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Lokalsport Ex-Fußballer schreibt über die Sportler
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00:18 29.10.2018
Eine Szene aus der Zweitliga-Saison 2005/2006: Til Bettenstaedt (rechts) kämpft im Trikot der Sportfreunde Siegen gegen Benjamin Baltes vom SC Freiburg um den Ball.  Quelle: Heuberger/imago
Marburg

Nein, besonders stolz sei er auf diesen einen Einsatz in der Bundesliga nicht. „Tatsächlich werde ich noch häufig darauf angesprochen“, erzählt er. „Ich habe damit auch kein Problem.“ Dieses Spiel für die erste Mannschaft von Schalke 04 am 17. Juni 1995 gegen den SC Freiburg – Til Bettenstaedt bezeichnet es als „schöne Randnotiz“. So etwas habe schließlich kaum jemand in seiner Vita stehen. 20 Minuten vor Schluss wurde der damals 19-Jährige von Trainer Jörg Berger eingewechselt. Die 1:2-Niederlage der Königsblauen, die dadurch am letzten Spieltag noch auf Tabellenplatz elf zurückfielen, konnte auch er nicht verhindern.

Dem Sport ist Til Betten­staedt heute noch treu – wenn auch, sozusagen, auf der anderen Seite: Als Redakteur berichtet er über das Sportgeschehen in und um Cloppenburg, wo er seit einigen Monaten bei der Münsterländischen Zeitung angestellt ist.

Zunächst als Freier Mitarbeiter tätig

In Siegen – von 1999 bis 2007 spielte er dort für die Sportfreunde – hatte er Politik und Soziologie studiert, absolvierte im Rahmen des Studiums ein Praktikum bei der Westfälischen Rundschau, arbeitete später neben dem Fußball als Freier Mitarbeiter für die Zeitung. 2008 machte er den Journalismus schließlich zu seinem Beruf: Er volontierte bei der Ostfriesen-Zeitung in Leer, arbeitete bereits dort in der Sportredaktion, nun auch in Cloppenburg. „Das liegt mir, das macht mir Spaß“, sagt er.

Auch das Fußballspielen hat ihm gelegen. Er kickte am Ortenberg, wo er aufgewachsen ist, auf der Straße, ab der F-Jugend dann beim VfL Marburg. „Fußball war mein Ding.“ Er schoss viele Tore, machte damit Auswahltrainer auf sich aufmerksam, wurde nominiert: für die Kreisauswahl, für die Bezirksauswahl, für die Hessenauswahl – und 1991 für das deutsche U-15-Nationalteam, nachdem er mit dem hessischen Team beim Länderturnier überzeugt hatte.

„Das erste Mal für Deutschland zu spielen, das war wie ein Traum, der wahr wird“, erzählt Bettenstaedt. Er biss sich fest, fuhr mit der deutschen U-16-Auswahl und Teamkameraden wie Lars Ricken und Kai Michalke ein Jahr später zur Europameisterschaft nach Zypern – und kam mit dem Titel nach Hause.

Vier Tore gelangen dem Marburger, noch zu Hause für den VfL aktiv, im Turnier, darunter der wichtige Treffer zum 1:1-Ausgleich im Endspiel gegen Spanien. Am Ende stand es 2:1 für Deutschland – „das war natürlich ein phantastisches Gefühl“, erinnert sich der heute 42-Jährige. Für ihn persönlich war es einer der Höhepunkte in seiner Laufbahn als Fußballer.

Zweitliga-Aufstieg ist einer der Karriere-Höhepunkte

Ein anderer: der Aufstieg mit den Sportfreunden Siegen in die 2. Bundesliga im Jahr 2005. „Das war eine tolle Sache“, sagt Bettenstaedt, dem besonders der Empfang am Rathaus in Erinnerung geblieben ist. „Da waren Tausende, die uns gefeiert haben. Daran denke ich gern zurück.“

Mit zehn Toren hatte er seinen Anteil daran, dass die Mannschaft die Saison auf dem zweiten Platz abschloss, damit den Sprung schaffte. Überhaupt habe er in Siegen seine „wohl beste Zeit“ als Fußballer gehabt – trotz des direkten Abstiegs aus der 2. Liga. Der Marburger war bei den Sportfreunden Stammspieler; in der Zweitliga-Saison kam er auf 27 Einsätze und erzielte fünf Tore, in der Regionalliga bestritt er insgesamt 300 Spiele und schoss 94 Tore, nicht ausschließlich für Siegen.

1992, nach dem Triumph in Zypern, wechselte der damals 16-Jährige zum FC Schalke 04. „Das war schon von der EM klar“, berichtet Betten­staedt. Er spielte in der Jugend, erhielt dann einen Amateurvertrag, war in der zweiten Mannschaft unter Trainer Klaus Fischer aktiv, trainierte aber regelmäßig bei den Profis mit. Er war „im Dunstkreis“ des Bundesliga-Teams, wie er es selbst formuliert. Dass er im Juni 1995 schließlich tatsächlich im Oberhaus debütierte, schiebt er jedoch weniger seinen Leistungen zu: „Wären damals nicht einige Spieler ausgefallen, hätte ich sicherlich nicht gespielt.“

Auf recht hohem Niveau Fußball gespielt

Im Sommer 1995 war Betten­staedt für die deutsche U 20 bei der Weltmeisterschaft in Katar in zwei Spielen im Einsatz. Zur neuen Saison wechselte er zur SpVgg Erkenschwick in die Regionalliga, zwei Jahre später zu Ligakonkurrent SC Verl, dann nach Siegen.

Für den großen Durchbruch, meint er, „haben mir ein paar Grundvoraussetzungen gefehlt. Kicken konnte ich, aber ich war nie der Schnellste und im Ausdauerbereich musste ich immer etwas mehr tun als andere.“ Er hadert damit nicht, „das habe ich vielleicht mit Anfang 20 mal“. Stattdessen ist er „dankbar, dass ich auf recht hohem Niveau Fußball spielen durfte und einige Zeit davon leben konnte“.

Seine Fußballkarriere ließ Bettenstaedt beim BV Cloppenburg ausklingen – in der Stadt, in der er sich inzwischen heimisch fühlt, in der er mit seiner Frau lebt. Ein Jahr spielte er für die erste Mannschaft in der Oberliga, war dann – parallel zum Volontariat im rund 70 Kilometer entfernten Leer – noch zwei Jahre Spielertrainer des Bezirksliga-Teams, ehe ihn eine Verletzung zum Aufhören zwang. Beim BV sieht man ihn trotzdem häufig: jetzt als Journalist, der über die Spiele schreibt.

von Stefan Weisbrod