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Lokalsport Die Eintracht peilt das Maximum an
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15:53 13.01.2020
Laurin Vogt (rechts, gegen Bad Vilbels Adnan Alik) ist mit 13 Treffern bislang erfolgreichster Torschütze der Stadtallendorfer Eintracht. Quelle: Stefan Tschersich
Stadtallendorf

Will man beim Saisonverlauf des TSV Eintracht Stadtallendorf ein Haar in der Suppe finden, so muss man schon genau hinschauen. Da wäre vielleicht die hohe Anzahl an Platzverweisen, die die Herrenwälder zu Saisonbeginn kassierten, ehe die internen Strafen erhöht wurden. „Das war auch völlig in Ordnung, schließlich sind wir beim Verein angestellt“, begründet Kapitän Kevin Vidakovics.

Oder man könnte die ungewöhnlich vielen verschossenen Strafstöße nennen, die sogar überregionale Medien zur Berichterstattung veranlassten und wegen der Stadtallendorfs Cheftrainer Dragan Sicaja zwischenzeitlich sogar ein Abendessen mit Partnerin auslobte für jenen Kicker, der den nächsten Elfmeter verwandelt.

Alles in allem sind jene Aspekte aber nur Begleiterscheinungen einer Saison, die für die Herrenwälder bislang hervorragend verlief. „Verein, Trainerteam und Mannschaft haben super Arbeit geleistet“, lobt der Sportliche Leiter Fejz Hodaj, „wir haben die richtigen Entscheidungen getroffen und nach dem Regionalliga-Abstieg wichtige Spieler gehalten. Wir sind auf dem richtigen Weg“, meint der 37-Jährige, der in der Winterpause nicht untätig war.

Während die vor der Saison gekommenen Nachwuchskräfte Ioannis Mitrou (SSV Sand) und Moritz Bäumel (Ziel unbekannt) die Eintracht im Winter wieder verlassen haben, schlossen sich ihr die Youngster Yannis Grönke (TSG Wieseck, U19) und Tim Richter (SG Obbornhofen/Bellersheim) an. „Tim ist sehr reif für seine 19 Jahre. Er spielt robust, hat einen guten Abschluss, kann den Ball festmachen – wir sind überzeugt, dass er uns weiterhelfen kann“, sagt Hodaj über den Stürmer.

Zu überzeugen wussten bisher aber auch Tim Richters nun neue Mitspieler. Nur drei Spiele verlor der TSV, der die direkten Vergleiche mit seinen ärgsten Verfolgern FC Eddersheim (3:1, 2:1) und Hessen Kassel (4:3, 2:2) für sich verbucht, was sich noch als Trumpf im Aufstiegskampf erweisen könnte. „Es ist toll, wie wir uns als Gruppe entwickelt haben“, schwärmt Sicaja – und stellt fest: „Manchmal schweißt ein Misserfolg wie ein Abstieg noch mehr zusammen“, sagt der Trainer der Eintracht, die im März gegen Regionalligist FSV Frankfurt zudem um den erstmaligen Einzug ins Finale des Hessenpokals kämpft. Vorrangig geht es für die Marburger Ostkreisler aber um die Meisterschaft und damit um die Rückkehr in die Regionalliga Südwest.

„Auf jeden Fall wollen wir aufsteigen“, sagt Vidakovics. „Wir hatten zwei geile Jahre in der Regionalliga. Wenn du da einmal gespielt hast, dann willst du da wieder hin“, gibt der 29-Jährige zu verstehen – und kann sich der Unterstützung des Vereins gewiss sein (siehe Interview). Hodaj formuliert die Ansprüche etwas weniger forsch: „Wir haben uns mit dem Zwischenziel Platz eins belohnt, das ist eine schöne Momentaufnahme. Es ist aber kein Muss, am Ende auf Platz eins zu stehen“, sagt der Sportliche Leiter – und Sicaja ergänzt: „Ich kann nichts garantieren, werde aber immer dafür kämpfen, das Maximale zu erreichen. Ich will nicht Zweiter oder Dritter werden, sondern aus dem Team eine Siegermannschaft machen. Allerdings: In 13 Spielen kann noch viel passieren“, warnt der Kroate, der jedoch die „menschlichen und fußballerischen Voraussetzungen“ sieht, um am Ende ganz oben in der Tabelle zu stehen.

