesetzt werden. Und sollte hier kein Kunstrasenplatz gebaut werden können, dann müsse das an anderer Stelle in Wehrda passieren: „Es ist dringend geboten, eine Fläche zu schaffen, die ganzjährig bespielbar ist.“ Es könne, sagte Vaupel, „doch nicht sein, dass wir unsere Kinder nach Michelbach oder in den Marburger Süden zum Training fahren müssen“. Das sei nicht nur „ein riesiger Aufwand“, sondern auch „ökologischer Schwachsinn“ – Worte, mit denen er offenbar einen Nerv bei vielen Anwesenden traf, wie sich am Beifall zeigte.

FV setzt auf Kompromisse

An Pinnwänden wurden Vorschläge für das Freizeitgelände gesammelt. Deutlich wurde, dass nicht alle eine Belebung möchten: Es solle so bleiben, wie es ist, wurde etwa notiert. Auch „keine Lichtverschmutzung“ und „nur echter Rasen“ waren zu lesen. Ihm sei bewusst, dass es Sorgen bei einem Teil der Nachbarschaft gebe, sagte Alexander Usinger, Jugendleiter des FV Wehrda, im Gespräch mit der OP. Er zeigte sich überzeugt, dass Kompromisse gefunden werden könnten, sollte auf dem Gelände ein Kunstrasenplatz entstehen, der für Spiele des Nachwuchses bis zur D-Jugend sowie für Trainingseinheiten weiterer Teams geeignet wäre: „Man könnte feste Trainingszeiten vereinbaren, und ein Flutlicht könnte so programmiert werden, dass es zu einer festgelegten Uhrzeit von selbst ausgeht“, nannte er Beispiele.

Ob er nun Hoffnung habe, dass sich in Sachen Kunstrasen in Wehrda bald etwas tut? „Ein bisschen“, antwortete Usinger, „immerhin ist die Problematik jetzt bekannter.“ Denn nicht nur Oberbürgermeister Spies, auch Bürgermeisterin Nadine Bernshausen und Stadträtin Kirsten Dinnebier waren am Samstag dabei. „Es kann also von ihnen später niemand behaupten“, so der Jugendleiter, „nichts davon gewusst zu haben.“

Von Stefan Weisbrod