Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Nathalie Pohl pulverisiert Weltrekord
Sport Lokalsport Lokalsport Nathalie Pohl pulverisiert Weltrekord
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:57 09.09.2020
Nathalie Pohl bei Sonnenaufgang im Jersey-Channel. Quelle: privat
Anzeige
Marburg

Die rund 22,5 Kilometer lange Strecke vom Startpunkt La Coupe Point auf Jersey bis zum französischen Festland bewältigte Extremschwimmerin Nathalie Pohl aus Marburg in Rekordzeit – fast eine Stunde schneller als die bisherige Rekordhalterin und mehr als eine Viertelstunde schneller als alle bisherigen männlichen Schwimmer.

Ein Ergebnis, das die 25-Jährige für ihr hartes Training und ihre Ausdauer belohnt. Denn der Ärmelkanal ist besonders herausfordernd, und ein solches Schwimmen unkalkulierbar – Nathalie Pohl hat dies bereits erfahren müssen.

Anzeige

„Dies ist mein drittes Schwimmen im Ärmelkanal. Das erste Mal hat es mich fast das Leben gekostet, bevor ich 2016 dort erfolgreich war. Es hat mir gezeigt, dass man über die eigenen Grenzen hinauswachsen muss, um erfolgreich zu sein. Dass ich genau hier jetzt einen Weltrekord erreiche, ist für mich unglaublich. Ich bin unwahrscheinlich froh und stolz auf das Ergebnis“, sagt sie.

Stolz kann die junge Extremsportlerin gleich doppelt auf sich sein. Denn mit diesem Schwimmen hat sich die 25-Jährige ihren zweiten Weltrekord geholt. Vor vier Jahren hat sie die Straße von Gibraltar bereits als Schnellste durchschwommen. Immer mit dem Ziel, das zu erreichen, was noch keine Deutsche vor ihr geleistet hat: Die sieben bedeutendsten und gefährlichsten Meerengen der Welt, die „Ocean’s Seven“, bezwingen.

Extrem umfangreiche Vorbereitung

Die Vorbereitung dafür ist extrem umfangreich und fordert enorm viel von ihr ab. Mehrere Stunden täglich ist sie im Wasser und im Kraftraum. Allein in diesem Jahr ist sie mehr als 1.000 Trainingskilometer geschwommen und hat kontinuierlich an ihrer Technik gearbeitet. Doch in den Weltmeeren ist nicht nur die körperliche Fitness wichtig. Auch die mentale Stärke entscheidet darüber, wie ein Schwimmen ausgeht.

Und auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen – aufgrund der Corona-Krise und den damit verbundenen Reiseeinschränkungen konnte Nathalie Pohl ihre ursprünglich geplante Querung nicht durchführen.

Nathalie Pohl mit Trainer Adam Walker Quelle: privat

„Hawaii war nicht möglich, aber wieder in den Ärmelkanal zurückzukehren, reizte mich schon länger. Zudem ist er die aktuell einzig mögliche Region, die mir die harten Bedingungen bietet, die ich zur Vorbereitung auf die Ocean’s Seven benötige“, sagt die 25-Jährige.

Der Ärmelkanal gilt unter Extremschwimmern als die Königsdisziplin. Dort herrschen fast das ganze Jahr Wassertemperaturen unter 20 Grad, das Gewässer ist stürmisch und die Strömungen sind unberechenbar. Wer dort erfolgreich sein will, muss topfit sein, mentale Stärke haben und Kampfgeist beweisen. All das zeichnet Nathalie Pohl aus.

Im nächsten Jahr will die Marburgerin ihrem Ziel noch ein Stück näher kommen – zunächst im Februar oder März in der Cook-Straße zwischen der Nord- und der Südinsel Neuseelands. Der Kaiwi-Kanal auf Hawaii im August und der Nordkanal zwischen Irland und Schottland (Termin noch offen) sollen anschließend die „Ocean’s Seven“ komplett machen.

Ocean’s Seven

Weniger als 20 Menschen sind bisher alle sieben Strecken der sogenannten „Ocean’s Seven“ geschwommen: Die Straße von Gibraltar (16 Kilometer, 2:53 Stunden, 2016), den Ärmelkanal (34 Kilometer, 11:10 Stunden, 2016), den Catalina-Channel (34 Kilometer, 9:09 Stunden, 2017) sowie die Tsugaru-Straße (20 Kilometer, 10:09 Stunden, 2019) hat Nathalie Pohl bereits bewältigt – fehlen noch die Cook-Straße (Neuseeland, 27 km), der Kaiwi-Kanal (Hawaii, 42 km) und der Nordkanal (zwischen Irland und Schottland, 34 km).

Von Michael E. Schmidt