„Wichtig ist jetzt, dass wir uns in der Vorbereitung die nötige Grundfitness holen und dass wir verletzungsfrei bleiben“, meint Vidakovics. Eine langwierige Schulterverletzung von Ex-Profi und Co-Trainer Daniel Vier, der zum Trainingsauftakt am Montag, 20. Januar, miteinsteigt, und ein Kreuzbandriss von Perry Ofori (Sicaja: „Wir lassen ihm Zeit und warten den Heilungsverlauf ab“) hatten dazu geführt, dass Offensiv-Zugang Matthias Pape oder – wie im Hessenpokal in Ginsheim – der kurz vor Ende der Sommertransferperiode verpflichtete Routinier Gino Parson mit Vidakovics die Innenverteidigung bildeten. „Mit der Zeit hat sich Matthias auf dieser Position sehr weiterentwickelt, sodass ich mich wohl neben ihm fühle. Wir harmonieren gut“, befindet der TSV-Spielführer.

  • Zugänge: Yannis Grönke (TSG Wieseck, A-Junioren), Tim Richter (SG Obbornhofen/Bellersheim).
  • Abgänge: Ioannis Mitrou (SSV Sand), Moritz Bäumel (Ziel unbekannt).
  • Vorbereitungsspiele: beim SV Bauerbach (Sa., 1. Februar, 14 Uhr), gegen FV Breidenbach (Mi., 5. Februar, 19 Uhr), beim TSV Steinbach-Haiger (Sa., 8. Februar, 14 Uhr), beim KSV Hessen Kassel (Sa., 15. Februar, 14 Uhr), bei Viktoria Aschaffenburg (Sa., 22. Februar, 13 Uhr).
  • Auftaktprogramm: gegen KSV Baunatal (Sa., 29. Februar), beim SV Steinbach (So., 8. März).

von Marcello Di Cicco

Interview

Die OP sprach mit Stadtallendorfs Fußball-Boss Reiner Bremer über einen möglichen Regionalliga-Aufstieg, den Stadionumbau und die Lehren aus der letzten Spielzeit in der vierten Liga.

von Marcello Di Cicco

Stadtallendorf. Nach dem Abstieg aus der Regionalliga Südwest im Sommer 2019 ist die Stadtallendorf als Hessenliga-Spitzenreiter auf dem besten Weg zurück in die Viertklassigkeit – für Stadtallendorfs Fußball-Chef Reiner Bremer kommt der Erfolg nicht überraschend.

OP: Herr Bremer, was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür, dass die Eintracht – etwa im Gegensatz zu Mitabsteiger Dreieich – wieder so schnell Fuß gefasst hat in der Hessenliga und von Beginn an erfolgreich um den Wiederaufstieg spielt?

Reiner Bremer: Wir setzen seit Jahren auf Kontinuität und bleiben auf dem Boden, wenn es gut läuft und geraten nicht in Panik, wenn es nicht so gut läuft. Außerdem haben wir charakterlich klasse Spieler, die den sensationellen Aufstieg und den ersten Regionalliga-Klassenerhalt geschafft haben und uns auch nach dem Abstieg die Treue gehalten haben. Cheftrainer Dragan Sicaja mit seinem Team und Sportlicher Leiter Fejz Hodaj sind mit uns als Vorstand überragend in Verbindung. Es herrscht gegenseitiges Vertrauen.

OP: Apropos Wiederaufstieg: Würde die Stadtallendorfer Eintracht im Falle der sportlichen Qualifikation erneut den Schritt in die Regionalliga Südwest gehen? 

Bremer: Ja, denn alle sind heiß darauf. Wie soll man einem ehrgeizigen Sportler erklären, dass man eine Saison spielt, ohne bei Erfolg aufzusteigen? Dann hätten wir von vornherein einen völlig anderen Weg gehen müssen.

OP: Was müsste sich für den Verein im Vergleich zur letzten Regionalliga-Saison strukturell ändern? Damals hatte die Eintracht zum Ende der Spielzeit finanzielle Probleme.

Bremer: Wir haben überragende Helfer und treue Sponsoren, ohne die dieser Aufwand – egal, in welcher Klasse – gar nicht möglich wäre. Unsere Region, unser Landkreis überhaupt, in dem durch ehrenamtliches Engagement teilweise Profibedingungen in verschiedenen Sportarten geschaffen werden, benötigt mehr finanzielle Unterstützung. Wenn ich sehe, wie die Jugend in unserer Region zum Beispiel auf Basketball, Tischtennis, American Football und den Nationalsport Fußball anspringt und zu den Spielen kommt, dann lohnt es sich, weiter für sportlichen Erfolg zu kämpfen.

OP: Könnte die Eintracht angesichts der (geplanten) Umbauarbeiten im Herrenwaldstadion überhaupt im eigenen Stadion Regionalliga-Spiele bestreiten?

Bremer: Darüber wurde „vorsichtshalber“ auch schon gesprochen. Wenn größere Stadien umgebaut werden, wird überwiegend auch darin gespielt.