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Lokalsport TSV Eintracht trifft drei Mal unten links
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10:47 12.04.2021
Stadtallendorfer Jubel übers Tor zum 2:0. Letztlich gewann die Eintracht gegen die Mainzer Bundesliga-Reserve mit 3:2.
Stadtallendorfer Jubel übers Tor zum 2:0. Letztlich gewann die Eintracht gegen die Mainzer Bundesliga-Reserve mit 3:2. Quelle: Tobias Hirsch
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Stadtallendorf

Sascha Kief pfeift ab. Laurin Vogt fällt zu Boden, legt sich auf den Kunstrasen, ballt die Fäuste. Einige seiner Mitspieler liegen sich in den Armen. Es sind Szenen, die eher bei einem Team zu erwarten wären, das gerade entscheidende Punkte für den Aufstieg gesammelt hat – oder gegen den Abstieg. Aber diesen, den Abstieg aus der Fußball-Regionalliga Südwest, wird die Stadtallendorfer Eintracht in dieser Saison sportlich nicht mehr abwenden können.

Zu weit ist das Team abgeschlagen, selbst der FC Bayern Alzenau auf dem vorletzten Tabellenplatz ist auch nach diesem 3:2 gegen die zweite Mannschaft des FSV Mainz 05, dem erst zweiten Saisonsieg überhaupt, noch neun Punkte voraus. In diesem Moment ist das jedoch völlig egal. Es ist die pure Freude – es ist auch die große Erleichterung nach extrem harten Wochen.

Sicaja: „Schadensbegrenzung betreiben“

Von der ersten Minute liefen die Stadtallendorfer ballführende Spieler des Gegners bis weit in dessen Hälfte an. „Wir haben gespielt wie in so vielen Spielen in dieser Saison“, sagte Trainer Dragan Sicaja nach der Partie im Gespräch mit der OP, meinte damit genau dieses intensive, dieses kräftezehrende Pressing. An das war zuletzt infolge der Corona-Erkrankungen im Team, der damit verbundenen Zwangspause für die ganze Mannschaft gar nicht zu denken.

„Wir konnten nur Schadensbegrenzung betreiben“, sagte er im Rückblick. Doch schon in der zweiten Hälfte des Spiels am vergangenen Dienstag gegen Rot-Weiß Koblenz (0:2 nach frühen Gegentoren), noch mehr im Training an den Tagen danach hatte er den Eindruck, dass es die Kraft wieder zulässt, anders zu agieren – so, wie es seine Mannschaft auch Spitzenteams wie Kickers Offenbach, dem SSV Ulm, dem TSV Steinbach Haiger und dem SC Freiburg II schwer machte, wenngleich dabei letztlich lediglich in der Partie gegen den Tabellenführer aus Freiburg (1:1) etwas Zählbares herauskam.

Williams zweimal Vorbereiter

Diesmal ist das anders gewesen. Dabei war es nicht einmal das hohe Pressing, das unmittelbar zum Erfolg führte. Die Youngster der Mainzer „U 23“ schafften es immer wieder, sich mit spielerischen Mitteln zu befreien, brauchten kaum lange Bälle. Stattdessen waren es gewonnene Zweikämpfe der Stadtallendorfer in der eigenen Hälfte – beide Male von Kevin Bartheld geführt –, denen die Treffer zum 2:0-Pausenstand vorausgingen. Das erste Tor nach einer knappen halben Stunde: Bartheld spielt auf Malcolm Phillips, der auf die linke Seite zu Del-Angelo Williams.

Der Stürmer passt ins Zentrum, wo Mirco Geisler rund 25 Meter vor dem Tor aus vollem Lauf abzieht. Der satte Flachschuss schlägt links unten ein, Lasse Rieß im Mainzer Tor streckt sich vergeblich. Nahezu aus gleicher Position erhöht Laurin Vogt kurz vor der Pause, auch er trifft unten links, nachdem er sich durch einen simplen Doppelpass mit Williams von Gegenspieler Lukas Quirin gelöst hatte.

Eintracht ist enorm effizient

Der große Unterschied zu vielen Spielen in der Vergangenheit: Die Stadtallendorfer präsentierten sich äußerst effizient. Defensiv standen sie gut, ließen in der ersten Hälfte kaum etwas zu. Das Problem, dass Gegner zu einfach zu Toren kommen, ist aber nicht abgestellt. Fünf Minuten nach Wiederbeginn kamen die 05-Youngster zum Anschluss: Jonas Fedl flankte aus dem rechten Halbfeld, die Eintracht-Verteidiger Ben-Luca Fisher und Kristian Gauermann standen schlecht, Simon Brandstetter ließ Torwart João Borgert keine Chance. Auch beim zweiten Mainzer Treffer in der 89. Minute hatte es Quirin zu leicht, bei seinem Schuss war er völlig unbedrängt.

Das Tor wurde nicht zum Stimmungskiller – weil Muhamet Arifi eine Minute zuvor vom Strafstoßpunkt sicher (ebenfalls unten links) verwandelt hatte, nachdem Vogt im Strafraum von Marvin Jung zu Boden gerissen wurde. Und weil die Hausherren die letzten vier Minuten inklusive Nachspielzeit schadlos überstanden. Was folgte, war der große Jubel, Sicaja war mittendrin. „Diese Leidenschaft, dieser unglaubliche Einsatz auf dem Platz …“, sagte er dann im Pressegespräch. „Ich bin stolz auf das Team.“

Von Stefan Weisbrod