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20:50 29.05.2022
Stadtallendorfer Enttäuschung: Matthias Pape (rechts) und Malcolm Phillips sitzen auf dem Boden, der gesperrte Amar Zildzovic kommt hinzu. Die Dreieicher Spieler freuen sich hingegen über den Sieg in der letzten Partie des SC Hessen in der Hessenliga.
Stadtallendorfer Enttäuschung: Matthias Pape (rechts) und Malcolm Phillips sitzen auf dem Boden, der gesperrte Amar Zildzovic kommt hinzu. Die Dreieicher Spieler freuen sich hingegen über den Sieg in der letzten Partie des SC Hessen in der Hessenliga. Quelle: Stefan Weisbrod
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Dreieich

Für einen Moment war da nur Leere. Die einen standen ruhig da, hatten die Hände vorm Gesicht. Andere sackten zusammen, saßen oder lagen auf dem Platz, schauten in den Himmel oder vor sich hin. Die Stadtallendorfer Fußballer wollten Hessenliga-Meister werden. Sie waren ganz knapp davor, am Samstag (28. Mai) in Dreieich zum zweiten Mal. Es hat nicht gereicht, sie verloren mit 1:2. Gejubelt wurde stattdessen 15 Kilometer Luftlinie entfernt in Eddersheim, wo die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz mit 3:2 gewann, den Titel und den Aufstieg perfekt machte.

„Ultrabitter“ sei es, sagte Kapitän Christopher Schadeberg wenige Minuten nach Spielende. „Wir haben zweimal kurz davor gestanden, es zu schaffen.“ In der Vorwoche hatte die Eintracht zu Hause gegen den FC Eddersheim in der Nachspielzeit den 2:2-Ausgleichstreffer kassiert, wäre mit einem Sieg „durch“ gewesen. Statt Meisterjubel und Sommerpause heißt es für die Stadtallendorfer nun Vorbereitung auf die Aufstiegsrunde. „Nüchtern betrachtet ist das auch ein Erfolg für uns. Wir sind nicht der Verein, der Meister werden muss“, sagte Schadeberg, schob hinterher: „Jetzt gerade fühlt sich das aber nicht wie ein Erfolg an.“ Mittelfeldmotor Timo Cecen formulierte es so: „Im Moment ist es einfach nur Mist.“

Cecen war es, der in der 66. Spielminute für zwischenzeitliche Ekstase auf und neben dem Platz sorgte. Sein satter 20-Meter-Schuss schlug links im Tor ein. Der frühere Drittliga-Spieler riss sich das Trikot vom Körper, rannte auf die rund 200 Eintracht-Fans zu, Mitspieler liefen bis zum Block, wo der gesperrte Stürmer Del-Angelo Williams über den Zaun Malcolm Phillips in die Arme fiel – vergessen in diesem Augenblick, dass die Gäste eine schlechte erste Halbzeit gespielt hatten, nur dank Glanztaten von Keeper Tolga Sahin nicht in Rückstand geraten waren.

Jubel der Stadtallendorfer Fans und Spieler über das 1:0. Am Ende reichte es nicht zum Sieg und zur Hessenliga-Meisterschaft. Fußball, Hessenliga: SC Hessen Dreieich - TSV Eintracht Stadtallendorf 2:1. 28. Mai 2022. Foto: Stefan Weisbrod Quelle: Stefan Weisbrod

Die Fans sangen, das hatten sie auch schon zuvor getan. Nun besangen sie „Hessens beste Mannschaft“. Tatsächlich war der TSV Eintracht der Hessenmeisterschaft ganz nah – für zehn Minuten. Dann kam Marc Wachs an der Strafraumgrenze an den Ball, drehte sich, schloss ab, traf rechts unten. „Wir schießen zu einem psychologisch super Zeitpunkt das 1:0 und sind besser im Spiel, vergeben dann aber diesen Vorteil“, ärgerte sich Trainer Dragan Sicaja, der mit ausgelassenen Chancen in der zweiten Hälfte haderte: Rolf Sattorov hatte vor dem Ausgleichstreffer das 2:0 auf dem Fuß, Matthias Pape und Maximilian Wiessner hätten auf 2:1 stellen können, vielleicht müssen. „Insgesamt“, befand Sicaja kopfschüttelnd, „waren wir heute einfach nicht gut genug, das muss man sagen.“

