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17:32 21.03.2021
Stadtallendorfs Leon Lindenthal (links, gegen Luca Bazzoli vom FSV Frankfurt) zog sich in der Schlussphase der Partie eine Muskelverletzung im Oberschenkel zu.
Stadtallendorfs Leon Lindenthal (links, gegen Luca Bazzoli vom FSV Frankfurt) zog sich in der Schlussphase der Partie eine Muskelverletzung im Oberschenkel zu. Quelle: Marcello Di Cicco
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Frankfurt

„Es fühlt sich nicht so gut an“, sagte Ibrahim Mirza Aral nach dem Abpfiff und meinte damit nicht die vierte Niederlage in Folge beziehungsweise die 18. im 25. Saisonspiel für Eintracht Stadtallendorf, das am gestrigen Samstag (20. März) dem FSV Frankfurt mit 0:1 (0:1) unterlag.

Vielmehr sprach der Offensivspieler über sein rechtes Sprunggelenk, das er sich bereits in der zweiten Minute verletzt hatte – und trotzdem spielte er bis zum Ende. „In einem normalen Spiel wäre das auf gar keinen Fall gegangen“, sagte der 20-Jährige, „aber diesmal habe ich auf die Zähne gebissen.“

Zehn Feldspieler im Kader

Von einem normalen Spiel konnte für das abgeschlagene Liga-Schlusslicht beim dritten Gastspiel in der „PSD Bank Arena“ auch keine Rede sein: Lediglich zehn Feldspieler standen bei der von Verletzungen, Corona und Sperren geplagten Eintracht im Kader, folglich kein Auswechselfeldspieler; in Mateusz Abramovicz nahm nur ein zweiter Keeper Platz auf der Ersatzbank der Herrenwälder, die erst fünf Tage zuvor ihr erstes Training nach der Corona-Zwangspause absolviert hatten – und nun mit einer Rumpf­elf auf ein Profiteam trafen, das im Spielrhythmus war.

Eine Konstellation, die Stadtallendorfs Trainer Dragan Sicaja als „Zumutung“ für seine Schützlinge bezeichnete und die ganz und gar wichtig ist, um den Ablauf eines Hessenderbys auf schwachem Niveau zu verstehen.

Sicaja: Jungs sind gerannt und haben gekämpft

Fast über die kompletten 90 Minuten hatten die Bornheimer mehr Ballbesitz, ein klares Plus an guten Torchancen – und doch tat sich der frühere Zweitligist schwer gegen Gäste, die sich von der ersten bis zur letzten Minute mit Händen und Füßen tapfer wehrten, im siebten Duell binnen dreieinhalb Jahren aber zum sechsten Mal als Verlierer dastanden.

„Die Jungs haben sich einer für den anderen zerrissen, sind gerannt, haben gekämpft – dafür Riesenrespekt“, überschüttete Sicaja seine Schützlinge mit Lob, das es auch von Thomas Brendel gab. Der FSV-Coach bescheinigte dem Gegner, „ein aufopferungsvolles Spiel hingelegt“ und „bis zum Schluss gefightet“ zu haben.

Eintracht muss Partie in Unterzahl beenden

Umso bitterer war das Zustandekommen des letztlich entscheidenden Gegentors, das der Tragik der Spielumstände gewissermaßen die Krone aufsetzte. Eine Flanke aus dem Halbfeld von Leonhard von Schrötter wollte Ben-Luca ­Fisher am Fünfmeterraum klären – stattdessen bugsierte der Verteidiger den Ball mit dem Pausenpfiff unhaltbar für Torwart João Borgert in die eigenen Maschen (45.).

„Trauriger geht es gar nicht“, stellte der Eintracht-Übungsleiter fest. Etwas tragischer ging es aber doch noch: Als Leon Lindenthal in der 83. Minute nach einem hohen Ball in die gegnerische Hälfte zum Sprint ansetzte, zog sich der Stürmer eine Muskelverletzung im linken Oberschenkel zu, sodass die Eintracht das Spiel zu zehnt beenden musste.

Aral: Mit Riesenhandicap ins Spiel

Dass es zu diesem Zeitpunkt noch spannend war, lag auch an den Bornheimern, denen im ersten Abschnitt trotz drückender Überlegenheit spielerisch nur wenig einfiel, um die gut organisierte Fünfer-Abwehrkette des TSV zu knacken. „Einschnüren, einschnüren! Wie im Handball“, forderte FSV-Torwart Daniel Endres von seinen Vorderleuten (35.), die meist nur nach hohen Bällen Gefahr erzeugten (10., 32., 41.).

„Wir sind mit einem Riesenhandicap ins Spiel gegangen, haben es aber sehr gut gemacht. Die Null stand lange“, war Aral alles andere als unzufrieden. Endres sorgte derweil dafür, dass auch nach 26 Minuten noch beim FSV die Null stand: Nach einer Freistoßflanke von Yannis Grönke scheiterte Malcolm Phillips mit einer Direktabnahme am langen Pfosten am Torhüter, beim Nachschuss kam Lindenthal einen Tick zu spät.

Arifi ist im kommenden Spiel gesperrt

Im zweiten Abschnitt verflachte eine Partie, die ohne spielerische Höhepunkte auskam: Die müde wirkende FSV-Elf wollte nicht, die angeschlagene TSV-Elf konnte nicht. „Der Sieg geht in Ordnung, auch wenn ich mir einen anderen Auftritt gewünscht hätte“, ließ Frankfurts Trainer eine gewisse Unzufriedenheit durchblicken.

„Gerade zum Schluss hin haben wir es nicht geschafft, uns entscheidend in Szene zu setzen.“ Dabei kamen Dominik Nothnagel (55., 72.) und von Schrötter (59.) zu guten Torgelegenheiten. Dass sich Muhamet Arifi seine zehnte Gelbe Karte abholte und damit im nächsten Spiel gesperrt ist, vergrößert die Personalsorgen bei den Herrenwäldern, die bereits am kommenden Dienstag (23. März, 19 Uhr) gegen Topteam SV Elversberg erneut gefordert sind.

Von Marcello Di Cicco