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Lokalsport Stadtallendorf startet mit Niederlage in Aufstiegsrunde
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17:45 13.03.2022
Vermisste die Torgefahr bei seiner Mannschaft: Stadtallendorfs Trainer Dragan Sicaja.
Vermisste die Torgefahr bei seiner Mannschaft: Stadtallendorfs Trainer Dragan Sicaja. Quelle: Stefan Weisbrod
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Waldgirmes

Keine zwei Minuten nach Spielende war schon kein Stadtallendorfer Spieler mehr auf dem Platz. Die Waldgirmeser hingegen standen im Kreis zusammen. SC-Trainer Mario Schappert fehlte noch, erzählte gerade der Presse, was seiner Meinung nach ausschlaggebend für den nicht unbedingt zu erwartenden Sieg seiner Mannschaft war – der Kampf über 90 Minuten, das permanente Stören der Herrenwälder im Aufbau. Dann lief er los, jubelte gemeinsam mit seinem Team. Gar nicht in Feierlaune war hingegen Dragan Sicaja.

An diesem Samstag vor exakt zehn Jahren war der Kroate zu Eintracht Stadtallendorf, wo er schon einmal von 2009 bis 2011 Cheftrainer gewesen war, zurückgekehrt (die OP berichtete). Wer Sicaja kennt, weiß, dass dieser Jahrestag für ihn nicht den großen Stellenwert hat. Gleichwohl wäre ein Sieg an diesem 12. März für den 55-Jährigen bestimmt noch ein kleines bisschen schöner gewesen. So war es für ihn vielleicht noch etwas enttäuschender.

Seinem Team gelang es nicht, die Überlegenheit in Zählbares umzumünzen. Die Eintracht hatte mehr vom Spiel, insbesondere auf den Flügeln Geschwindigkeitsvorteile, gewann das Gros der Zweikämpfe, in der Nähe des gegnerischen Strafraums fehlte es aber an Elan und an Ideen. „Ich hatte das Gefühl, wir hätten noch einen Tag oder eine Woche weiterspielen können, ohne ein Tor zu schießen“, beklagte Sicaja nach dem Abpfiff.

Tatsächlich hatte sein Team sogar noch ein Tor erzielt, es nutzte aber nichts mehr: Schiedsrichter Vincent Schandry zeigte weit in der Nachspielzeit nach einem Kontakt von Claudius Fürstenau an Rolf Sattorov auf den Strafstoßpunkt, Timo Cecen verwandelte sicher. Keine Minute Spielzeit stand mehr aus. Noch bevor Schandry aber wieder anpfiff, stellte er Muhamet Arifi vom Platz; selbst nach dem eigenen Treffer hatte der Stadtallendorfer meckern müssen, sah dafür Gelb-Rot – der negative Höhepunkt eines gebrauchten Tages des TSV Eintracht.

Viel zu oft kamen die Gäste mit dem Referee und seinen Assistenten ins Gespräch – nicht zwingend grundlos, es gab so manchen fragwürdigen Pfiff, in den allermeisten Fällen ging es aber um Szenen in der Mitte des Feldes, um nichts Spielentscheidendes. „Wir haben uns vor allem in der zweiten Hälfte viel zu viel mit dem Schiedsrichter beschäftigt“, meinte auch Sicaja. Wirklich unglücklich war aus Eintracht-Sicht nur eine Entscheidung Schandrys: Kurz nach Wiederbeginn wurde Del-Angelo Williams von Lukas Fries im Strafraum deutlich am Fuß getroffen (50. Minute). Williams hatte zwar Sekundenbruchteile zuvor geschossen, über einen Elfmeterpfiff hätte sich aber kein Waldgirmeser beschweren dürfen. Sicaja tobte an der Seitenlinie, später äußerte er sich zurückhaltend: „Der Schiedsrichter entscheidet. Das ist dann eben so.“

Elfmeter entscheidet

Es war nicht Williams’ erste Chance des Spiels. Bereits nach drei Minuten drang er von links in den Strafraum ein, scheiterte aus spitzem Winkel an Torwart Maik Buss. Die beste Gelegenheit hatte der Eintracht-Angreifer aber kurz vor der Pause: Cecen hatte ihn klasse eingesetzt, Williams wollte Buss mit einem Flachschuss überwinden, der SC-Keeper war aber blitzschnell unten (44.). „Da hat uns Maik im Spiel gehalten“, sagte Schappert später, sah es als einen Knackpunkt an.

Ein weiterer war die erste große Chance der Hausherren im Spiel: Der Ex-Stadtallendorfer Natnael Tega schlug den Ball von der linken Seite Richtung Strafraum, wo er abgefälscht bei Lucas Hartmann landete, der per Direktabnahme die Latte traf (56.). Das Heimteam, zuvor vor allem aufs Stören aus, witterte nun seine Chance, wurde selbst aktiver – und dafür belohnt: Wieder ging es über links, diesmal brachte Barbaros Koyuncu das Spielgerät vors Tor, wo Andrej Markovic vor zwei heraneilenden Gegenspielern klären wollte, aber ins eigene Tor traf (68.). Für den Eintracht-Verteidiger, nur einen Kilometer entfernt im Wetzlarer Stadtteil Naunheim zu Hause, ein bitterer Moment. Sechs Minuten später foulte Arne Schütze Enes Cinemre auf der Strafraumlinie, Hartmann traf aus elf Metern sicher.

Weil die Gäste nicht viel nachzulegen hatten, weil nur noch Cecens Anschlusstreffer gelang, jubelten am Ende die Hausherren, für die es in dieser Saison „nur“ um eine gute Platzierung geht, ist die Regionalliga für den Verein doch eine Nummer zu groß. Die Stadtallendorfer hingegen würden gern wieder hoch. Es ist ein Rückschlag gewesen, Tabellenführer sind sie aber weiterhin.

SC Waldgirmes: Buss – Cinemre, Fries, Schmidt, Enobore – Schneider (76. Fürstenau), Golafra – Koyuncu, Stephan (90. Fürbeth), Hartmann (85. Kunz) – Tega.

TSV Eintracht Stadtallendorf: Sahin – Markovic, Phillips, Ofori, Schütze – Arifi, Bartheld (76. Eshele) – Wiessner (58. Sattorov), Cecen, Heuser – Williams.

Schiedsrichter: Schandry (Königstein). Zuschauer: 350. Tore: 1:0 Markovic (68./Eigentor), 2:0 Hartmann (74./Foulelfmeter), 2:1 Cecen (90.+4/Foulelfmeter). Gelb-Rote Karte: - / Arifi (90.+4).

Von Stefan Weisbrod