Ausgelassene Stimmung herrschte am Ende bei den Spielern des SC Hessen, dessen Rückzug aus der Hessenliga seit Wochen feststeht. Ljubisa Gavric schoss in der Nachspielzeit den Dreieicher Siegtreffer, die Eintracht hatte alles nach vorn geworfen. „Wir haben es versucht. Ob wir dann unentschieden spielen oder verlieren, ist auch egal“, sagte Cecen, der dann den Blick nach vorn richtete: „Wir müssen das aus den Köpfen bekommen. Wir haben noch eine Chance“ – in der Aufstiegsrunde gegen die Vizemeister der Oberligen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz/Saar, die am 8. Juni beginnen soll.

SC Hessen Dreieich: Miletic – Alempic, Wachs, Barusic, Mladenovic – Dejanovic, Reljic – Schnitzer, Klein (71. Mouhaman), Cassaniti (90. Gavric) – Affo (87. Speck).

TSV Eintracht Stadtallendorf: Sahin – Geisler (60. Wiessner), Ofori, Schadeberg, Schütze – Phillips, Bartheld (78. Bremer) – Heuser, Cecen, Lindenthal (84. Pape) – Sattorov.

Schiedsrichter: Safi (Erlensee). Zuschauer: 591. Tore: 0:1 Cecen (66.), 1:1 Wachs (76.), 2:1 Gavric (90.+3).

So geht es weiter

Die Aufstiegsrunde zur Regionalliga Südwest soll am 8. Juni beginnen, Eintracht Stadtallendorf wird einer der drei Teilnehmer sein. Offen ist noch, auf welche Mannschaften die Herrenwälder treffen, denn in den Oberligen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz/Saar wird noch bis zum kommenden Wochenende gespielt und in beiden Klassen ist das Rennen um die Plätze eins und zwei offen.

In der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar liegen Wormatia Worms und Eintracht Trier nach Punkten gleichauf, Worms hat allerdings die deutlich bessere Tordifferenz und damit vor dem letzten Spieltag die besseren Aussichten auf den direkten Aufstieg. Auch in Baden-Württemberg sind zwei Teams punktgleich: Hier liegt der SGV Freiberg vor dem letzten Spieltag am kommenden Samstag vorn, die Stuttgarter Kickers würden nach aktuellem Stand in die Aufstiegsrunde gehen.

Für die Stadtallendorfer geht es auswärts in Stuttgart oder in Freiberg los. Wann das Heimspiel gegen Trier oder Worms stattfindet, hängt vom Ausgang der ersten Partie ab. Die Übersicht ...

Auftakt: Mittwoch, 8. Juni, 19 Uhr: Vizemeister der Oberliga Baden-Württemberg – Eintracht Stadtallendorf.

Sollte Stadtallendorf das erste Spiel gewinnen oder unentschieden spielen: Samstag, 11. Juni, 14 Uhr: Vizemeister Rheinland-Pfalz/Saar – Vizemeister Baden-Württemberg; Dienstag, 14. Juni, 19 Uhr: Eintracht Stadtallendorf – Vizemeister Rheinland-Pfalz/Saar.

Sollte Stadtallendorf das erste Spiel verlieren: Samstag, 11. Juni, 14 Uhr: Eintracht Stadtallendorf – Vizemeister Rheinland-Pfalz/Saar; Dienstag, 14. Juni, 19 Uhr: Vizemeister Rheinland-Pfalz/Saar – Vizemeister Baden-Württemberg.

Nur der Erste steigt auf.

Von Stefan Weisbrod