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Lokalsport Eintracht schießt die Torfabrik ab
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10:02 07.10.2019
Eintracht Stadtallendorf hat seine Aufstiegsambitionen durch ein hochverdientes 5:0 (2:0) im Verfolgerduell gegen den VfB Ginsheim eindrucksvoll untermauert. Quelle: Nadine Weigel
Stadtallendorf

Der Plan von ­Eintracht-Trainer Dragan Sicaja ging voll auf: „Wir wussten ja, dass der Gegner eine englische Woche hinter sich hat und außerdem eine zweieinhalbstündige Busfahrt. Da brauchst du zehn, fünfzehn Minuten, um ins Spiel zu kommen.“ Die Vorgabe an seine Mannschaft war deshalb so einfach wie klar formuliert: „Jetzt gehen wir richtig drauf.“ Das tat die Eintracht. Und wie! Nach 16 Minuten war die Partie praktisch entschieden.

Zwar deuteten die Ginsheimer an, warum sie mit 32 Treffern die „Torfabrik der Hessenliga“ sind. Diese offensive Ausrichtung spielte den Herrenwäldern aber in die Karten. „Wir wussten das vor dem Spiel. Wir wussten, wie wir sie anzulaufen haben“, sagte Stadtallendorfs Stürmer Felix Nolte.

Stadtallendorf – Ginsheim 5:0 (2:0)

Tore: 1:0 Amar Zildzovic (9.), 2:0 Laurin Vogt (16.), 3:0 Felix Nolte (48./Foulelfmeter), 4:0 Damijan Heuser (70.), 5:0 Gui Appel Prestes da Silva (87.).

Eintracht Stadtallendorf: Olujic – Gaudermann, Vidakovics, Pape, Jovic – Arifi, Zildzovic (55. Appel Prestes da Silva) – Heuser (71. Schütze), Döringer, Vogt – Nolte (74. Andreev).

VfB Ginsheim: Staegemann – Wagner, Thomasberger, Tatchouop – Teklab (54. Ishii), Hesse – Jakubovic (36. Kummer), Murata – Geisler – Özer, Fischer.

Schiedsrichter: Daniel Velten (Schöffengrund). Zuschauer: 445. Gelbe Karten: Zildzovic, Döringer / - .

Beste Spieler: Vidakovics, Gaudermann, Heuser, Nolte / Geisler.

Die Dreierabwehrkette des VfB offenbarte doch große Lücken, in die die Eintracht immer wieder stieß. Zumal Henok Teklab und Uwe Hesse auf den Außenbahnen sehr weit aufrückten. „Wir waren viel zu weit weg von den Leuten, haben nicht mutig genug verteidigt“, bemängelte Ginsheims Coach Artur Lemm, der die Niederlage aber auch mit auf seine Kappe nahm: „Wir wollten hoch verteidigen und hoch anlaufen, um Stadtallendorf die Stärke zu nehmen, mit langen Bällen hinter die Kette zu kommen.“ Diese Taktik ging gründlich nach hinten los.

Die Eintracht nutzte geschickt die Räume. Kristian Gaudermann brach über die rechte Seite durch und flankte in die Mitte. Dort ließ Torjäger Nolte clever durch und Amir Zildzovic jagte den Ball humorlos in die Maschen (9.). „Es ist immer gut, wenn du ein frühes Tor schießt. Wir haben dann mit Überzeugung weitergespielt“, sagte Zildzovic. Dem 2:0 ging eine Kopfballverlängerung von Felix Nolte aus dem Mittelkreis voraus. Laurin Vogt war gegen die unsortierte Defensive frei durch und nutzte die Chance, um die Führung auszubauen (16.). So viel Kaltschnäuzigkeit hätte sich Eintracht-Trainer Dragan Sica­ja schon bei der unnötigen 0:1-Niederlage am Mittwoch beim KSV Baunatal gewünscht. „Da haben wir das vermissen lassen“, sagte der Kroate, der voll des Lobes für seine Mannschaft war: „Ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass wir eine englische Woche hatten. Wir waren spritzig, wir waren hellwach.“

Danach allerdings verpasste es die Eintracht, das Verfolgerduell gegen den Tabellenvierten mit dem dritten Treffer endgültig zu entscheiden. Damijan Heuser verarbeitete eine Gaudermann-Vorarbeit stark, scheiterte aber an VfB-Keeper David Staegemann (20.); Laurin Vogt zielte nach Pass von Jascha Döringer knapp rechts vorbei (28.); Ginsheims Torwart Staegemann schoss bei einem Rettungsversuch seinen Innenverteidiger Johannes Tatchouop an und hatte Glück, dass der Ball weder ins eigene Tor noch zu ­Nolte prallte (32.).

In den letzten zehn Minuten vor der Pause erhöhte Ginsheim aber die Schlagzahl, und Stadtallendorf konnte von Glück reden, dass die 2:0-Führung Bestand hatte. Erst schoss Hessenliga-Toptorjäger Can Cemil Özer (12 Treffer) aus der Drehung knapp rechts vorbei (42.), dann knallte sein Freistoß aus 20 Metern an den Pfosten (45.). „Wenn der reingeht, gehst du mit einem richtig guten Gefühl in die Pause“, haderte VfB-Trainer Lemm mit dem Aluminiumpech. Er räumte aber auch ein: „Es gab nur eine Phase, wo wir das Spiel hätten drehen können. Am Anfang hatten wir gar keinen Zugriff.“

Und auch zu Beginn der zweiten 45 Minuten leistete sich Ginsheim einen entscheidenden Fehler. Damijan Heuser­ wurde im Strafraum ungeschickt von Henok Teklab und Masaki ­Murata angegriffen, ­Teklab brachte den Stadtallendorfer Außenbahnspieler letztlich zu Fall. Felix Nolte verwandelte den fälligen Elfmeter trocken zum 3:0 (48.). „Mit dem 2:0 in die Halbzeit zu gehen, ist in Ordnung. Es ist aber ein gefährliches Ergebnis“, sagte der Torschütze und fügte hinzu: „Umso wichtiger war es, dass Damijan den Elfmeter bekommt.“ Auch für VfB-Coach Lemm war der dritte Gegentreffer der Knackpunkt: „Nach dem 3:0 war klar, dass nichts mehr läuft.“ Lemm monierte allerdings, dass sein Team danach „ein bisschen ziellos auf dem Platz“ herumgelaufen sei und „dass wir die Ordnung verlieren“.

Zunächst scheiterten Nolte­ (51.) und Heuser (59.) jeweils nach Gaudermann-Vorlage noch an guten Paraden von Staegemann. Dann aber sorgte­ ­Heuser vor 445 Zuschauern für das Schmankerl des Samstagnachmittags: Nach schönem Doppelpass mit dem eingewechselten „Gui“ Appel Prestes da Silva lupfte der Techniker den Ball zum 4:0 frech über den Keeper ins Tor (70.). Den Schlusspunkt setzte der Brasilianer „Gui“ selbst mit einem Schuss in den Winkel, das ebenfalls eingewechselte Talent Christian Andreev hatte die Vorarbeit geleistet (87.).

von Holger Schmidt