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13:00 16.03.2022
Hier wird heute Abend gespielt: Jörg Balzer (rechts) und Tobias Kunz vom Vorstand der SG Rosphe auf dem Sportplatz in Mellnau.
Hier wird heute Abend gespielt: Jörg Balzer (rechts) und Tobias Kunz vom Vorstand der SG Rosphe auf dem Sportplatz in Mellnau. Quelle: Stefan Weisbrod
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Mellnau

Ein Schild am Sportheim in Mellnau erinnert an ein Vereinsjubiläum. Es ist aus dem Jahr 2005, damals feierte der örtliche Turn- und Sportverein sein 75-jähriges Bestehen. 14 Jahre später, 2019, war es vorbei, wurde der TSV aus dem Vereinsregister gelöscht. Schon vier Jahre zuvor war Schluss mit dem Fußball im 750-Einwohner-Dorf. Es fehlte schlicht an Leuten, die sich engagieren wollten. Als Letzter hielt noch Jörg Balzer die Fahne hoch. Der freut sich nun riesig über das „Comeback“ des Sportplatzes in seinem Wohnort.

Erstmals nach sieben Jahren soll heute Abend um 19.30 Uhr wieder ein Pflichtspiel auf dem Schwarzascheplatz, wenige hundert Meter westlich der Ortslage und der bekannten Burgruine am Waldrand gelegen, angepfiffen werden. Geschuldet ist das vor allem der unzureichenden Ausstattung der Sportplätze in Ober- und in Unterrosphe mit künstlicher Beleuchtung. Am Hartplatz in Oberrosphe gibt es zwar vier Flutlichtmasten, beleuchtet wird aber nur eine Hälfte des Platzes – fürs Training okay, für Spiele nicht ausreichend. Am Rasenplatz in Unterrosphe ist das Licht zwar gleichmäßiger verteilt, aber schlicht zu schwach, wie Tobias Kunz berichtet. Geplant sei, auf LED-Technik umzurüsten. Das ist aber eben bislang noch nicht passiert. „Deshalb können wir im Winterhalbjahr eigentlich keine Heimspiele unter der Woche austragen“, sagt das Vorstandsmitglied.

Flutlichtmasten gehörten einst der US-Army

So standen die Verantwortlichen des A-Ligisten vor einem Dilemma. Die Pokalauslosung bescherte ihnen für die Begradigungsrunde ein Auswärtsspiel in Speckswinkel, das nicht stattfand, weil der Gegner absagte, für die erste reguläre Runde dann die Partie gegen den FSV Schröck, die aber nicht am zunächst vorgesehenen Termin am vorvergangenen Wochenende ausgetragen werden konnte, weil der Gruppenligist da bereits in seiner Spielklasse gefordert war. Was tun?

In Anbetracht der zu erwarteten Übermacht des Gegners kampflos abschenken? Das war keine Option, berichtet Kunz: „Die Spieler haben Bock darauf, sich mal mit einer Mannschaft aus der Gruppenliga zu messen.“ Das Heimrecht tauschen? Darüber wurde tatsächlich nachgedacht. Dann hatte Balzer, der seit dem Aus des Mellnauer Fußballs in der „Nachbarschaft“ zum Vorstandsteam gehört, die Idee, das Spiel in seinem Heimatdorf auszutragen. Hell genug sind die Lampen an den vier Masten, die 1998 vom früheren Stützpunkt der US-Army in Gießen beschafft wurden, allemal.

Platz ist in einem ordentlichen Zustand

Kunz räumt ein, zunächst skeptisch gewesen zu sein. Doch der Hartplatz, auf dem zuletzt 2018 zu Balzers 50. Geburtstag ein Fußballspiel mit alten Weggefährten stattgefunden hatte, der seitdem etwa für ein Fahrturnier mit Pferdekutschen genutzt wurde, ist in einem ordentlichen Zustand, lediglich am Rand leicht bewachsen. Das Sportheim, das hin und wieder für Feiern genutzt wird, musste nur etwas aufgeräumt und saubergemacht werden.

Für die allermeisten SG-Spieler wird es das erste Seniorenspiel auf diesem Platz werden, auch für den Mellnauer Felix Völk. „Er hätte bestimmt nicht gedacht, dass es dazu mal kommt“, sagt Balzer, hofft, dass viele Zuschauerinnen und Zuschauer kommen, um die SG zu unterstützen. Er ist zuversichtlich, berichtet, sogar von Mellnauern angesprochen worden zu sein, ob Hilfe benötigt wird. Früher sei das „leider nicht so“ gewesen.

Früher eine „uneinnehmbare Festung“

Vor einigen Jahren, als die SG noch keine Sportgemeinde (als eigenständiger Verein), sondern eine Spielgemeinschaft war, dieser neben dem VfL Oberrosphe und dem FVW Unterrosphe auch noch der TSV Mellnau angehörte, wurde regelmäßig ein Teil der Heimspiele auf diesem Platz ausgetragen, endeten die meisten erfolgreich. „Wir hatten hier eine uneinnehmbare Festung“, sagt Balzer mit einem Schmunzeln, erinnert sich dann doch an eine Niederlage gegen die SV Eichwald. Wenn er sich nicht täuscht, war es aber auch die einzige in den sechs Jahren, in denen die SG Rosphe/Mellnau bestand.

Nun kehrt der Fußball zumindest für einen Abend zurück nach Mellnau – wobei nicht ausgeschlossen ist, dass es eine Wiederholung gibt: „Wenn es für uns besser ist, ein Heimspiel in die Woche zu verlegen, könnten wir das überlegen“, sagt Kunz. Balzer geht beim Blick auf den Platz sogar noch einen Schritt weiter, im Spaß versteht sich: „Wenn wir gegen Schröck gewinnen, dann spielen wir nur noch hier.“

Von Stefan Weisbrod