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Lokalsport Eintracht Stadtallendorf braucht dringend ein Erfolgserlebnis
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13:11 16.10.2020
Yannis Grönke (links) unterlag mit der Eintracht zuletzt mit 1:4 bei Astoria Walldorf um Giuseppe Burgio. Am Samstag treffen die Stadtallendorfer im achten Regionalliga-Saisonspiel auf den VfR Aalen. Quelle: foto2press
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Stadtallendorf

Die sportliche Situation versucht Dragan Sicaja nicht schönzureden. Zwar hebt der Trainer des TSV Eintracht Stadtallendorf in Gesprächen stets hervor, dass sein Team in der Regionalliga Südwest einer der Underdogs sei, ein Amateurteam, das sich zum größtenteils mit Profimannschaften misst, er sagt aber auch: „Wir haben eine schlechte Phase. Wir können ganz sicher besser Fußball spielen.“

Sieben Partien hat seine Mannschaft absolviert, steht mit zwei Zählern auf dem letzten Tabellenplatz. Zuletzt gab es eine 1:4-Niederlage bei Astoria Walldorf, zuvor auch noch ohne Sieg. Und trotzdem: „Damit sind die Spieler nicht glücklich. Aber die Stimmung im Training ist gut. Die Jungs ziehen mit.“ Der Glaube, dass es aufwärts gehen kann, sei da, so sein Eindruck. Allerdings: „Wir brauchen dringend ein Erfolgserlebnis, das uns Schub gibt.“ Sonst könnte das rettende Ufer – die Nichtabstiegsplätze – bereits ganz früh in der extrem langen Saison mit 42 Spieltagen außer Sichtweite geraten.

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Neuer Torwart erstmals spielberechtigt

Personell bleibt die Lage angespannt. Aus dem Lazarett könnte als nächstes Ibo Aral wieder dabei sein – allerdings nicht im Spiel am Samstag gegen den VfR Aalen, wohl frühestens in drei Wochen. Der Youngster, der an der Wade operiert wurde, hat wieder mit dem Lauftraining begonnen. Kevin Vidakovics, Matthias Pape, Perry Ofori und Keeper Dusan Olujic werden noch länger fehlen.

In Mateusz Abramowicz hat die Eintracht auf den Ausfall Olujics reagiert, einen Torhüter aus der zweiten polnischen Liga verpflichtet, der erstmals spielberechtigt ist. Sicaja ist vom 27-Jährigen angetan, hat sich aber noch nicht entschieden, ob der Neuzugang gegen Aalen auflaufen wird: „Er hat im Training einen guten Eindruck hinterlassen. Aber er muss unsere Spieler kennenlernen. Er hat noch kein Spiel von uns gesehen.“ Möglich daher, dass Aykut Bayar erneut zwischen den Pfosten stehen wird. „Er konnte für die Niederlage in Walldorf sicherlich am wenigsten“, betont Sicaja.

Mo Arifi nach Sperre zurück im Kader

Zurück im Kader ist Mo Arifi, der bei der 0:1-Niederlage gegen den FSV Frankfurt seine fünfte Gelbe Karte gesehen hatte und deshalb in Walldorf aussetzen musste. „Er ist mit seiner Ausstrahlung für uns im Mittelfeld wichtig“, sagt Sicaja, wird den 29-Jährigen wohl wieder von Beginn an aufbieten – und hat Erwartungen an ihn und die übrigen erfahrenen Spieler: „Sie müssen vorweggehen. Sie müssen die Leidenschaft auf den Platz bringen. Wenn wir leidenschaftlich spielen und trotzdem nicht gewinnen, bin ich bereit, das zu akzeptieren.“ Eben diese Leidenschaft vermisste er in Walldorf.

Im VfR Aalen kommt ein Club ins Herrenwaldstadion, der bereits drei Jahre in der zweiten Liga gespielt hatte (siehe Infobox), in der Vorsaison nach dem Drittliga-Abstieg auch in der Regionalliga unten reingerutscht war. Derzeit belegt die Mannschaft von Roland Seitz mit zehn Punkten den elften Tabellenplatz, hat nach enttäuschendem Start zuletzt sieben Punkte aus den Partien beim SSV Ulm (2:0), beim VfB Stuttgart II (2:2) und gegen den TSV Schott Mainz (3:1) eingefahren.

Maximal 250 Zuschauer im Stadion

Sicaja ist das bewusst, er will sich aber nicht zu sehr mit dem Gegner beschäftigen. Wichtig ist ihm, „dass wir das auf den Platz bringen, was wir uns vorgenommen haben“.

Wofür das dann reicht, dürfen bis zu 250 Zuschauer im Herrenwaldstadion sehen. Der Verein verzichtet in Anbetracht hoher Corona-Infektionszahlen darauf, bis zu 580 Fans ins Stadion zu lassen, wie es durch die Behörden genehmigt ist. „Es geht um die Sicherheit, die für uns im Vordergrund steht“, erklärt Fußball-Präsident Reiner Bremer.

Drei Jahre in der 2. Bundesliga

Platz 14 belegte der VfR Aalen in der Vorsaison, hätte um den Klassenerhalt in der Regionalliga Südwest bangen müssen, wäre die Spielzeit nicht aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen worden. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass der Verein in der 2. Bundesliga am Ball war: 2012 stieg die Mannschaft als Zweiter der 3. Liga auf, belegte dort in der ersten Spielzeit einen respektablen neunten Platz. Auch 2014 gelang der Klassenerhalt als Elfter souverän. 2015 jedoch verabschiedete sich der Club aus der rund 50 Kilometer nördlich von Ulm gelegenen 68 000-Einwohner-Stadt als Letzter aus der zweithöchsten Liga, klopfte dort auch nicht wieder an. 2017 ging der Verein sogar in eine Insolvenz, bekam neun Punkte abgezogen, blieb dennoch in der Liga, auch 2018 gelang der Klassenerhalt. In der Saison 2018/2019 reichte die Qualität nicht: Bereits am viertletzten Spieltag stand der Abstieg fest.

Von Stefan Weisbrod