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Lokalsport Stadtallendorfer Re-Start gegen den SSV Ulm
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08:58 12.12.2020
Steht nach langer Verletzungspause an diesem Samstag im Eintracht-Kader: Ibrahim Mirza Aral (rechts; in einem Testspiel im Sommer gegen Nils Cakar vom FV Breidenbach).
Steht nach langer Verletzungspause an diesem Samstag im Eintracht-Kader: Ibrahim Mirza Aral (rechts; in einem Testspiel im Sommer gegen Nils Cakar vom FV Breidenbach). Quelle: Nadine Weigel
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Stadtallendorf

Sie wollten nicht, nun müssen sie aber: Nachdem die Klage des TSV Eintracht Stadtallendorf und fünf weiterer Vereine gegen die Fortsetzung der Saison trotz der aktuellen Corona-Lage durch das Landgericht Mannheim abgewiesen wurde (die OP berichtete ausführlich), ist die Mannschaft von Trainer Dragan Sicaja an diesem Samstag wieder gefordert: Im SSV Ulm kommt die Mannschaft eines ambitionierten Proficlubs ins Herrenwaldstadion.

„Spatzen“ sind noch ohne Auswärtssieg

Bis zur Unterbrechung der Saison Anfang November lief es für den ehemaligen Bundesligisten (siehe Infobox unten) noch nicht wirklich wunschgemäß. Fünf Siege, vier Unentschieden und drei Niederlagen brachten 19 Punkte ein. Nur vier davon holte der Tabellensiebte in den bisherigen sechs Auswärtsspielen, ein Sieg gelang dabei nicht. Das zu ändern, hat Holger Bachthaler als Ziel für die Partie in Stadtallendorf ausgegeben: „Wir wollen den Gegner zu Fehlern zwingen und unsere Chancen nutzen. Das war das große Manko in den bisherigen Spielen“, wird der SSV-Trainer auf der Website des Vereins zitiert.

Den Stadtallendorfern und den Ulmern ist gemein, dass sie nicht wirklich wissen, wo sie nach der Unterbrechung stehen. Im Gegensatz zur Eintracht machte der SSV immerhin ein Testspiel, gewann am Freitag vergangener Woche mit 4:1 gegen Ligakonkurrent VfR Aalen. „Wir haben intensiv trainiert und sind überzeugt, dass wir körperlich in einem guten Zustand sind“, sagt Bachthaler. In Ardian Morina (Kreuzbandriss) und Niclas Heimann (Schulterverletzung) fehlen ihm zwei Spieler verletzungsbedingt, auch auf die gesperrten Vinko Sapina (fünfte Gelbe Karte) und Albano Gashi (Gelb-Rote Karte beim 1:1 am 31. Oktober in Haiger) muss er verzichten.

Philipps und Aral zurück im Kader

Aufseiten der Gastgeber sind die Langzeitverletzten Kevin Vidakovics, Perry Ofori, Matthias Pape und Dusan Olujic noch nicht dabei. Malcolm Phillips und Ibrahim Mirza Aral kehren hingegen in den Kader des Tabellenletzten zurück, könnten auch in der Startelf stehen. Wie seine Formation aussehen könnte, lässt Sicaja nicht heraus, sagt nur: „Es werden elf fitte Leute auf dem Platz stehen.“ Niko Jovic dürfte demnach nicht dabei sein: Der serbische Verteidiger hat mit muskulären Problemen zu kämpfen.

Eine gewisse Verunsicherung bei seinen Spielern spürte Sicaja zuletzt schon: „Keiner wusste so genau, ob und wie es weitergeht. Auch jetzt kann sich noch alles ändern“, sagt er, geht aber davon aus, dass sowohl gegen Ulm als auch am Dienstag bei der TSG Hoffenheim II und am nächsten Samstag in Gießen gespielt wird. Er zeigt sich überzeugt, dass es allen gelingt, sich auf das Sportliche zu konzentrieren – jedenfalls kurz vor und während des Spiels: „Das ist nicht einfach, aber es muss uns gelingen. Wir müssen die Situation nehmen, wie sie ist.“ Seine sportliche Vorgabe: „Wir müssen individuelle Fehler vermeiden und alles geben. Die Ulmer sind favorisiert, aber die müssen erst mal gegen uns gewinnen.“

Erinnerungen an einen besonderen Sieg

Vier Duelle mit dem SSV gab es bislang, zwei davon endeten remis. Der bislang einzige Sieg über die „Spatzen“ war einer, der seinen Platz in der Vereinshistorie der Eintracht finden wird: Am 5. Mai 2018 schoss Laurin Vogt den damaligen Regionalliga-Neuling vor mehr als 1 300 Fans mit seinem späten Tor zum vorzeitigen Klassenerhalt. Jahreszeit, Kulisse – Zuschauer sind Corona-bedingt nicht zugelassen – und Ausgangslage sind zwar komplett anders, das Ergebnis von damals würde den Stadtallendorfern aber auch jetzt weiterhelfen.

Ein Jahr Bundesliga und ein tiefer Absturz

Genau genommen ist der heutige Fußballverein SSV Ulm gar nicht der SSV Ulm. Denn eigentlich handelt es sich um zwei verschiedene Vereine: Der eine ist der 1846 gegründete Mutterverein, der andere eine 2009 entstandene Abspaltung.

Seinen Höhepunkt hatte der Ulmer Fußball im Jahr 1999 erreicht, als die „Spatzen“ in die Bundesliga aufstiegen. Der Niedergang setzte im März 2000 ein: Bis dahin hatte der SSV Ulm 30 Punkte aus 24 Spielen geholt. Fünf weitere Punkte bis zum Saisonende reichten nicht zum Klassenerhalt. Im nächsten Jahr folgten der sportliche Abstieg aus der 2. Bundesliga und eine Insolvenz, die direkt in die fünftklassige Verbandsliga führte.

2011 und 2014 folgten weitere Insolvenzen.

Von Stefan Weisbrod